Worte gegen Schmerzen

30.10.2018 | Schmerzkongress 2018 | Kongressbericht | Nachrichten

Zu wenig beachtetes Koanalgetikum

Worte gegen Schmerzen

(c) Schmerztherapie Heilbronn

Autor: Dr. med. Thomas M. Heim

Die schmerzlindernde Wirksamkeit positiver Erwartungen kommt der Potenz starker Schmerzmittel nahe. Negative Erwartungen wiederum können die beste pharmakologische Schmerztherapie kompromittieren. Eine Studie zum postoperativen Schmerz bei Brustkrebspatientinnen bestätigt nun, wie wichtig Kommunikation ist, um positive Erwartungen zu nähren.

„Trotz Leitlinien-basierter Behandlungsoptionen erlebt nach Operationen eine Vielzahl der Patienten Schmerzen mittlerer bis hoher Intensität“, berichtet Prof. Sven Benson, Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie, Uni Essen. Unzureichend behandelte Schmerzen seien für die Betroffenen sehr belastend und bergen Benson zufolge auch ein hohes Risiko für Schmerzchronifizierung, längere Einnahme von Analgetika und Opioidabhängigkeit. Es sei daher dringend notwendig, die postoperative Schmerztherapie zu optimieren. Dabei könne die Tatsache nützlich sein, dass durch die Induktion positiver Erwartungen die Wirksamkeit der Behandlung erheblich verstärkt werden könne. Allein durch Plazebos habe man in Studien Schmerzlinderungen erzielt, die mit der oralen Gabe von 4-6 mg Morphin vergleichbar waren, und auch die Potenz pharmakologisch wirksamer Schmerzmittel variiere sehr stark mit den Erwartungen des Patienten. Ein wichtiger Faktor sei dabei die „Droge Arzt“: Viel wirksamer als eine verdeckte Applikation, etwa über eine computergesteuerte Arzneimittelpumpe, sei immer die offene Gabe, etwa in Form einer Injektion durch eine als solche sofort erkennbare Ärztin, die glaubhaft versichert, sie verabreiche nun ein starkes Medikament.

Benson und Mitforschende führten eine randomisiert kontrollierte Studie mit 120 Brustkrebspatientinnen durch, bei denen eine operative Tumorresektion geplant war. Der einen Hälfte der Patientinnen wurde vor dem Eingriff angekündigt, dass sie möglicherweise im Aufwachraum eine ganz neuartige und vermutlich hoch wirksame Behandlung − ähnlich einer Ohrakupunktur − erhalten würden. Die andere Hälfte wurde lediglich auf diese Möglichkeit hingewiesen, neutral, das heißt ohne die Behandlung zu bewerten. Von beiden Gruppen erhielten wiederum randomisiert jeweils die Hälfte, also ein Viertel aller Patientinnen, eine Plazebo-Akupunktur in 3 vorher festgelegte, aber willkürlich ausgewählte, das heißt keinem Akupunktursystem entsprechende, Punkte am Ohr. Die andere Hälfte beider Gruppen erhielt keine Plazebo-Behandlung. Die postoperative Analgesie erfolgte in allen Fällen patientengesteuert mit parenteralem Morphin.

Die Patientinnen, die vor der Operation eine positive Instruktion erhalten hatten, bewerteten ihre postoperative Schmerzintensität als signifikant niedriger als die Patientinnen, die eine neutrale Information erhalten hatten, und zwar unabhängig davon, ob die Scheinakupunktur durchgeführt wurde oder nicht. Der Morphinbedarf war in allen Gruppen vergleichbar. Insgesamt seien, so Benson, die Patientinnen sehr zufrieden mit der Schmerztherapie gewesen. Nur in der Gruppe der neutral Informierten war die Zufriedenheit der nicht Akupunktierten um einen halben Scorepunkt niedriger als bei denen die die Scheinakupunktur erhalten hatten. Benson vermutet, dass alleine die Einbindung in eine Studie und die einfühlsame und ermutigende Art der Aufklärung vor der Operation den Patientinnen das Gefühl vermittelte, gut versorgt zu werden und keine Angst vor Schmerzen haben zu müssen. „Unsere Studie hat bestätigt, dass Therapieerwartungen Schmerz und Zufriedenheit erheblich beeinflussen können, und dass Kommunikation dabei entscheidend ist“, resümiert Benson.

