Meine zweite Kolumne

Dirk-Stefan Droste – Der 46jährige Kölner ist Gründer des CRPS Netzwerk gemeinsam stark. / CRPS Bundesverband Deutschland e.V. mit vielen Landes- und Ortsgruppen in Deutschland, Österreich und Luxemburg. Er ist selbst an allen vier Extremitäten vom CRPS betroffen. Es begann nach einem Fußbruch 2012. Er arbeitet als Koordinator in der Personalabrechnung einer großen OrganisaGon der Wohlfahrtspflege.

Dirk-Stefan Droste

Menschen sind nach dem Sozialgesetzbuch schwerbehindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist und wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 vorliegt. Als Maß für die körperlichen, geistigen, seelischen Beeinträchtigungen und sozialen Auswirkungen gilt im Schwerbehindertenrecht der Grad der Behinderung (GdB). Er wird nach bundesweit einheitlichen versorgungsmedizinischen Grundsätzen bemessen.
Vor ein paar Tagen bekam ich ein Schreiben der Stadt Köln und fiel aus allen Wolken. Ich bekam den Hinweis auf die bevorstehende Aberkennung der Schwerbehinderung und der Merkzeichen. Als Begründung wurde angegeben, dass ich jetzt Prothesen hätte und dadurch die Benachteiligung durch eine Schwerbehinderung weggefallen wäre. Auslöser war mein Verschlechterungsantrag von vor zwei Jahren, als sich der CRPS an meiner linken Hand zeigte. Die Einschränkung an der Hand wurde gar nicht berücksichtigt. Mittlerweile ist auch die rechte Hand betroffen, wurde aber ebenfalls nicht in die Beurteilung eines Behinderunggrads einbezogen. Nun bin ich gespannt wie mein Einspruch – denn ein Widerspruch kann nur auf einen Bescheid gestellt werden – seitens der Stadt gewertet wird.  Bisher gibt es nur eine schriftliche Information vor einem Bescheid. Aber ich fange mal am Anfang meiner Schwerbehinderungsgeschichte an:
Nachdem ich durch den CRPS direkt von Anfang an nicht mehr laufen konnte, war ich auf einen Rollstuhl angewiesen. „Eine Fortbewegung ohne Hilfsmittel war maximal null Meter möglich.“ (Das ist die offizielle Aussage meiner behandelnden Ärzte und entsprechend der Definition für die Erteilung von Graden der Behinderungen und Merkzeichen). Ich wurde nach vorliegenden Berichten „begutachtet“ und bekam die üblichen 20%. Nach mehreren Widersprüchen und Vorlage weiterer Arztberichte und sogar Einreichung von Bildern meines Fußes entschied auch die Bezirksregierung, dass ich in der Lage wäre, problemlos 100 m ohne Hilfsmittel zurückzulegen.
Daraufhin habe ich Hilfe beim VDK in Köln gesucht. Ich habe eine Mitgliedschaft mit dem Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten und Sozialrentner abgeschlossen und darauf gehofft, dass diese Experten mir helfen können, meine Ansprüche als Behinderter durchzusetzen. In Köln scheint es nun sehr viele Hilfesuchende beim VDK geben, denn es war fast unmöglich, einen Termin zu bekommen, denn ohne Termin keine Beratung. Nach dem ersten Beratungsgespräch von etwa zehn Minuten war klar, dass nur eine Klage vor dem Sozialgericht Aussicht auf Erfolg hat. Hierfür bräuchte ich aber einen neuen Termin. Da ich diesen nicht zeitnah bekommen konnte, habe ich die Klage selbst mit einer Nachreichung der Begründung eingereicht. Auch die Begründung habe ich dann selbst geschrieben und eingereicht, weil – wen wundert es – ich keinen Termin beim VDK bekam. Und dann passierte gar nichts mehr, außer dass ein paar Mal Post vom Gericht durch den VDK an mich weitergeleitet wurde.
Ich bekam einen Termin bei einem Gutachter, zu dem ich dann auch im Rollstuhl und per Taxi pünktlich erschien. Das augenscheinliche Problem war aber, dass die Praxis im Tiefparterre lag und es keinen Aufzug gab. Nach Kommunikation mit dem Arzt über die Sprechanlage, in der er mich bat, die paar Stufen doch zu Fuß herunterzukommen und meiner Weigerung, schloss er das Gespräch mit der Aussage, dann könne er mich nicht begutachten. Also musste ich auf einen neuen Termin bei einem anderen Gutachter warten.
