Neurokognitive Rehabilitation nach Carlo Perfetti

Liebe CRPS Betroffene und Angehörige, liebe Interessierte,

in der Vergangenheit haben wir bereits ene interessante Schulung durch unsere befreundete Ergotherapeutin, Regina Klossek aus Köln anbieten können. Heute möchten wir Euch über eine besondere Therapiemöglichkeit durch Regina Klossek aufmerksam machen:

Foto: NKR Köln

Das Perfetti Konzept bei der Behandlung chronischer Schmerzen

Professor Perfetti hat sich 2007 mit dem neuropathischen Schmerz auseinander gesetzt und darauf basierend ein therapeutisches Behandlungskonzept erstellt. Den neuropathischen Schmerz zeichnet aus, dass häufig einer Bagatellverletzung wie z.B. einer Handgelenksfraktur der Schmerz trotz gut verlaufener OP anhält und sich verschlimmert, obwohl keine körperliche Ursache für sein Bestehen (mehr) gefunden werden kann.Die Wissenschaft geht inzwischen davon aus, dass der Schmerz wegen einer Beeinträchtigung des Nervensystems anhält. Mit Beeinträchtigung muss nicht zwingend eine zentrale Erkrankung wie ein Schlaganfall oder ähnliches gemeint sein. Wenn man sich zum Beispiel den Phantomschmerz nach Amputation vor Augen führt, lässt sich zweifelsfrei feststellen, dass dieser Schmerz nicht von dem amputierten Körperteil kommen kann. Nach einer Amputation geschehen im Gehirn „merkwürdige“ Umstrukturierungsmaßnahmen und dabei kann es vorkommen, dass ein Phantomschmerz entsteht. Das sind real wahrgenommene Schmerzen, die in einem nicht mehr vorhandenen Bein zum Beispiel wahrgenommen werden. Was und wie genau das im Gehirn passiert, weiß man noch nicht. Aber man macht Umstrukturierungsprozesse im Gehirn dafür verantwortlich, dass diese Form des neuropathischen Schmerzes entsteht.

Es kann auch sein, dass eine einfache Schulterfraktur zum Beispiel zu einem neuropathischen Schmerz wird. Wenn die Schmerzsymptomatik weiter anhält, obwohl der ursächliche Gewebeschaden nach Aussagen des Mediziners komplett wiederhergestellt wurde, spricht man auch von einem neuropathischen Schmerz. Auch hierbei wird der Schmerz den Umstrukturierungsmaßnahmen im Gehirn zugeschrieben, die aufgrund der Schulterfraktur geschahen. Also auch in diesem Fall ist das Gehirn nicht direkt geschädigt oder betroffen, sondern seine Funktionsweise wurde verändert.

Man spricht also von einem neuropathischen Schmerz, wenn die Funktionsweise des Gehirnes nach einer tatsächlichen zentralen Läsion oder peripheren Schädigung so verändert wurde, dass eine Schmerzsymptomatik ohne dazugehörigen Gewebeschaden des Körpers deutlich wird.

Foto: NKR Köln

Die Schmerztheorie nach Prof. Carlo Perfetti

Kennen Sie die Situation, dass Ihr Arzt keine körperliche Erklärung mehr für Ihre anhaltenden Schmerzen findet, Sie aber weiter unter starken Schmerzen leiden?

Wissenschaftler haben als Grund dafür eine Veränderung in der Hirnregion gefunden, die für die schmerzhafte Körperstruktur zuständig ist. Laut Professor Perfetti, Neurologe aus Italien, entstehen diese Veränderungen auf Hirnebene durch widersprüchliche Informationen, die aus der ursprünglich verletzten Körperstruktur an das Gehirn gesendet werden.

Beispielsweise könnten folgende Informationen an das Gehirn gesendet werden: Das Becken meldet, dass die Gewichtsverteilung auf der rechten Seite größer als links ist, die Schultern dagegen signalisieren, dass sie exakt, also in einer Linie über dem Becken stehen. Da beides gleichzeitig nicht bestehen kann, kommt das Gehirn in eine Problemsituation.

Die einzige Lösung besteht darin, eine Information zu eliminieren, also zu löschen. Nicht zusammen passende Informationen aus dem Körper können ein Zeichen für einen drohenden Gewebeschaden darstellen. Und deswegen wird der Schmerz als eine Art Aufmerksamkeitssignal des Gehirnes in die entsprechende Körperregion gesendet. Um bei unserem Beispiel des Beckens und der Schultern zu bleiben, könnte eine mögliche Folge Rückenschmerz sein.

Der Behandlungsansatz besteht also darin, alle Informationen des Körpers wieder in Einklang, in Übereinstimmung zu bringen und auf diese Art die Ursache für das Schmerzsignal aufzuheben.

