Capsaicin als Alternative bei neuropathischem Schmerz

Ärzte Zeitung online, 04.12.2018

Lokale Therapie

Capsaicin als Alternative bei neuropathischem Schmerz
Patienten mit kurzer Schmerzdauer und brennender Schmerzqualität sprechen wohl besonders gut auf Capsaicin an.

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MANNHEIM. Bei neuropathischen Schmerzen kann eine lokale Therapie mit Capsaicin eine anhaltend wirksame und verträglichere Alternative zu systemischen Therapien sein. Als besonders effektiv haben sich dabei kutane Pflaster erwiesen, die die Applikation von Capsaicin in hoher Konzentration erlauben.

Die offene randomisierte Studie ELEVATE hat ergeben, dass die Wirkung des kutanen Pflasters Qutenza® 179 mg mit acht Prozent Capsaicin bei Patienten mit peripher neuropathischen Schmerzen schneller eintritt und mit weniger Nebenwirkungen assoziiert ist als die systemischen Pregabalins, so Professor Christian Maihöfner vom Klinikum Fürth.

Einer Metaanalyse randomisiert-kontrollierter Studien zufolge tritt die Schmerzlinderung unter Qutenza® 179 mg nach 1−4 Tagen ein und hält durchschnittlich fünf Monate lang an.

Prädiktorenanalysen aus verschiedenen klinischen Studien zeigen Maihöfner zufolge, dass Patienten mit kurzer Schmerzdauer, brennender Schmerzqualität und Schmerzauslösung durch Druck besonders gut auf die Capsaicinbehandlung ansprechen.

Forschende der Universität Bochum haben in einer Studie an 20 Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen in der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) Hinweise darauf gefunden, dass Schmerzen, die durch Kälte oder Druck induzierbar sind, mit besonders hohen Ansprechraten unter Capsaicin einhergehen.

Entgegen früheren Annahmen wirkt topisches Capsaicin nicht nur peripher, sondern auch über zentralnervöse Mechanismen. Dabei scheine der Modulation der zentralen Neuroplastizität eine Schlüsselrolle zuzukommen, erklärte Maihöfner bei der vom Unternehmen Grünenthal unterstützen Veranstaltung beim Deutschen Schmerzkongress. Das könnte erklären, warum Capsaicin auch bei Phantomschmerzen wirkt, was überraschend ist, da hier eine periphere Deafferenzierung vorliegt.

„Capsaicin ist mit ein wenig Übung unproblematisch anwendbar“, ermutigte Privatdozent Dr. Kai-Uwe Kern, Institut für Schmerzmedizin, Wiesbaden. Dass eine frühe Therapie möglichst innerhalb der ersten sechs Monate nach dem ersten Auftreten der Schmerzen deutlich effektiver ist als eine spätere, bestätigt Kern. Allerdings würden auch Rötung und Brennen unter einer frühen Behandlung häufiger auftreten.

Kern stellte Ergebnisse aus einer Beobachtungsstudie mit 126 Patienten vor, in der er keinen Einfluss von Rötung oder Brennen auf den Behandlungserfolg finden konnte. In einer weiteren Studie mit 58 Patienten stellte Kern fest, dass eine Vorbehandlung mit topischem Lidocain keinen Einfluss auf die Schmerzintensität innerhalb der ersten 24 Stunden nach Therapiebeginn hat und somit entbehrlich sei. Nach seiner Erfahrung kann man die Behandlung mit Capsaicin nach Abklingen der Wirkung problemlos wiederholen und über viele Jahre hinweg fortführen. (hei)

Quelle: aerztezeitung.de

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