Die Behandlung meines betroffenen Fußes ging nun bereits in das dritte Jahr und blieb erfolglos und nach langer Recherche und Erarbeitung mit meinem behandelnden Arzt und Psychotherapeuten bat ich einen CRPS-Spezialisten in der Uniklinik Köln um die Amputation meines linken Unterschenkels, auch mit dem Wissen, dass CRPS unheilbar ist. Aber die Aussicht auf ein Leben ohne Rollstuhl und mehr Lebensqualität bestärkte mich in meinem Entschluss, die Amputation des Unterschenkels vornehmen zu lassen. Dank guter Prothesenversorgung war ich schnell wieder „auf zwei Beinen“ unterwegs.
Nun war seit dem „Gutachter-Treppenproblem“ ein weiteres Jahr vergangen und ich bekam einen neuen Termin bei einem Gutachter mit ebenerdigem Zugang. Ich konnte meine Prothese nicht tragen, weil sie nicht mehr passte und fuhr im Rolli zum Termin. Der Arzt stellte nach Röntgen meines Stumpfes und weiterer Untersuchungen meines Körpers fest, dass ich vom CRPS geheilt wäre. Mein Intervenieren, dass ich die Klage bereits zwei Jahre vorher eingereicht habe und es da noch andere Gegebenheiten (erkrankter Unterschenkel) gab, wischte er einfach weg, da er mich ja nun mal jetzt untersuchen würde, und ich wäre kerngesund. Das zeigte auch sein Gutachten, welches ich im Original per Post vom VDK nur durchgereicht bekam.
Daraufhin schrieb ich an die Geschäftsleitung des VDK und beklagte mich, dass ich keinerlei „Rechtsberatung“ erhalten habe, so wie es den Mitgliedern zugesichert wird. Es wurden lediglich Schreiben per Post an mich weitergeleitet, ohne mich weiter zu beraten oder als Sozialverband selbst aktiv geworden zu sein. Weiterhin habe ich auch das falsche Gutachten auseinandergenommen und kommentiert. Als Reaktion darauf bekam ich die schriftliche Kündigung des VDK und bereits eine Woche später erhielt ich eine Vorladung zum Sozialgericht, um über meine Klage von vor zwei Jahren zu entscheiden. Die Richterin lass mir den Gesetzestext vor, nachdem mir mit gutem Willen maximal 50 Prozent zustehen würde, wenn ich meine Klage zurückziehen würde. Etwas anderes blieb mir auch gar nicht übrig, denn eine anwaltliche Vertretung konnte ich mir als EU-Rentner nicht leisten.
Mit der Prothese konnte ich glücklicherweise die EU-Rente beenden – das ist eine andere hochspannende Geschichte für ein anderes Mal – und an meinen Arbeitsplatz zurückkehren. Der Schwerbehindertenausweis wurde mit 50 Prozent ausgestellt, aber befristet für ein Jahr. Glaubte die Schwerbehindertenabteilung der Stadt Köln wirklich, dass das Bein nachwächst und ich dann keine Behinderung mehr habe?
Zur Verlängerung des Ausweises nach einem Jahr begab ich mich dann persönlich zur Stadt und legte dem Sachbearbeiter mein kurzes Bein auf den Schreibtisch und fragte, ob das unbefristet sei und ob ich in einem Jahr meinen linken Fuß wieder zurückbekäme. Die Aussage darauf war nur, dass diese Regelung in Köln so wäre. Wenn wir zurückscrollen zum Anfang meiner Kolumne, kann man lesen, dass bundesweit einheitliche versorgungsmedizinische Grundsätze angewendet werden.
Aber in Köln gibt es anscheinend eigene bundeseinheitliche Grundsätze. Dass andere Integrationsämter oder städtische Schwerbehindertenreferate auch nach eigenen Grundsätzen handeln zeigen Berichte anderer CRPS Betroffener, die ohne invasive Maßnahmen wie einer Amputation teilweise auch mit allen möglichen Buchstaben und GdB‘s über die Grenze von 80 Prozent bewertet werden. Und hier geht es teilweise um handbetroffene Personen.
