Vitamin D-Mangel: Risikoindikator oder Risikofaktor?

Vitamin D-Mangel: Risikoindikator oder Risikofaktor?

Vitamin D-Mangel ist ein Risikoindikator für kardiovaskuläre und zerebrale Erkrankungen. © concept w / fotolia.com

Vitamin D-Mangel ist ein Risikoindikator für kardiovaskuläre und zerebrale Erkrankungen.
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Ein Vitamin D-Mangel wird mit vielerlei Erkrankungen in einen kausalen Zusammenhang gebracht. Doch wie ist die Datenlage? Ist ein Vitamin D-Mangel wirklich ein Risikofaktor für vaskuläre Ereignisse oder nur ein Risikoindikator?

Der ursächliche Zusammenhang zwischen einem Vitamin D-Mangel und der Osteoporose ist durch die Ergebnisse entsprechender Interventionsstudien zweifelsfrei belegt. Doch Vitamin D ist ein Mikronährstoff, welcher nicht nur in den Knochenstoffwechsel, sondern auch in viele andere physiologische Prozesse eingreift. Deshalb wird bei vielen Erkrankungen wie beispielsweise KHK und Hypertonie ebenso ein kausaler Zusammenhang diskutiert. „Die dabei entscheidende Frage aber ist, ob der Vitamin D-Mangel nur einen Risikoindikator oder in der Tat einen Risikofaktor darstellt, also ob durch eine Substitution Ereignisse verhindert werden können“, sagte Professor Uwe Zeymer von der Kardiologischen Klinik in Ludwigshafen beim Neurologenkongress in Leipzig.

Vielfältige kardiovaskuläre Effekte

Es ist unbestritten, dass Vitamin D eine Reihe von Effekten zeigt, die für die Manifestation der KHK eine Bedeutung haben könnten. Dazu gehören die Blutdruckregulation ebenso wie die günstige Beeinflussung des Lipidprofils, des Glukose-Stoffwechsels, der vaskulären glatten Muskelzellen, des Renin-Angiotensin-Systems und der endothelialen Regeneration. Außerdem werden Entzündungsreaktionen und die Apoptose abgeschwächt und die Fibrinolyse gesteigert.

In entsprechenden Kohortenstudien konnte dann auch gezeigt werden, dass ein sehr niedriger Vitamin D-Spiegel (< 15 ng/ml) mit einem Blutdruckanstieg und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse einhergeht, wobei aber bei Werten > 30 ng/ml keine strenge Korrelation mehr besteht. Auch in der LURIC-Studie waren bei KHK-Patienten mit sehr niedrigem Vitamin D-Spiegel die kardiovaskuläre und die Gesamtsterblichkeit erhöht, allerdings waren diese Patienten auch deutlich älter und kränker. „Je kränker die Patienten waren, umso niedriger war der Vitamin D-Spiegel“, so Zeymer. Gleiches gelte auch für Demenz-Patienten. Und bei Patienten mit einem ischämischen Insult war nach drei Monaten die höchste Vitamin D-Quartile mit dem besten Verlauf assoziiert. Doch insgesamt zeigt die Überlebenskurve einen leicht U-förmiger Verlauf, d.h. bei Vitamin D-Werten > 60 ng/ml steigt die Mortalität wieder etwas an.

Kausalität nicht bewiesen

„Um die Kausalität eines Vitamin D-Mangels bei vaskulären Ereignissen belegen zu können, brauchen wir prospektive Studien mit kardiovaskulären und neurologischen Endpunkten und die gibt es nicht“, so Zeymer. Es gebe nur Daten zur KHK bzw. Insult aus Osteoporose-Studien. Das Problem dieser Studien seien die unterschiedlichen Einschlusskriterien und Vitamin D-Dosierungen. In Metaanalysen habe sich eine geringe Blutdrucksenkung gezeigt, aber keine Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse. Aber die Gesamtsterblichkeit war reduziert.
Zusammenfassend könne man laut Zeymer sagen, dass der Vitamin D-Mangel ein Risikoindikator für kardiovaskuläre und zerebrale Erkrankungen sei. Aber seine Rolle als Risikofaktor sei keinesfalls bewiesen. Empfehlenswert sei es, einen Wert von 30 – 60 ng/ml anzustreben. Werte < 20 ng/ml seien sicher pathologisch und erforderten eine Substitution mit 800 IU/Tag.

publiziert am: 26.9.2015 19:00 Autor: Dr. Peter Stiefelhagen Quelle: springermedizin.de basierend auf: 88. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), 23.-26.9.2015 in Düsseldorf; Zeymer, U.: Vitamin D Mangel – Ursache für KHK, Alzheimer u.a.?

Quelle: springermedizin.de

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