Ab April kann jeder Vertragsarzt Reha verordnen

VdK-Zeitung                                                                  4. Februar 2016

Medizinische Reha kann ab April jeder Arzt verordnen

Ab April wird das bisherige zweistufige Antragsverfahren vereinfacht

Die Verordnung von medizinischer Rehabilitation wird in Zukunft deutlich einfacher. Das viel kritisierte zweistufige Antragsverfahren der gesetzlichen Krankenversicherung wird damit abgeschafft. Die Änderungen treten zum 1. April 2016 in Kraft.

 

© Imago/Jochen Tack

© Imago/Jochen Tack

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die entsprechend überarbeitete Reha-Richtlinie beschlossen. Der G-BA, in dem der Sozialverband VdK als Patientenvertretung mit berät, ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für mehr als 70 Millionen Versicherte und legt damit fest, welche Leistungen der medizinischen Versorgung von der GKV erstattet werden.

Ab April können Ärzte medizinische Rehabilitationsleistungen direkt auf einem Formular verordnen. Bisher mussten sie auf einem extra Formular vor der eigentlichen Verordnung prüfen lassen, ob die gesetzliche Krankenversicherung leistungsrechtlich zuständig ist. Diese Prüfung ist dann nicht mehr vorgeschrieben.
Zudem kann künftig jeder Arzt eine medizinische Reha verordnen. Bisher durften das nur jene Mediziner, die über eine rehabilitationsmedizinische Qualifikation und damit eine extra Genehmigung verfügten. Für Patienten ist dies eine Verbesserung, denn sie können die Reha nun auch von ihrem Hausarzt verordnet bekommen.

„Patienten wünschen sich schon lange einen schnellen und unbürokratischen Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen, vor allem auch aus der ambulanten Versorgung. Daher ist es gut, dass die Rehabilitationsrichtlinie endlich dahingehend überarbeitet wurde“, begrüßt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher die Änderung.

Die Vereinfachung im Antragsverfahren sagt jedoch nichts darüber aus, ob die Reha von der Krankenkasse bewilligt wird. Generell gebe es viel zu wenig ambulante, wohnortnahe Reha-Angebote. „Die Krankenkassen stellen die Rehabilitationsfähigkeit gerade älterer Patienten häufig in Frage und lehnen den Reha-Antrag ab“, so die VdK-Präsidentin. In knapp 70 Prozent der Fälle hätten die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) eine Reha-Eignung verneint. Nur etwa jeder fünfte Antrag auf eine Reha wird bewilligt. Bei einer Absage hat man einen Monat Zeit, Widerspruch einzulegen. Der VdK rät, auf jeden Fall auf einen schriftlichen Bescheid zu bestehen und eine mündliche Absage nicht zu akzeptieren. Der Sozialverband VdK ist seinen Mitgliedern behilflich, Widerspruch einzulegen.

Auch die 2007 eingeführte mobile geriatrische Rehabilitation habe immer noch Modellcharakter und komme in der Regelversorgung kaum vor. Der Gesetzgeber sei aufgefordert, der Rehabilitation angesichts des steigenden Lebensalters und der immer längeren Lebensarbeitszeit künftig die Bedeutung zu sichern, die ihr zukomme. Denn Rehabilitation trägt wesentlich dazu bei, drohende Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder wenigstens hinauszuzögern.

Quelle: VDK

 

Rentenantrag auf Erwerbsminderung / Nahtlosigkeitsregelung: wichtige Paragraphen des Sozialgesetzbuches

Wenn man als CRPS-Erkrankter vor der sog. Aussteuerung aus dem Krankengeld steht, stellt sich die Frage, was nun zu tun ist, um auch weiterhin seinen Unterhalt sichern zu können.

Im besten Falle sollte man versuchen, mit seinem behandelnden Arzt eine stufenweise Wiedereingliederung an den alten Arbeitsplatz (auch Hamburger Modell genannt) einzurichten, um so stückweise wieder bis zur möglichen Vollzeitbeschäftigung zurückzukehren. Sofern durch weiterhin schlechte Krankheitszustände und Prognose eine Wiedereingliederung nicht möglich sein, sollte man an einen Rentenantrag, und zwar an eine Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) denken. Diese kann bei teilweiser EIngliederung mit weniger Stunden in eine Teil-EM-Rente oder bei weiterhin unmöglicher Arbeitsleistung in eine Voll-EM-Rente ausfallen. Zu beachten ist, dass diese Rente eine Rente auf Zeit ist, d.h., dass der Gesundheitszustand ständig überprüft wird, um evtl. später wieder in den bisherigen Job zurückzukehren. Somit kann man die Vorstellung, manches CRPS-Erkrankten, „Jetzt ist alles vorbei, jetzt geh ich in Rente, und das wars„, entkräften, da es sich hier nicht um eine endgültige Altersrente handelt. Für den Rentenantrag bei der Deutschen Rentenversicherung, bzw. bei seiner jeweils zuständigen Rentenversicherungsanstalt sind diverse Formulare auszufüllen und Unterlagen zusammenzustellen. Die Internetseiten der Deutschen Rentenversicherung bieten hierzu halbwegs ausführliche Abschnitte mit notwendigen Formularpaketen, die man sich zusammenstellen kann. Erfahrungsgemäß sollte man sich für den Rentenantrag Unterstützung suchen, zum Beispiel beim Sozialverband VDK Deutschland oder beim Sozialdienst vieler Kliniken, oder auch bei den Informationscentern der Rentenversicherung in jeder größeren bundesdeutschen Stadt.