Das wird über den sogenannten TOP-DOWN Ansatz gemacht. Das bedeutet, dass wir bewusste Hirnprozesse, wie die Aufmerksamkeit, die Körperwahrnehmung und die Bewegungsvorstellung einer früheren, als vor dem Schmerzereignis erlebten Körpererfahrung nutzen, um alle Körperinformationen wieder in einen harmonischen Einklang zu bringen und auf diese Art, die Ursache für den Schmerzsignale aufheben. Auf diese Art reduziert sich nicht nur der erlebte Schmerz, sondern langfristig werden auch die umstrukturierten Hirnregionen über diesen Lernprozess neu sortiert.

Das Nervensystem zu reorganisieren bedeutet die Fähigkeit der Interaktion zwischen Patient und Umwelt zu verbessern.

(Quelle: NKR Köln)

Foto: NKR Köln

Das Institut von Regina Klossek bietet in Kürze spezielle Kurse nach Perfetti an. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite https://www.nkr-perfetti.de/

Krank vor Schmerz

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Krank vor Schmerz

Schmerzen sind ein Alarmsignal des Körpers. Wer sie dauerhaft hat, leidet oft erheblich. Wie Schmerz entsteht, was Sie tun können

Schmerzen quälen, martern, klopfen, pochen oder stechen. Manchmal bohren sie, brennen, drücken, kribbeln oder elektrisieren. Viele Wörter eignen sich, um Schmerzen zu beschreiben, denn jeder fühlt und erlebt sie anders. Trotz der Vielfalt der Begriffe findet sich eine Gemeinsamkeit: Schmerz erfüllt eine Funktion. Er signalisiert: „Vorsicht, hier stimmt etwas nicht.“

Denn normalerweise schmerzt es, wenn dem Körper Schaden droht – durch äußere Einflüsse oder Erkrankungen. Wie wichtig diese Funktion ist, lässt sich an jenen Menschen erkennen, die Schmerzen gar nicht oder kaum wahrnehmen. Beispiel Diabetes: Schreitet die Zuckerkrankheit voran, funktionieren die Nerven in den Füßen oft nicht mehr. Eine solche Polyneuropathie kann die Füße schmerzunempfindlich machen, zu deformierten Zehen sowie chronisch infizierten Wunden führen.

Wie Schmerz entsteht

Das Alarmsignal Schmerz nimmt seinen Ausgang in Haut und Organen. Dort verfügt der menschliche Körper über spezielle Fühler, die Nozizeptoren. Sie senden elektrische Impulse aus, wenn sie Kälte, Hitze, Strom, bestimmten chemischen Stoffen oder hohem Druck ausgesetzt sind. Oder bei Verletzungen. Die Signale der Nozizeptoren werden über spezielle Schmerzfasern ins Rückenmark weitergeleitet und dort verarbeitet.

Über die Schaltstelle im Rückenmark können Reflexe ausgelöst werden: Beispielsweise aktiviert sie jene Muskeln, die die Hand von der heißen Herdplatte ziehen. Dabei nimmt der Betroffene noch keinen bewussten Schmerz wahr. Das geschieht erst, nachdem die Signale vom Rückenmark ins Gehirn gelangt sind und dort mehrere Kontrollinstanzen in Hirnrinde, Zwischenhirn und Hirnstamm angeregt haben.

Was die Schmerzwahrnehmung beeinflusst

Die vielen Verschaltungen und Verarbeitungsprozesse beeinflussen die Wahrnehmung akuter Schmerzen. Dabei spielt nicht nur der aktuelle Gemütszustand eine Rolle. Von großer Bedeutung sind bisherige Schmerzerfahrungen. Denn diese Informationen verändern jene Nervenzellen von Gehirn und Rückenmark, die eintreffende Impulse hemmen oder verstärken und damit die Wahrnehmung beeinflussen. Welche Macht diese unzähligen Sachbearbeiter des Schmerzes haben, zeigt sich nicht zuletzt in Ausnahmesituationen: Verletzen sich beispielsweise Sportler während eines Wettkampfs, spüren sie – selbst bei schwerwiegenden Verletzungen – oft keinen Schmerz. Erst nach der Belastung machen sich die Beschwerden bemerkbar.

Verletzungen der Haut oder der Schleimhaut, Muskeltraumen, Prellungen, Knochenbrüche oder auch Operationen aktivieren die Schmerzfühler im Gewebe und erzeugen sogenannte somatische Schmerzen. Liegt die Ursache in einem Organ, bezeichnen Ärzte die Beschwerden als viszerale Schmerzen. Das ist beispielsweise bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, bei Tumoren oder einem Herzinfarkt der Fall. Akute Schmerzen erfordern oft Sofort-Maßnahmen: Ein verstauchter Knöchel gehört beispielsweise entlastet, gekühlt, mit einem Verband versehen und hochgelagert (PECH-Regel). Eine Wunde am Finger sollte je nach Art und Größe desinfiziert und mit einem Pflaster oder Verband versorgt werden.