Basierend auf: Symposium SY07 „Erwartung von Patienten auf Zuversicht und Selbsteffizienz bei der Schmerzlinderung setzen! (DFG-Forschergruppe FOR 1328)“, 18.10.2018, Deutscher Schmerzkongress 2018, Mannheim.

Quelle: springermedizin.de

Schmerzskala alleine reicht nicht

02.11.2018 | Schmerzkongress 2018 | Kongressbericht | Nachrichten

Schmerzbeurteilung

Schmerzskala alleine reicht nicht

Autor:Dr. med. Thomas M. Heim

(c) Mundipharma

Schmerzen sind immer mehrdimensional und umfassen neben der reinen Schmerzintensität immer auch eine Vielzahl weiterer wahrnehmungsbezogener und psychosozialer Faktoren. Dennoch wird in der Mehrzahl der Fälle die Schmerzintensität als alleiniger Parameter zur Beurteilung von Schmerzen herangezogen, sowohl in Studien als auch in der Patientenversorgung. Der Mangel an validierten patientenrelevanten Schmerzverlaufsparametern zeigt sich exemplarisch in Studien zur Qualitätssicherung in der postoperativen Akutschmerztherapie.

Um die Fallstricke einer eindimensionalen Schmerzbewertung zu illustrieren, nennt Prof. Esther Pogatzki-Zahn, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Uniklinik Münster, das Beispiel einer Patientin, die einen Tag nach einer Knie-OP in ihrem Zimmer sitzt und strickt. Auf die Frage „wie stark sind Ihre Schmerzen gerade?“, antwortet die Frau lapidar, während sie weiterstrickt (sic!): „Ja, so sieben“.

Eine gute Schmerzbehandlung dürfe, so Pogatzki-Zahn, an dieser Stelle nicht stehen bleiben. Als zusätzliche wichtige Aspekte des Schmerzerlebens seien beispielsweise die Differenzierung zwischen Belastungs- und Ruheschmerz, die allgemeine Zufriedenheit mit der Behandlung und ein möglicher Wunsch nach mehr Schmerzmittel zu erfragen. Wird das Angebot, die medikamentöse Schmerztherapie zu intensivieren, nicht angenommen, kann der Grund darin liegen, dass unter der bisherigen Behandlung Nebenwirkungen aufgetreten sind. Auch die schmerzbedingte Funktionsbeeinträchtigung sei eine wichtige und daher immer aktiv zu erfragende Dimension des Schmerzerlebens. Bei postoperativen Schmerzen gehören dazu unmittelbar OP-assoziierte Beeinträchtigungen von Bewegungsfunktionen, aber auch Schlafstörungen und psychosoziale Aspekte wie Gefühle von Hilflosigkeit oder Angst auf der einen oder Selbstwirksamkeitsüberzeugungen auf der anderen Seite. Bei der Beurteilung des Schmerzerlebens steht natürlich die subjektive Bewertung durch den Patienten im Vordergrund. Sie kann aber durch leicht messbare klinische Parameter ergänzt werden, wie Opioidverbrauch oder Funktionsparameter wie Laufstrecke oder Vitalkapazität.

Um die Dimensionen des Schmerzerlebens zukünftig standardisiert und valide erfassen zu können, werden in einem bereits seit Jahren anhaltenden Prozess der Forschung und Konsensfindung Zielparameter und Evaluationsinstrumente erarbeitet, die sich sowohl für klinische Studien als auch für die Qualitätssicherung in der medizinischen Versorgung eignen sollen.

Prof. Winfried Meißner, Fachbereich Schmerztherapie, Uniklinik Jena, sieht auf diesem Weg hoffnungsvolle Signale. Dazu zählt er beispielsweise die Tatsache, dass die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin nun erstmals Ergebnis-Qualitätsindikatoren für die Versorgung von Schmerzpatienten definiert hat, etwa den Quotienten aus der Anzahl der Patienten, die innerhalb von 48 Stunden nach Aufnahme eine Schmerzreduktion erlebt haben, geteilt durch die Anzahl der Patienten, die bei Aufnahme signifikante Schmerzen hatten.

