CRPS und Krankenbeförderung

verordungenWenn wir mit einigen Betroffenen zusammenstehen, nach dem Gruppentreffen oder uns im Chat unterhalten, erzählt der eine oder andere, dass er zum Arzttermin oder zum nächsten Therapietermin mit dem Taxi fährt. Jetzt könnte man meinen, dass es hier auf jeden Fall um Betroffene mit dem Sudeck am Fuß geht. Aber nein, auch Hand-Sudeckler haben oft einen „Taxi-Schein“. Jetzt bin ich selbst am Fuß betroffen und kann durch „ihn“ keinen Schritt mehr ohne Rollstuhl bzw. Gehhilfen machen. Und es hat sehr lange gedauert, bis ich auch endlich von meiner Krankenkasse – übrigens Deutschlands servicebester Kasse – eine Bewilligung der Krankenbeförderung zur ambulanten Therapie bekommen habe. Wie gesagt, kann ich mich nur im Rollstuhl fortbewegen und kann aufgrund des Merkzeichen „G“ auch kostenfrei mit Bus und Bahn fahren. Aber für 20 oder 30 Minuten Therapie immer 45 Minuten hin und auch wieder zurück fahren zu müssen hat eher gar keinen therapeutischen Wert. Nun nehme ich aufgrund der sehr extremen CRPS Schmerzen täglich die maximale Tagesmenge Morphium ein, um es einigermaßen aumhalten zu können und die Nebenwirkungen lassen es eigentlich nicht zu, dass ich mich mit dem Rollstuhl in den aktiven Straßenverkehr begebe, aber irgendwie muss ich ja schließlich zu meinen Anwendungen kommen. Doch weder meine behandelnden Ärzte noch die Stadt (Antrag auf Kennzeichen aG liegt beim Sozialgericht) sehen hier irgendwelche Probleme mit Verantwortlichkeiten, falls mir im Straßenverkehr mal etwas passieren sollte. Sowohl meine Anträge auf Kostenübernahme der Taxikosten bei meiner Krankenkasse, noch die Bitten auf Ausstellung eines „Taxischeins“ bei meinen Ärzten hatten Erfolg. Die Begründung lautete stets, dass ich diesen nur mit dem Kennzeichen „aG“ bekommen könnte, oder wenn ich eine Pflegestufe hätte, oder wenn ich ein „Tumorpatient“ wäre. Aber wenn man mal überlegt, warum bei Patienten in einer Tumorbehandlung die Fahrtkosten zur Behandlung übernommen werden, ist es ja nicht der Tumor selbst, sondern die Verfassung, in der sich die Patienten befinden bzw. auch unter welchen harten Medikamenten sie stehen. Und beide verstecken sich hinter dem Gesetz, das diese beiden Hürden so aufsetzen würde. Dabei steht nichts davon im Gesetz. Aber beide sitzen nun mal am längeren Hebel und weigern sich, sich mal in die Situation eines durch CRPS gehbehinderten Schmerzpatienten zu versetzen. Alles hängt aber nur an diesem hellblauen Formular mit roter Schrift (Download) „Verordnung einer Krankenbeförderung“, welches der behandelnde Arzt oder Schmerztherapeut ausfüllen muss, ihn maximal fünf Euro Rezeptgebühr kostet und er damit bestätigt, dass er die Beförderung für medizinisch notwendig hält. Zusätzlich ist es wichtig, dass das Feld „Dauerhafte Mobilitätseinschränkung, vergleichbarer Grund wegen (ggf. Angabe ICD-10)“ ausgefüllt wird und hier CRPS beschrieben wird, denn der bekannte ICD-10 für CRPS lautet M89.0Sonstige Knochenkrankheiten, Neurodystrophie, Algodystrophie – bzw. G54.6Mononeuropathien der oberen Extremitäten – zeigt im Grunde die Ernsthaftigkeit des CRPS gar nicht auf. Gerade der zweite Schlüssel widerspricht auch eher der Gehbehinderung, weil es ausschließlich um die Arme und Hände geht. Sobald der Arzt die Verordnung ausgestellt hat, sollte man diese bestenfalls persönlich bei seiner Krankenkasse vorlegen (eigene Kopie nicht vergessen!). Die Kasse wiederum reicht die Verordnung meistens an den zuständigen MDK weiter zur Entscheidung. In vielen Fällen trifft aber bereits die/der zuständige Sachbearbeiterin/er die Entscheidung und bewilligt die Fahrtkostenübernahme, weil sie/er einsieht, dass man mit einem Sudeckfuss genauso wenig laufen kann, wie z.B. ein Beinamputierter (Voraussetzung im Gesetz).
Gerne bin ich beim Durchführen des eigenen Antrags behilflich…. 🙂
Liebe Grüsse
Euer
Stefan

PS. Link zu den Richtlinien für die Verordnung von Krankenfahrten.

Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis

Was die Zeichen G, aG, B, H, BL, 1. Kl., GL, RF und T bedeuten

Auf dieser Seite bekommt man einen ersten Überblick über die Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis. Außerdem werden die Nachteilsausgleiche aufgezeigt, die man beantragen kann, wenn die Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis eingetragen sind.

Weitere Informationen zu den Nachteilsausgleichen findet man auf speziellen Seiten der jeweiligen Stadtverwaltung.

Bitte beachte, dass die Informationen auf diesen Seiten eine persönliche Beratung nicht ersetzen können.

Merkzeichen G
Dieses Merkzeichen erhält man im Schwerbehindertenausweis, wenn man gehbehindert ist. Das bedeutet, dass man nur noch kurze Wege laufen kann.
Dies kann auch bei einer Beeinträchtigung durch erkrankte innere Organe, einem Anfallsleiden oder wenn die Fähigkeit sich zu orientieren gestört ist, der Fall sein.
Mit dem Merkzeichen G kann man folgende Nachteilsausgleiche beantragen:

  • Beiblatt mit Wertmarke zur kostenlosen Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln gegen Zahlung eines Eigenanteils

Merkzeichen aG
Voraussetzung für dieses Merkzeichen ist eine außergewöhnliche Gehbehinderung. Damit ist gemeint, dass man sich außerhalb eines Autos nur mit großer Anstrengung oder fremder Hilfe bewegen kann. Dies gilt bei Lähmungen der Beine, Amputationen an beiden Beinen sowie schweren Herzschäden und Erkrankungen der Atemwege.

Mit dem Merkzeichen aG kann man folgende Nachteilsausgleiche beantragen:

  • Mobiltätshilfe
  • Beiblatt mit Wertmarke zur kostenlosen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gegen Zahlung eines Eigenanteils
  • Parkausweis für öffentliche Behindertenparkplätze
  • Einrichtung eines persönlichen Behindertenparkplatzes
  • Kraftfahrzeugsteuerbefreiung
  • Fahrten mit dem Auto in der Umweltzone ohne gültige Plakette
  • steuerliche Absetzbarkeit von Fahrkosten

Merkzeichen B
Wenn man regelmäßig auf eine Begleitperson angewiesen ist, kann man das Merkzeichen „B“ im Schwerbehindertenausweis beantragen. Dieses bekommt man, wenn man

  • querschnittgelähmt ist
  • beide Hände nicht nutzen kann
  • erblindet oder stark sehbehindert ist
  • geistig behindert ist
  • anfallskrank ist
  • stark schwerhörig oder ertaubt ist oder eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit hat und im Schwerbehindertenausweis deshalb das Merkzeichen „G“ eingetragen wurde.

Mit dem Merkzeichen „B“ können Sie folgende Nachteilsausgleiche beantragen:

  • kostenlose Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln für eine Begleitperson
  • Ermäßigungen bei Eintrittsgeldern für eine Begleitperson
  • steuerliche Absetzbarkeit von Reisekosten, die durch eine Begleitperson entstanden sind

Merkzeichen H
Dieses Merkzeichen erhalten Sie, wenn man dauerhaft fremde Hilfe für alltägliche Tätigkeiten braucht. Das Merkzeichen „H“ ist deshalb die Abkürzung für hilflos. Zu den Menschen mit Behinderungen, die als hilflos gelten, gehören:

  • Blinde und hochgradig Sehbehinderte
  • Querschnittsgelähmte
  • Menschen die von Armen/Händen und Beinen/Füßen mindestens zwei nicht nutzen können
  • Hirngeschädigte, Anfallskranke und Menschen mit geistiger Behinderung, wenn der Grad der Behinderung mit 100 Prozent bewertet wurde.