Man muss bedenken, dass so ein Rentenantrag seine Bearbeitungszeit braucht, und dass er beim ersten mal auch oftmals nicht das gewünschte Ergebnis hat oder sogar abgelehnt wird. Dann muss man sich erstmal wieder um fachlichkompetenten und/oder rechtilchen Beistand kümmern, um innerhalb der genannten Fristen Wiederspruch einzulegen.Was man dabei auf keinen Fall aus dem Auge verlieren sollte, ist das Ende der Krankengeldzahlung (Aussteuerung aus dem Krankengeld). Um nun die Zeit von der Aussteuerung bis zur möglichen Rentenzahlung zu überbrücken, gibt es im Sozialgesetzbuch wichtige Paragraphen zur sogenannten Nahtlosigkeitsregelung. Diese bedeutet kurz gesagt, eine Arbeitslosengeldzahlung (ALG I), trotz eines bestehenden Arbeitsvertrages, man aber wegen einer Minderung ihrer Leistungsfähigkeit dennoch nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.

Udo Geiger, Richter am Sozialgericht Berlin hat dazu zwei sehr hilfreiche Texte verfasst.

→Link zum Text »Paragraph 125 SGB III bei Minderung der Leistungsfähigkeit / Nahtlosigkeitsregelung« im PDF-Format

→Link zum Text »Soziale Absicherung bei Zusammentreffen von Arbeitslosigkeit und Krankheit« im PDF-Format

→Link zum »§145 SGB III«

Quelle: www.elo-forum.de (Erwerbslosenforum Deutschland), www.dejure.org (Gesetze und Rechtsprechung verzahnter denn je)

Aktueller Pressebericht des VDK zu »Änderungen beim ALG I §125 SGB III jetzt neu § 145 SGB III«

In diesem Beitrag geht es um die Beantragung von Arbeitslosengeld I trotz bestehendem Arbeitsverhältnis, sog. Nahtlosigkeitsregelung

Achtung: Änderungen beim ALG I – § 125 SGB III jetzt neu: § 145 SGB III

Achtung: Änderung beim Verfahrensablauf bei der Anwendung der Nahtlosigkeitsfälle

Es ist zutreffend, dass der Verfahrensablauf bei der Anwendung der Nahtlosigkeitsfälle geändert wurde. Eine Bewilligung des Arbeitslosengeldes im Rahmen des § 145 SGB III ist nunmehr grundsätzlich erst nach erfolgter ärztlicher Begutachtung – mit Aussage des ärztlichen Dienstes: Kunde kann länger als 6 Monate keine versicherungspflichtige Beschäftigung ausüben – möglich.

Damit Zahlungslücken, z.B. Ende des Krankengeldbezuges, vermieden werden, ist der Kunde bei der Arbeitslosmeldung über das Erfordernis der ärztlichen Begutachtung zu informieren und auch auf eine rasche Mitwirkung (Rückgabe des Gesundheitsfragebogens, Schweigepflichtentbindungserklärung etc.) seinerseits hinzuweisen.

Verzögert sich die ärztliche Begutachtung – länger als 3 Wochen – trotz Vorlage der Unterlagen durch den Kunden kann eine vorläufige Entscheidung nach § 328 Abs. 1 Nr. 3 SGB III getroffen werden.