Auch dass die Konferenz der Gesundheitsminister der Länder sowie die Patientenvertretung im G-BA sich für die Entwicklung von Qualitätsindikatoren in der Schmerztherapie stark machen, wertet Meißner als hoffnungsvolles Zeichen.

Basierend auf: Symposium SY20 „Qualität in der Akutschmerztherapie – messen wir das richtige?“, 19.10.2018, Deutscher Schmerzkongress 2018, Mannheim.

Quelle: springermedizin.de

Ein Bericht vom CRPS Orange Day 2018 – Color the world orange – Färbe die Welt orange in Köln

Der CRPS Orange Day 2018 ist gelungen. Wir hatten einen sehr erfolgreichen Tag mit unserem Infostand vor der Kölner Neumarktgalerie mit vielen interessanten Gesprächen.

Viele Passanten wurden durch unseren grell geschmückten Pavillion und unsere orangene Farbe aufmerksam, sprachen uns an und informierten sich ber das Thema „Seltene Erkrankung“ und „Chronische Schmerzen“ und natürlich über CRPS.

In diesem Jahr haben wir sogar den gesamten Tag bestritten, da wir aus unserer Gruppe viel ehrenamtliche Unterstützung und wir bedanken uns bei allen Mithelfern.

Nach dem CTWO ist natürlich vor dem CTWO und wir freuen uns auf den nächsten Weltaufklärungstag für CRPS am ersten Montag im November 2019, genauer gesagt am 4. November 2019.

 

Noch 2 Tage bis zum CTWO – Weltaufklärungstag für CRPS

 

 

 

 

 

Liebe Betroffene, liebe Angehörige, liebe Interessierte,

es sind noch 2 Tage bis zum „Color the world orange – Färbe die Welt orange“ , dem Weltaufklärungstag für CRPS.

Die vierte Jahresausgabe von „Color The World Orange – Färbe die Welt orange“, unter dem speziellen Motto „Wir können alle Orange!“, die darauf abzielt, das Bewusstsein für das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS), auch bekannt als Morbus Sudeck, zu verbreiten, ist der 5. November 2018. Die Veranstaltung, die am ersten Montag im November stattfindet, soll die Aufmerksamkeit auf diese kaum verstandene Schmerzstörung lenken.

Überall auf der Welt werden Unterstützer orangefarbene und veranstaltende Veranstaltungen tragen, um das Bewusstsein für CRPS/Morbus Sudeck zu schärfen und Mittel zur Unterstützung der Forschung über diese lähmende Krankheit aufzubringen.

Mehr als 100 Gebäude, Brücken und Wahrzeichen in fünf Ländern haben sich darauf geeinigt, für „Color The World Orange – Färbe die Welt orange“ orange zu werden, darunter der CN Tower in Toronto, die Story Bridge in Brisbane, Australien und die Trafalgar Square Brunnen in London. Das Niagara Falls Illumination Board wird die Niagarafälle auch orange für die Veranstaltung beleuchten. Es hat sogar „Color The World Orange – Färbe die Welt orange“ Plakate am Times Square in New York geben.

Der einfachste Weg, sich zu beteiligen, ist, orange zu tragen und ein Bild mit dem Hashtag in Social Media zu posten: #CRPSORANGEDAY.

Color The World Orange – Färbe die Welt orange“ gibt es in Deutschland seit 2015, um das Bewusstsein für eine lähmende Schmerzzustände zu wecken, die zu wenige Menschen kennen oder verstehen“, sagte ein Sprecher von „Color The World Orange – Färbe die Welt orange“. „Wir hoffen, dass dieser Tag, die vierte Ausgabe von „Color The World Orange – Färbe die Welt orange“, es allen von CRPS/Morbus Sudeck Betroffenen ermöglichen wird, zusammenzuarbeiten und der Welt zu zeigen, dass wir, während wir Schmerzen haben, stark sind.“