Mit dem Merkzeichen „H“ kann man folgende Nachteilsausgleiche beantragen:

  • Beiblatt mit Wertmarke zur kostenlosen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ohne Zahlung eines Eigenanteils
  • Kraftfahrzeugsteuerbefreiung
  • Parkerleichterung durch Ausnahmegenehmigung
  • steuerliche Absetzbarkeit von Fahrkosten

Außerdem kann es sein, dass man Anspruch auf Leistungen zur häuslichen Pflege habt. Das Merkzeichen „H“ ist hierfür aber keine Voraussetzung.

Merkzeichen BL
Dieses Merkzeichen erhalten Blinde in ihrem Schwerbehindertenausweis. Auch als stark Sehbehinderter kann man es bekommen, wenn man auf dem besseren Auge nicht mehr als 2 Prozent sehen kann. Damit kann man Hilfen bekommen, um sich in fremder Umgebung zurecht zu finden.

Mit dem Merkzeichen „BL“ kann man folgende Nachteilsausgleiche beantragen:

  • Beiblatt mit Wertmarke zur kostenlosen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ohne Zahlung eines Eigenanteils
  • Kraftfahrzeugsteuerbefreiung
  • Parkausweis für öffentliche Behindertenparkplätze
  • Einrichtung eines persönlichen Behindertenparkplatzes
  • Fahrten mit dem Auto in der Umweltzone ohne gültige Plakette
  • erhöhter Freibetrag bei der Einkommenssteuer
  • Rundfunkbeitragsbefreiung, nur wenn gleichzeitig das Merkzeichen GL eingetragen ist
  • Sozialtarif für einen Telefonanschluss der Deutschen Telekom AG

Wenn einem das Merkzeichen „BL“ zuerkannt wurde, wird man zu dem Personenkreis gehören, dessen Anträge auf Blindengeld Aussicht auf Genehmigung haben. Das Merkzeichen „BL“ ist hierfür jedoch keine Voraussetzung.

Merkzeichen GL
Das „GL“ wird im Ausweis eingetragen, wenn man gehörlos ist. Man erhält es aber auch als Schwerhöriger, wenn die Lautsprache nur schwer verständlich ist.

Mit dem Merkzeichen „GL“ kann man folgende Nachteilsausgleiche beantragen:

  • Beiblatt mit Wertmarke zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gegen Zahlung eines Eigenanteils
  • oder eine Ermäßigung der Kraftfahrzeugsteuer
  • Rundfunkbeitragsbefreiung, nur wenn gleichzeitig das Merkzeichen BL eingetragen ist
  • Sozialtarif für einen Telefonanschluss der Deutschen Telekom AG

Außerdem kann man Gehörlosenhilfe beantragen. Das Merkzeichen „GL“ ist hierfür aber keine Voraussetzung.

Merkzeichen 1. Kl.
Mit diesem Merkzeichen werden einem bei Bahnreisen die Leistungen der 1. Wagenklasse mit einem Fahrschein für die 2. Wagenklasse gewährt.

Diesen Nachteilsausgleich erhalten nur Menschen mit Behinderungen, die als Schwerkriegsbeschädigte oder Verfolgte Ansprüche im Sinne des Bundesentschädigungsgesetzes haben.

Merkzeichen RF
Das Merkzeichen ist die Abkürzung für Rundfunkbeitrag. Der mögliche Nachteilsausgleich erfolgt in Form einer Ermäßigung des Rundfunkbeitrags, die auf Antrag vom Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio gewährt wird. Außerdem ist dieses Merkzeichen die Voraussetzung für den Sozialtarif eines Telefonanschlusses bei der Deutschen Telekom AG.

Wenn es einem durch Ihre Behinderung schwer fällt, öffentliche Veranstaltungen zu besuchen, kann man das Merkzeichen „RF“ erhalten. Hierfür ist jedoch Voraussetzung, dass technische Hilfen oder eine Begleitperson keine wesentliche Erleichterung sind.

Hierzu zählen:

  • Blinde und Sehbehinderte, die nur für die Sehbehinderung einen Grad der Behinderung von mindestens 60 Prozent erhalten haben
  • Gehörlose und Schwerhörige, denen auch mit Hörhilfen eine ausreichende Verständigung nicht möglich ist
  • Menschen, die einen Grad der Behinderung von mindestens 80 Prozent haben und wegen ihrer Behinderung an öffentlichen Veranstaltungen ständig nicht teilnehmen können

Merkzeichen T
Das Merkzeichen „T“ berechtigt zum Beispiel in Berlin zur Benutzung des „Sonderfahrdienstes“ für Menschen mit Behinderungen.