Bei Leistungsgewährung im Rahmen der Nahtlosigkeitsregelung müsste spätestens innerhalb eines Monats nach Aufforderung durch die Bundesagentur für Arbeit der Reha-Antrag gestellt werden (§ 145 Abs. 2 SGB III). Die Aufforderung zur Reha-Antragstellung erfolgt in der Regel mit der Bewilligung des Arbeitslosengeldes.“

→Link zum Sozialverband VDK Deutschland

→Link zum weiterführenden Beitrag zur Nahtlosigkeitsregelung

Quelle: www.vdk.de, Landesverband Bayern

Nachgang zum ersten Gruppentreffen in Köln am 31.1.2014

Ich möchte kurz von unserem ersten Gruppentreffen in Köln berichten. Es war eine kleine Runde von sechs Personen – ich muß sagen, ich war ein klein wenig traurig, dass es nicht mehr waren. Abgesagt haben auch nur zwei. Daher gab es einige, die es nicht einmal für nötig befunden haben, abzusagen.Aber trotzdem gibt es Positives berichten, zumal wir bunt gemischt waren von Hand- und Fuß-Betroffenen. Ich hatte sogar noch kurzfristig einen Fachgast einladen können: Carsten Hillebrand, Physiotherapeut aus Köln, der schon seit der Jahrtausendwende Sudeckpatienten behandelt. Themen waren Schwerbehindertenausweis, Grad der Behinderung (GDB) und Merkzeichen. Hier wird leider oft sehr unterschiedlich und nachteilig von den Behörden entschieden. Hilfreich kann hier der VDK sein, der in der Vertretung chronisch Erkrankter gute Unterstützung leistet.
Carsten hielt ein kleines Referat, wie sich die Sudeckbehandlung über die Jahre verändert hat. Noch bis vor Kurzem (1-2 Jahre) durften die Patienten nie über ihren Sudeck informiert werden. Heute dagegen soll man eher aggressiv damit umgehen und den Patienten die ganze Wahrheit sagen. Aber was kann hier die Begründung sein? Ist es wie in der Krebsbehandlung? Dort wird auch nicht vom „Krebs“ gesprochen…
Weiterin gab es das Thema multimodale/interdisziplinäre Behandlung/Versorgung. Eine Frage in die Runde zeigte, dass es eher selten dazu kommt, obwohl die Leitlinie als Behandlung Nummer 1 davon spricht. Leider behandelt meist der Orthopäde für sich selbst, man sieht vielleicht ab und an einen Schmerztherapeuten, der sein Glück versucht, und man geht zur Physiotherapie und oder auch zur Ergotherapie. Die Therapeuten sehen in die Karte, wenn man kommt, macht 45 Minuten eine Behandlung nach Leitlinie und dann wird man wieder entlassen, als Patient Nr. xxx. Und beim nchsten Mal gehts mit dem Leitlinienprogramm weiter. Hier macht sich niemand mal einen Gedanken, was für diesen Patienten genau am besten passt und ob auch vielleicht zu Hause bis zum nächsten Termin etwas getan werden kann, quasi Hausaufgaben. Wir haben später nochmal über die Psychotherapie separat gesprochen, aber die gehört auch als wichtiger Teil zur multimodalen Behandlung. Zum einen weil der Sudeck doch auch eine Kopfsache ist und weil man manchmal nicht mehr weiss, wie man mit dem Schmerz und der Krankheit umgehen soll. Aber alle bestätigten, dass jeder so sein eigenes Ding macht. Ich kann selbst von meinen Physio- und Ergotherapeuten positiv sprechen, weil die sich auch einen Gedanken um meinen speziellen Sudeck machen und mir so eine ganz spezielle Therapie zukommen lassen. Zur Psychotherapie befragt, kam auch nur meist heraus, dass es auch eine Kostenfrage ist. Nicht jeder kann es selbst bezahlen, oder auch nicht die Kostenerstattung nutzen. Und es ist oft schwierig, überhaupt einen geeigneten Psychotherapeuten zu finden und die Chemie muss ja auch noch stimmen. Daher lassen viele es dann ganz sein, oder suchen sich tot und rufen shcon mal 60 Therapeuten an, um dann doch keinen zu finden….
Zum Organisatorischen konnte ich nochmal die Terminplanung im Wechsel mit Bremen vorstellen, auch wenn es für manchen aus dem Süden doch weiter ist bis Bremen. Dafür wurde die NRW-Gruppe gelohnt, weil es jetzt nicht mehr so weit ist. Weiterhin wurde der CRPS-SOS-Ausweis vorgestellt, und die Pläne zum bundesweiten SudeckSelbsthilfeNetzwerk wurden kurz angesprochen.
Nach dem Treffen haben wir dann alle gemeinsam noch die kleine Entfernung von 500 Metern zu Fuß, auf Krücken oder im Rolli aufgenommen, und sind im MyIndigo eingekehert, einer neuen interessanten Restaurantsidee: hier ist alles frisch, man stellt sich selbst etwas zusammen (Nudeln, Reis, Suppen, Salate, Sushi, Desserts) und kombiniert nach eigenen Wünschen. Und die Preise sind sehr moderat niedrig. ich glaube, das kann eine dauerhafte Location für uns werden….