Flyer zum CTWO 2018 herunterladen

PDF-Dokument,  523kB

Flyer zum CRPS Symposium 2018 in Hessen herunterladen

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Wir werden in diesem Jahr mit Infoständen in Duisburg, Köln, Krefeld, Kassel und vielleicht in weiteren Städten vertreten sein, um über die Erkrankung CRPS aufzuklären und diese seltene Erkrankung bekannt zu machen. Hierfür wurden bereits mehrere Tausend orangene Schleifen geordert, um sie den Menschen unserer Städte anzustecken, getreu unserem diesjährigen Motto: „Wir können alle Orange!„. In den DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel wird es in diesem Jahr ein CRPS Symposium zum CTWO geben, das ebenfalls am 5.11.2018 stattfinden wird. Wir berichten auf unserer Hauptseite darüber. Weiterlesen

Die dritte Ausgabe von „Color The World Orange – Färbe die Welt orange“ im Jahr 2017 war ein großer Erfolg: 71 Proklamationen aus den US-Bundesstaaten und -Städten, die „Color The World Orange – Färbe die Welt orange“ und den November als CRPS/RSD-Bewusstseinsmonat anerkennen. Fast 50 Gebäude und Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt wurden orange beleuchtet. Ein Unterstützer lief den New York City Marathon und ein anderer den Chicago Marathon zu Ehren der Veranstaltung. In Deutschland wurde in vielen Städten auf die seltene Erkrankung aufmerksam gemacht. Es wird daran gearbeitet, auch im deutschsprachigen Raum, die jährliche Veranstaltung bekannter zu machen.

Notfalldose: Rettung aus dem Kühlschrank

deutsche-apotheker-zeitung.de

Notfalldose: Rettung aus dem Kühlschrank

Celine Müller

Einfach, genial und aus der Apotheke

Ein Notfall-Aufkleber an die Haustür, der andere an den Kühlschrank – dort finden Rettungskräfte die Notfalldose mit den Daten der Patienten. (Foto:privat)

Alle Notfalldokumente an einem festen Ort und immer griffbereit: Die in Apotheken erhältliche Notfalldose macht dies möglich. Senioren und Patienten sollen diese in der Kühlschranktür lagern – das unterstützt die Rettungskräfte und spart wertvolle Zeit. Der Senioren- und Behindertenbeirat aus Rangsdorf in Brandenburg hat die Idee aufgegriffen. Die dortige Seebad-Apotheke unterstützt die Notfalldosen-Initiative.

Wenn man etwas sucht – findet man es nicht. Wieso soll das bei Notfallausweisen, Notfallpässen oder Notfallordnern anders sein? Nur drängt bei Notfällen meist die Zeit und Patienten oder Rettungskräfte können nicht erst einmal stundenlang nach den Notfall-Dokumenten suchen. Die Lösung: die Notfalldose. Nachdem sie vor anderthalb Jahren bereits in Nordrhein-Westfalen auf Initiative des dortigen Landesseniorenrates eingeführt wurde, hat das Konzept nun auch in Brandenburg überzeugt. Zuerst den Seniorenbeirat Großbeeren und jetzt auch den Kreisseniorenbeirat im benachbarten Kreis Teltow-Fläming.

So funktioniert die Notfalldose

Das Prinzip der Notfalldose ist denkbar einfach und doch genial: Patienten stecken all ihre Notfalldokumente in diese Notfalldose – und lagern diese im Kühlschrank, und zwar in der Tür. Ein entsprechender Aufkleber an der Innenseite der Wohnungstür und am Kühlschrank informiert die Rettungskräfte, wo die Notfalldaten des Patienten zu finden sind. Dass hierfür der Rettungsdienst entsprechend informiert sein muss, ist klar.

Notfalldosen gibt es in der Apotheke

Wo bekommen die Patienten eine solche Notfalldose? In der Apotheke, zum Beispiel in der Farma-plus Apotheke im Südring Center in Rangsdorf oder in der Seebad-Apotheke. Die Seebad-Apotheke führt die Notfalldose nun seit einer Woche. „Die Idee ist gut“, findet Apothekeninhaberin Stefanie Weichert. Sinnvoll ist das allerdings nicht nur für betagte Menschen, findet sie. Ihrer Ansicht nach, sollten „nicht nur Senioren eine Notfalldose haben“. Dass sich die Idee mit der einfachen aber innovativen Notfalldose verbreitet, unterstützt die Apothekerin aktiv. Sie hat mittlerweile ein Poster zur Notfalldose im Schaufenster der Seebad-Apotheke.