Nun zog der Mistkerl ( mein Sudeck) ohne Vorwarnung in meinen rechten Unterschenkel ein und verhielt sich gleich viel aggressiver als auf der linken Seite. Sämtliche Therapiemaßnahmen ließen ihn kalt und und nach einem Jahr entschied ich mich für ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und am linken Unterschenkel ist es ja auch gut gegangen. Die zweite Amputation wurde ebenfalls professionell prothetisch versorgt und meinem erneuten Start in das Berufsleben stand nichts mehr im Weg. Meinem Verschlimmerungsantrag noch aus dem Krankenhaus heraus wurde ohne Umschweife zugestimmt und ich erhielt einen neuen Schwerbehindertenausweis mit 90 Prozent, Merkzeichen aG und B (außergewöhnlich gehbehindert und Begleitperson), obwohl ich das nach dem Desaster vor dem Sozialgericht gar nicht beantragt hatte. Dem Ausweis lag auch gleich der blaue europäische Parkausweis für Schwerbehinderte bei, mit dem ich ab sofort auf besonderen Parkplätzen parken darf. Da ich durch meine Medikamente niemals ein Fahrzeug selbst bewegen würde, obwohl keiner meiner Ärzte mir jemals sagen würde, dass ich mit dem Pharmacocktail nicht fahren dürfte. bin ich also Beifahrer. Aber man sollte einmal versuchen, mit zwei Prothesen aus einem Auto in einer Standardparklücke zu kommen. Das ist einfach nicht möglich, da ich meine Beine nicht falten kann. Denn Behindertenparkplätze sind immer überbreit und geben mir die Möglichkeit, überhaupt aus dem Fahrzeug ein- und auszusteigen.
Ich habe immer eine große Motivation und habe stark daran gearbeitet, wieder auf die Beine zu kommen. Mit den heutigen Prothesen ist das auch gut möglich. An guten Tagen kann ich auch mal eine Strecke zwischen zwei U-Bahnstationen laufen, weil sowohl die Rolltreppe als auch der Aufzug an meinen U-Bahnstationen entweder seit Monaten defekt oder gar nicht vorhanden sind. Doch auch mit guten Prothesen fällt mir das Treppensteigen schwer und erzeugt an meinen Stümpfen außergewöhnliche Stöße, die wiederum zu Nervenschmerzen führen und mich dann hindern normal mit den Prothesen zu laufen. Ich kann sagen, dass ich keine Phantomschmerzen habe, worüber ich enorm glücklich bin, und was wohl an besonderen Vorsichtsmaßnahmen meines Chirurgen liegt, der sich bestens mit CRPS auskennt.
Aber CRPS kommt auch wie ein Phantom daher, denn es zeigt sich in meinen Beinstümpfen und nicht außerhalb. Somit sind die Tage, an denen ich etwas weiter laufen kann oder auch schon mal öffentliche Verkehrsmittel nutze, tagesformabhängig. Und dass ein CRPS-Betroffener öfters schlechte Tage hat, ist allen Lesern bekannt.
Wie ich in meiner letzten Kolumne geschrieben habe, ist die Technik der Neuromodulation mit einer SCS weit vorangekommen und konnte mich an meinen Händen weitestgehend schmerzfrei machen. Aber auch hier gibt es gute und schlechte Tage und es muss hier und da noch an den Einstellungen meiner SCS geschraubt werden. An manchen Tagen erlauben mir meine betroffenen Hände aber nicht einmal, mir meine Prothesen selbst an- oder auszuziehen. Ohne eine helfende Hand kann ich dann nicht aus dem Haus, oder komme von irgendwo nicht mehr weg, weil die Prothese nicht mehr passt oder ähnliches. Das erinnert mich gerade daran, dass eine Pflegestufensachbearbeiterin einmal zu mir sagte, dass ich keine Pflegestufe oder einen Badumbau brauche, da ich ja mit Gehstützen ins Bad gehen könnte und mich am Waschbecken waschen könnte. Duschen wäre daher nicht notwendig.
Mal sehen, ob die Stadt Köln auch meinen Einspruch so übersieht, wie meine hinzugetretenen Erkrankungen mit CRPS an beiden Händen oder ob sie nach ihren eigenen bundesweit einheitlichen versorgungsmedizinischen Grundsätzen urteilen und mich für nicht mehr schwerbehindert halten.
Schönen Tag noch und passt auf Euch auf, denn Corona geht um.