Wenn Schmerzen chronisch werden

Nicht immer verschwinden Schmerzen wieder. Bisweilen bleiben sie für Wochen, Monate oder sogar Jahre – oder sie kommen in regelmäßigen Abständen wieder.

„Die Ursachen chronischer Schmerzen unterscheiden sich erheblich“, sagt Professor Christoph Maier, Leiter der Abteilung für Schmerzmedizin am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. Manchmal beruhen sie auf einer Dauerreizung der Schmerzfühler (Nozizeptor-Schmerz). Dies ist bei bestimmten chronischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, Wundschmerzen oder Bauchkrämpfen (Koliken) der Fall.

Neuropathischer Schmerz

Auch Schäden an jenen Nervenfasern, die Schmerzsignale weiterleiten, können für Dauerschmerzen verantwortlich sein. Werden die Fasern an einer Stelle beschädigt oder zusammengedrückt, büßen sie ihre Funktion ein und senden ständig Impulse. Diese neuropathischen Schmerzen beschreiben die Betroffenen als kribbelnd, elektrisierend oder einschießend. Oft fällt es schwer, den Schmerz exakt zu orten. Denn die beschädigten Nerven liefern falsche Informationen.

Sie täuschen den Betroffenen, sodass es ihn oft gar nicht an der eigentlichen Stelle schmerzt, sondern woanders. Ein extremes Beispiel sind Phantomschmerzen nach einer Amputation: Hier empfinden die Patienten Schmerzen in einem Körperteil, das nicht mehr da ist. Neuropathische Schmerzen können auch im Verlauf einer Zuckerkrankheit auftreten (diabetische Neuropathie), bei Bandscheibenvorfällen sowie nach Nervenentzündungen wie einer Gürtelrose (Herpes zoster) oder nach einem Schlaganfall.

Bei vielen Krankheitsbildern überlagern sich Nozizeptor-Schmerz und neuropathische Schmerzen. Das gilt insbesondere für Tumorschmerzen.

Fehlsteuerungen und psychische Belastungen

Als weitere Ursache chronischer Schmerzen kommen Fehlsteuerungen infrage. Beispiel Rückenschmerzen: Diese beginnen oft mit der Funktionsstörung eines Muskels, einer Muskelverspannung. Die sorgt für weitere Verspannungen, was die Schmerzen wiederum verstärkt. Dem Komplexen Regionalen Schmerzsyndrom (Morbus Sudeck) liegt ein Steuerungsfehler des vegetativen Nervensystems zugrunde. Bei Migräne-Attacken ist wohl der Blutfluss im Gehirn, bei Spannungskopfschmerzen vermutlich die Funktion der Nackenmuskulatur gestört.

Für manche chronischen Schmerzen wiederum lässt sich trotz aller Untersuchungen und Tests keine plausible Erklärung finden. Das gilt vor allem für einige Formen anhaltender Magen-Darm-Beschwerden, Herz- oder auch Kreuzschmerzen. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, psychische Belastungen sowie Stress im beruflichen und privaten Umfeld als Ursache heranzuziehen (psychosomatischer Schmerz).

Das „Schmerzgedächntis“

Bei manchen Patienten verselbstständigt sich der Schmerz und wird zu einem eigenen Problem. Ärzte sprechen von Chronifizierung, Patienten oft vom Schmerzgedächtnis. Der populäre Begriff dient dazu, jene biochemischen und physiologischen Veränderungen an Rezeptoren im Rückenmark und Gehirn zu beschreiben, die Dauerschmerzen hervorrufen. Doch anders als von vielen Patienten vermutet, geht es bei einer effektiven Schmerztherapie nicht darum, die Veränderungen im Gehirn rückgängig zu machen und damit das angeblich vorhandene Schmerzgedächtnis zu löschen. Vielmehr sollen die Betroffenen vor allem lernen, mit den Schmerzen zu leben und mit der Angst vor ihnen umzugehen.

Als hilfreich hat sich ein multimodaler Ansatz erwiesen, bei dem die Therapie auf verschiedenen, individuell abgestimmten Pfeilern ruht. Dabei kommen neben Medikamenten (Schmerzmitteln) auch psychotherapeutische Verfahren (verhaltenstherapeutische Ansätze, Einzel- und Gruppentherapien, Entspannungsverfahren), Physiotherapie (zum Beispiel Massagen, Krankengymnastik, Lymphdrainage, Wärme- und Kältereize, Strom), Sport– und Ergotherapie sowie komplementäre Verfahren (zum Beispiel Phytotherapie, Akupunktur) zum Einsatz.

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(Quelle: Dr. Ralph Müller-Gesser / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 12.06.2014, erstellt am 07.09.2009)