Wie reagieren Kunden auf das Notfalldosen-Angebot? Das Angebot der Notfalldose in der Apotheke wird angenommen: „20 Dosen haben wir bereits verkauft“, erzählt Stefanie Weichert DAZ.online. Horst Leder ist Vorsitzender des Senioren- und Behindertenbeirats in Rangsdorf, der das Projekt im Kreis Teltow-Fläming angestoßen hat. Er hofft, auf eine bundesweite Einführung der Notfalldose. Der Landkreis Teltow-Fläming (TF) geht hier mit gutem Beispiel voran: „Nach drei Wochen haben bereits vier Ortschaften in unserem Landkreis (TF) die Notfalldose eingeführt“, erzählt Leder DAZ.online.

Quelle: daz.online

CRPS Diagnosezeiten-Umfrage von CRPS Network Australia

Liebe Betroffene, liebe Angehörige, liebe Interessierte,

wir erhielten gerade einen Aufruf unserer befreundeten CRPS Vereinigung aus Australien „CRPS Network Australia“ für eine eigene weltweite Studie zur „Zeit bis zur Diagnose/Behandlung bei CRPS“. Da diese Umfrage komplett auf Englisch ist, haben wir sie ins Deutsche übersetzt und stellen diese ebenfalls zur Verfügung. Die gewonnenen Daten werden anschließend zusammengeführt.

Auszug aus dem Begleittext zur Umfrage:

Diese Umfrage richtet sich an Menschen auf der ganzen Welt, bei denen das komplexe regionale Schmerzsyndrom diagnostiziert wurde.  Um teilnehmen zu können, müssen Sie 16 Jahre oder älter sein (Eltern/Vormunde werden ermutigt, diese Umfrage im Namen von Kindern unter 16 Jahren mit CRPS-Diagnose auszufüllen).

Fixkombi bei Schmerzen bald als OTC-Arznei

Fixkombi bei Schmerzen bald als OTC-Arznei

Coffein erhöht die Wirkung von Ibuprofen, ohne dass mit vermehrten Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Ärzte Zeitung online, 26.10.2018

Ibuprofen plus Coffein

MANNHEIM. Erstmals wird in Deutschland zur Akuttherapie mäßiger bis starker Schmerzen demnächst eine Fixkombination aus Ibuprofen plus Coffein verfügbar sein: In der Zulassungsstudie wurde durch das Adjuvans die schmerzlindernde Wirkung von Ibuprofen in den ersten acht Stunden um circa 30 Prozent erhöht.

Thomapyrin® Tension Duo enthält 400 mg Ibuprofen und 100 mg Coffein und ist voraussichtlich Ende des Jahres OTC in Apotheken erhältlich. Ibuprofen ist gut wirksam und verträglich und das beliebteste Schmerzmittel in Deutschland, sagte Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther von der Neurologischen Klinik der LMU München. Durch Coffein werde die Wirksamkeit von Ibuprofen erhöht, ohne dass mit vermehrten unerwünschten Wirkungen zu rechnen sei.

Wirkstoffgehalt einer Tasse Kaffee

Durch seine Wirkung im Nervensystem verstärkt und beschleunigt Coffein analgetische Effekte. Zudem verbessert die vasoaktive Substanz die Resorption von Medikamenten. Die in einer Tablette enthaltenen 100 mg Coffein entsprechen etwa dem Wirkstoffgehalt einer Tasse Kaffee, sorgen aber für eine gesicherte Dosis, so Förderreuther bei einer vom Unternehmen Sanofi-Aventis unterstützten Veranstaltung anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses. Eingenommen werden sollen bei Akutschmerzen maximal drei Tabletten täglich über maximal drei Tage.

Die bessere Wirksamkeit der Fixkombi im Vergleich zur Ibuprofen-Monotherapie wurde in der Zulassungsstudie bei insgesamt 562 jungen Erwachsenen mit 3-4 Weißheitszahn-Extraktionen und mäßigen bis schweren Schmerzen (NRS ≥ 5) belegt. Die Fixkombi war im Verlauf von 15 Minuten bis 8 Stunden nach Einnahme bei der Schmerzlinderung den drei Vergleichsgruppen (Ibuprofen mono, Coffein, Placebo) überlegen. Eine bedeutsame Schmerzlinderung wurde unter Ibuprofen / Coffein im Median nach 1,13 Stunden im Vergleich zu 1,78 Stunden unter Ibuprofen mono (p=0,0001) erreicht, sagte Förderreuther.