Bis demnächst, und bleibt gesund!
Euer

Meine erste Kolumne

Dirk-Stefan Droste – Der 46jährige Kölner ist Gründer des CRPS Netzwerk gemeinsam stark. / CRPS Bundesverband Deutschland e.V. mit vielen Landes- und Ortsgruppen in Deutschland, Österreich und Luxemburg. Er ist selbst an allen vier Extremitäten vom CRPS betroffen. Es begann nach einem Fußbruch 2012. Er arbeitet als Koordinator in der Personalabrechnung einer großen OrganisaGon der Wohlfahrtspflege.

Dirk-Stefan Droste

CRPS nach vielen Jahren an einer anderen Stelle bzw. Extremität zu bekommen, ist eine schlimme Sache. Nicht nur, dass man noch immer keine Ursache für die Krankheit kennt, nein auch weiss man noch lange nicht, wann und warum ein Sudeck springt. Viele Ärzte verneinen das bis heute, dass es so was überhaupt gibt, was gerade bei der Diagnose und vielen Untersuchungen und Gutachten zusätzliche Steine in den Weg wirft. 
 
Beim zweiten Ausbruch habe ich nicht lange gefackelt, und die noch frischen Erfahrungen und Erlebnisse vom „ersten Mal“ für meinen rechten Fuß angewendet. Leider meinte der neue Sudeck, er dürfte den Turbogang einlegen und sich direkt verschlimmern und allen Therapieversuchen trotzen. So war meine zweite – weitreichende und mein gesamtes Leben verändernde Entscheidung – noch schneller als beim ersten Mal. Ich hatte aber gerade wieder erleben dürfen, wie es ist, ein normales Leben ohne Einschränkungen oder Behinderungen und vor allem schmerzfrei zu führen. Und genau das erleichterte mir auch die Entscheidung – eine Entscheidung fürs Leben als Fußgänger. Die Rehabilitation war nach beiden schweren Operationen eine harte Zeit aber mit Ehrgeiz und Lust auf das Laufen meine treibende Kraft. Bei der zweiten Rückkehr in meinen Beruf wurde ich sehr oft gefragt, ob ich nicht Angst hätte, dass der Mistkerl nicht nochmal springen könnte. Diese Frage habe ich immer verneint, da ich weltweit noch keinen berichteten Fall gefunden habe, bei dem der CRPS von unten von den Füßen nach oben an die Hände gesprungen ist. Eine Erklärung gab ich mir auch immer durch die Erdanziehungskraft. 
 
Als die ersten (sichtbaren) Symptome an der linken Hand auftauchten, war ich psychisch am Ende und wollte einmal einen anderen Ansatz probieren, und der Erkrankung nicht viel Aufsehen bzw. Raum geben. Ich konnte sie nicht ignorieren. Aber ich habe mich nicht mehr so viel mit meiner Krankheit befasst, und habe auch die Selbsthilfearbeit heruntergefahren. Aber nach zwei Monaten konnte ich aufgrund des unaufhörlichen Brennens in meiner Hand nicht weiter die Augen verschließen: Der Mistkerl ist in meine linke Hand eingezogen. Bei der selbst organisierten multimodalen Schmerztherapie stellte ich schnell fest, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, und unangenehme Dinge oder Behandlungsansätze sehr schnell verdrängt oder sogar vergisst. In der intensiven Ergo- und Physiotherapie fühlte ich mich wie ein blutiger Anfänger, da ich wirklich sämtliche Verhaltensmaßnahmen vergessen hatte. Aber vielleicht waren sie dadurch auch hilfreicher, da alles „Neue“ gute Erfolge brachte. 
 
Für den CRPS in meinem linken Fuß habe ich 2014 einen SCS-Neurostimulator implantiert bekommen. Er versprach, die Schmerzen zu reduzieren, die Symptome verschwinden zu lassen, und die Erkrankung zurückzudrängen. Das Ergebnis war leider „nur“ eine sofortige Einstellung der Spastik in meinem linken Bein, die immer wieder zu einer drastischen Verschlimmerung der Schmerzen führte und das bei jeder ungewollten Bewegung. Mein damals behandelnder Neurochirurg wollte mir auch gleich eine weitere SCS-Sonde implantieren. Mein Zurückschrecken vor der weiteren Operation belohnte mich, als mein Techniker für die SCS mit einem Versuch der Umprogrammierung der bereits liegenden SCS-Sonde durchschlagenden Erfolg für die Schmerzen in meinem rechten Bein erreichte. Heute benötige ich die Elektrode für das rechte Bein des Nachts, da mich das Kribbeln und sogenannte Phantomsensationen, nicht zu verwechseln mit Phantomschmerzen, am Schlaf hindern. 
 