Höhere Ansprechrate

Die Ansprechrate (50-prozentige Schmerzlinderung im Verlauf von sechs Stunden) betrug 71 Prozent in der Fixkombigruppe im Vergleich zu 53 Prozent unter Ibuprofen. Der Bedarf an Rescue-Medikation betrug 16 Prozent vs. 33 Prozent. Bei der Verträglichkeit gab es keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen, so Förderreuther. Es gab keine schweren unerwünschten Wirkungen und keine Therapieabbrüche in der fünftägigen Nachbeobachtungsphase.

Misch-Analgetika erleben eine Renaissance. Während noch Ende der 1990er Jahre davon abgeraten wurde, sprächen jetzt die Daten für Coffein-haltige Kombinationspräparate, fügte Professor Thomas R. Tölle, Neurologe am Klinikum rechts der Isar in München hinzu. Ausgeräumt wurden Vorbehalte bezüglich Nephrotoxizität, Abhängigkeitspotenzial und Förderung von Kopfschmerz. (rf)

Quelle: aerztezeitung.de

Benzodiazepine riskant für Opioidanwender

Benzodiazepine riskant für Opioidanwender

Ärzte Zeitung online, 26.10.2018

Ko-Therapie hat unerwünschte Wirkungen

Patienten unter Langzeittherapie mit Opioiden ohne zwingenden Grund ein Benzodiazepin zu verordnen, ist keine gute Idee. Das bestätigen neue Daten aus den USA: Unter einer Ko-Therapie kommt es einer Studie zufolge häufiger zu Komplikationen.

Von Beate Schumacher

© Mladen Zivkovic / Getty Images / iStock

Jeder vierte Patient mit langfristiger Opioidtherapie erhielt in einer US-Studie zumindest zeitweise auch ein Benzodiazepin.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Wie häufig und mit welchen Konsequenzen werden Patienten unter Opioiddauertherapie mit Benzodiazepinen behandelt?
  • Antwort: In einer US-amerikanischen Studie war jeder vierte Opioidpatient betroffen. Unter der Ko-Therapie gab es mehr Stürze und Notfallbehandlungen.
  • Bedeutung: Die gemeinsame Anwendung ist nach Möglichkeit zu vermeiden.
  • Einschränkung: Retrospektive Analyse, keine Angaben zu Ereignishäufigkeiten vor der Therapie.

PORTLAND. In der Leitlinie des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention zu chronischen Schmerzen wird davon abgeraten, Opioide und Benzodiazepine gemeinsam anzuwenden.

Im Alltag scheint das bislang aber wenig Beachtung zu finden: Laut einer Studie aus dem Bundesstaat Oregon erhält jeder vierte Patient mit langfristiger Opioidtherapie zumindest zeitweise auch ein Benzodiazepin (Pain Medicine 2018; online 10. September). Unter der Ko-Therapie kommt es, selbst nach Abzug anderer Risikofaktoren, häufiger zu Komplikationen.

Mehr Stürze unter Ko-Therapie

Studienteilnehmer waren 517 Patienten, die wegen muskuloskeletaler Schmerzen seit mindestens einem Jahr mit Opioiden behandelt wurden. 24,6 Prozent hatten in dieser Zeit auch mindestens einmal ein Benzodiazepin verordnet bekommen, die mittlere Behandlungsdauer betrug sieben Monate.

Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Verordnung war signifikant erhöht, wenn bei den Patienten eine Angststörung (Odds Ratio, OR: 4,7), eine posttraumatische Belastungsstörung (OR: 2,2) oder eine Bipolar-Erkrankung (OR: 3,8) diagnostiziert worden war.

Als mögliche Nebenwirkungen der kombinierten Behandlung wurden Stürze in den zurückliegenden drei Monaten sowie die Vorstellungen in der Notfallambulanz im zurückliegenden Jahr erfasst.