Nun waren mittlerweile fünf Jahre mit der SCS vergangen und der Schmerzgenerator leistete nach wie vor seine Arbeit wie ein Uhrwerk. Die Elektrode in meinem Rücken hingegeben zeigte erste Ausfälle und im Laufe des Jahres verweigerte sie ihren Dienst völlig, dieses winzige Ding an meinem Rückenmark. Schnell war mir klar, dass ich die Elektrode austauschen lassen muss. Nun waren einige Jahre in der Entwicklung vorangegangen und die neuen SCS-Systeme haben dazugelernt und wurden auch weiterentwickelt. Die Berichte meines Technikers, dass über 95 Prozent der CRPS-Patienten Erfolge mit dem neuesten System verzeichnen konnten, machten mich hellhörig und ich begann meine Recherche zu dem neuen Wundergerät. Tatsächlich ist das Prinzip das gleiche wie vorher. Eine Elektrode am Rückenmark und ein am Gesäß implantierter Generator. Aber man hat festgestellt, dass das tonische Signal mit leichtem Kribbeln und das sog. Burstverfahren mit einer hochfrequenten Stimulation für sich angewendet zwar gute Ergebnisse erbringen, aber eine Kombination beider Verfahren durch eine intelligente Programmierung und Algorithmen zu so hochprozentigen Symptom- und vor allem Schmerzlinderung führen kann. Da sich nun gerade der CRPS in meiner linken Hand breit gemacht hatte, wollte ich sowohl für mein rechtes Bein und natürlich auch für meine linke Hand diese Behandlungsform ausprobieren. Durch die minimalinvasive Testung war mir sofort klar, dass ich das neue SCS-System sofort implantiert bekommen möchte. Damit konnte ich meine starken Medikamente und Opiate stückweise reduzieren. Bei Schmerzschüben, durch ein kurzes Verändern der Stimulationsstärke mit einer kleinen Fernbedienung, habe ich sofort auf die Schmerzen einwirken können. Vorher war das nur bedingt durch zusätzliche Notfallmedikamente möglich, die Situation zumindest halbwegs aushaltbar zu machen. Nach etwa 20 Minuten zeigt mir ein Kribbeln in der Armbeuge, dass ich die Stimulation wieder herunterfahren kann. Die neue Programmierung wechselt mit einer Playlist wie bei Musikplayern hintereinander zwischen der Hand und dem Bein und verhindert so auch eine Überstimulation, die oftmals auch zu einer Erhöhung der Schmerzen und dem Nachlassen der SCS-Therapie führen kann. Das Ergebnis des neuen Generators und der zusätzlichen Elektrode ist seitdem komplette Schmerzfreiheit und bei noch auftretenden Schmerzschüben drehe ich die Stimulation kurz hoch. Dadurch konnte ich im Januar dieses Jahres wieder mit der Arbeit in meinem bisherigen Job beginnen. 
 
Leider habe ich im letzten Jahr ein Weihnachtsgeschenk bekommen, was ich mir überhaupt nicht gewünscht habe. Plötzlich zeigte sich der Untermieter in allen erdenklichen Farben und natürlich mit der vollen Breite der Symptome an meiner rechten Hand: Schwellung, Verfärbung, Bewegungs- und Funktionsstörung und Alodynie. Diese zeigten sich, sobald ich nur die kleinste Bewegung mit meiner Hand ausführte und da ich Rechtshänder bin, doppelt schwer für mich. Ich kann zwar jetzt – Übung sei Dank – sehr viel auch mit links machen. Aber Schreiben werden ich wohl nie mit links können, so oft ich es auch versuche. 
 
Und nun lobe ich mal den guten beruflichen und auch persönlichen Kontakt zu meinem Neurochirurgen. Er überzeugte mich sofort, dass ein Einsatz des SCS-Systems so früh wie möglich die besten Erfolge erzielt, um ein größeres Ausbrechen der Erkrankung an meiner rechten Hand zu verhindern. Gesagt – getan und ich gehörte noch zu den letzten geplanten Operationen in der Uniklinik Köln bevor der Corona-Wahnsinn alles und jeden gebremst hat. Aber ich bereue nichts, denn die neue SCS-Sonde, die neue Programmierung des Generators, hat mir nun auch meine rechte Hand zurückgegeben. 
 