Beide Ereignisse traten bei den Benzodiazepinpatienten signifikant häufiger auf: Das Risiko zu stürzen war 3,3-mal, das für das Aufsuchen einer Notfallambulanz 1,7-mal so hoch wie bei den 380 Patienten ohne Benzodiazepinverordnung.

Dilemma für Ärzte

Die Studienergebnisse würden mit früheren Beobachtungen in Einklang stehen und die unerwünschten Effekte der kombinierten Behandlung bestätigen, schreiben die Studienautoren um Dr. Bobbi Jo Yarborough vom Kaiser Permanente Northwest Center for Health Research in Portland.

Die Wissenschaftler sehen allerdings auch das Dilemma, vor dem Ärzte stehen, die Schmerzpatienten etwa mit PTBS oder Angststörungen behandeln: Viele Ärzte wüssten zwar um die Notwendigkeit, gemeinsame Verordnungen von Opioiden und Benzodiazepinen zu reduzieren, hätten damit im Alltag aber Schwierigkeiten, etwa weil lange Diskussionen mit den Patienten erforderlich wären.

Sie bräuchten „Werkzeuge und Strategien, wie sie Patienten mit Schmerzen und psychiatrischen Problemen behandeln und dabei vor Schaden bewahren“, so die Wissenschaftler.

Warnhinweise für Opioide und Benzodiazepine wurden von der US-Gesundheitsbehörde FDA bereits im Jahr 2016 beschlossen. In den Produktinformationen muss auf „schwerwiegende Risiken für Atemdepression, Koma und Tod“ bei kombinierter Anwendung der beiden Substanzklassen hingewiesen werden.

Im April 2018 hat die Koordinierungsgruppe für Verfahren der gegenseitigen Anerkennung und dezentrale Verfahren (CMDh) für Europa entsprechende Textanpassungen der Produktinformationen empfohlen.

Die zuständigen nationalen Behörden haben entsprechende Anträge auf Änderungen der Produktinformationen von Zulassungsinhabern für national zugelassene Produkte in Europa erhalten.

Quelle: aerztezeitung.de

Projekt gegen chronischen Schmerz

Projekt gegen chronischen Schmerz

Ärzte Zeitung, 24.10.2018

Innovationsfonds

Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden– das ist Ziel eines Forschungsprojekts, an dem auch die Barmer beteiligt ist.

MANNHEIM. Für Patienten mit einem Risiko für eine Chronifizierung des Schmerzes hat die Deutsche Schmerzgesellschaft (DSG) mit der Barmer und weiteren Partnern ein Projekt initiiert: PAIN2020 steht für „Patientenorientiert. Abgestuft. Interdisziplinär. Netzwerk“.

Mit PAIN2020 soll geklärt werden, ob sich die Versorgungssituation von Patienten verbessern lässt, wenn sie frühzeitig eine interdisziplinäre Diagnostik und entsprechende Therapieempfehlungen erhalten. Das Modellprojekt wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) mit sieben Millionen Euro gefördert, läuft über drei Jahre und soll insgesamt 6000 Patienten aufnehmen.

Innovative Behandlungsmodule

In den nächsten drei Jahren untersuchen Wissenschaftler, wie Patienten vor einer Chronifizierung ihrer Schmerzen bewahrt werden können. Ein Team aus Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten klärt bereits nach sechs Wochen anhaltender Schmerzen gemeinsam ab, welche Therapie der Patient erhalten soll. Zwei neu entwickelte ambulante Behandlungsmodule werden dabei zur üblichen Therapie ergänzt.

Dabei geht es auch darum, gefährdete Patienten für Eigenverantwortung und schmerzreduzierende Strategien im Alltag zu sensibilisieren, so DSG-Präsident Professor Martin Schmelz in der vergangenen Woche beim Deutsche Schmerzkongress in Mannheim.

Lebensqualität sinkt

„Die körperlichen und psychosozialen Beeinträchtigungen durch chronischen Schmerz sind für die Patienten enorm“, erläuterte Schmelz, „die Lebensqualität sinkt, Probleme im Arbeitsleben und im sozialen Umfeld können die Folge sein“. Je früher eine umfassende Therapie bei gefährdeten Patienten beginne, desto größer sei die Chance, chronische Schmerzen zu vermeiden.

Wenn Patienten über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten über Schmerzen klagen, die ihre gesamte Lebenswelt beeinflussen, sprechen Experten von chronischem Schmerz, so Schmelz. 7,5 Prozent der Bevölkerung klagen über eine schwere körperliche, weitere 2,3 Prozent über eine kombinierter körperliche und psychosoziale Beeinträchtigung durch Schmerzen. (fuh)

Quelle: aerztezeitung.de

Ursachen des schweren Schmerzsyndroms näher an der Entdeckung

Ursachen des schweren Schmerzsyndroms näher an der Entdeckung

Original:
Causes of serious pain syndrome closer to discovery

(c) news.liverpool.ac.uk

Die Studie deutet darauf hin, dass das komplexe regionale Schmerzsyndrom durch schädliche Serum-Autoantikörper verursacht werden könnte.

Forscher der University of Liverpool haben einen großen Schritt nach vorne getan, um die Ursachen einer Erkrankung zu verstehen, die bei Betroffenen chronische Schmerzen verursacht.

Das Complex Regional Pain Syndrome (CRPS) ist eine schwere Erkrankung, die ein Glied nach einem – oft kleinen – Unfall oder einer Operation betrifft. Es kann starke Schmerzen verursachen, die viele Jahre andauern, sowie Schwellungen der Gliedmaßen, Veränderungen des Haar- und Nagelwachstums und Muskelatrophie, aber bis jetzt gab es keine eindeutigen Hinweise auf die Ursache.

Gleiche Symptome

Jetzt hat das Forschungsteam des Instituts für Translationale Medizin der Universität zusammen mit Kollegen der Universität Pecs, Ungarn, erfolgreich Antikörper aus dem Serum von Patienten mit CRPS auf Mäuse übertragen, so dass viele der gleichen Symptome reproduziert werden konnten.

Dr. Andreas Goebel, der an der University of Liverpool arbeitet und Berater für Schmerzmedizin am Walton Centre NHS Foundation Trust ist, leitete die Studie. Sagte er: „CRPS ist ein schwerer Zustand, der nicht vollständig verstanden wird. Die Ergebnisse dieser Studie deuten auf eine Ursache hin – schädliche Serum-Autoantikörper – und erhöhen die Möglichkeit, eine Behandlung zu finden.“

„Die Ergebnisse dieser Studie deuten auf eine Ursache für CPRS – schädliche Serum-Autoantikörper – hin und erhöhen die Möglichkeit, eine Behandlung zu finden“.

Bei Mäusen, die mit den Antikörpern von CRPS-Patienten injiziert wurden, gab es signifikant mehr Schwellungen der betroffenen Gliedmaßen als bei Mäusen, die mit Antikörpern von gesunden Probanden injiziert wurden. Ähnlich wie in den Gliedmaßen der Patienten wurden die Pfoten der mit CRPS-Antikörper injizierten Mäuse druckschmerzhafter, und das Pfotengewebe enthielt eine höhere Konzentration des Nervenmediators Substanz P.
Obwohl bisher angenommen worden war, dass die Ursache für CRPS ausschließlich eine abnormale Hirnaktivität nach einer Verletzung ist, haben neuere Ergebnisse, auch aus der Liverpool-Gruppe, auf eine Immundysfunktion hingewiesen.

Lokalisieren Sie die Ursache

sagte Dr. Goebel: „Es ist durchaus möglich, dass CRPS durch einen Fehler im Immunsystem verursacht wird. Diese Studie scheint die Ursache als Autoantikörper zu lokalisieren, und wenn wir diesen Bereich weiter untersuchen, können wir nach einer Lösung suchen.“

Das Projekt wurde von der Europäischen Union gefördert und aus dem Europäischen Sozialfonds kofinanziert. 7, die Pain Relief Foundation, Liverpool, Großbritannien,

CSL-Behring AG, Bern, Schweiz, BPL Ltd, UK, Biotest AG, Dreieich, Deutschland.

Die Studie wurde in der Zeitschrift Pain veröffentlicht und kann hier nachgelesen werden.

Gefunden auf: Webseite der University of Blackpool