Das ganze Procedere zeigt mir, dass die moderne Neurostimulation oder -modulation heute viel effektiver ist als noch vor einigen Jahren. Daher sollten die in Frage kommenden Betroffenen über eine erste Testung einer SCS oder ein „Update“ des vorhandenen Systems nachdenken. Bestehende Sorgen vor der großen Operation kann ich ausräumen, denn es ist für die Testung nur ein kleiner Eingriff erforderlich. Die Neurostimulation ist sicher und die Nebenwirkungen gering. 
 
Nach meiner eigenen, langen und mich immer wieder ausbremsenden CRPS Geschichte möchte ich allen Betroffenen zu einer früher Testung des Systems raten. Man darf wirklich nichts unversucht lassen darf, um die Schmerzen in Zaum zu halten oder sogar gänzlich in den Griff zu bekommen. 
 
Medikamente sind noch immer das erste Mittel der Wahl bei CRPS. Doch die gesamte Chemie, die ich mir über die Jahre angetan habe, zeigen ihre langfristigen Nebenwirkungen und jede Pille, die man nicht nehmen muss, macht stark und kann zu einem schmerzarmen oder sogar schmerzfreien Leben mit CRPS führen.
 
Sprecht mich an, wenn ich bei der Kontaktaufnahme zur Neurochirurgie helfen und/oder wenn ich weitere Fragen zum Thema beantworten kann. So, jetzt habe ich viel geschrieben und es ging ausnahmsweise nicht um die aktuelle Corona-Krise, muss aber auch einmal sein. Zum Schluss möchte ich noch hinzufügen, dass ich im letzten Jahr zur Reduktion meiner Medikamente und Opiate mit medizinischem Cannabis (Sativex) begonnen habe. Aber das ist eine andere Baustelle, über die ich ein anderes Mal schreibe.


Bis demnächst, und bleibt gesund!
Euer

Universität Basel: Studie chronische Schmerzen bei Jugendlichen

Analysis

Eine Studentin der Universität Basel bittet um Mithilfe bei einer Studie für ihr Masterprojekt. Nachfolgende Nachricht hat sie dafür an uns gerichtet:

Sehr geehrte Damen und Herren,
im Rahmen meines Masterprojekts an der Universität Basel arbeite ich an einer Studie zu chronischen Schmerzen im Zusammenhang mit Hochsensibilität mit. Dabei handelt es sich sozusagen um eine Pilotstudie, die Komponente der Hochsensibilität wurde bisher in der Forschung zu chronischen Schmerzen und der Entwicklung geeigneter Therapieformen nicht berücksichtigt. Wir erhoffen uns, mit unserer Forschungsstudie neue Erkenntnisse über die Entwicklung und die Therapie von chronischen Schmerzen bei Jugendlichen gewinnen zu können.

Wir suchen Jugendliche im Alter von 17-19 Jahren, die an chronischen Schmerzen leiden (Schmerzen seit mind. 3 Monaten).

Die Umfrage dauert etwa 15 Minuten und als Belohnung erhalten die Jugendlichen einen Galaxus-Gutschein im Wert von 10 CHF.

Dies ist der direkte Link zur Studie:
https://sec.psycho.unibas.ch/kppt/index.php/866498?lang=de

Im Anhang sende ich Ihnen zusätzlich noch den offiziellen Flyer mit.

Da die Zielgruppe relativ spezifisch ist, sind wir auf jede Hilfe bei der Rekrutierung angewiesen. Wir möchten Sie bitten, wenn Sie mögen, Werbung für unsere Studie zu machen, vorausgesetzt natürlich das ist überhaupt möglich auf Ihrem Forum, und sind dankbar für weitere Kontakte.

Besten Dank für Ihre Unterstützung!

Mit freundlichen Grüssen
Laila Cerino Garcia

Solltest Du also Jugendliche/r mit chronischen Schmerzen im Alter zwischen 17 und 19 Jahren sein, nehme bitte an dieser kurzen Umfrage teil. Es ist für einen wichtigen Zweck zur Entwicklung einer Therapie gegen chronische Schmerzen bei Jugendlichen.


Studienflyer herunterladen
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