Beruf trotz CRPS

Hallo Zusammen,

mir stellt sich seit ein paar Wochen immer wieder die Frage, wie man trotz CRPS in der Berufswelt bestehen kann?

Bei mir ist zum Glück nur das rechte Sprunggelenk betroffen, trotz allem habe ich große Probleme den Weg zurück ins Berufsleben zu finden. In den ersten 3 1/2 Jahren meiner Erkrankung kam ich mit den Schmerzen, Medikamenten, und den restlichen Begleiterscheinungen noch ganz gut zurecht. Obwohl ich auch schon in dieser Zeit sehr viel Urlaub für die „schlechten Tage“ verwendet habe. Ich habe immer wieder sehr starke Schmerzattacken, wo ich dann zu meiner normalen Dosis an Morphium noch ein stärkeres Medikament zusätzlich benötige. Im Januar 2014 ging es mir dann so schlecht, dass ich innerhalb von einer Woche in eine stationär Schmerztherapie gekommen bin. Wobei im Rahmen dieser auch immer wieder über das Thema Beruf gesprochen wurde. Der behandelnde Arzt war der Meinung, dass ich trotz den starken Schmerzen und vielen Medikamenten direkt wieder arbeiten gehen sollte, wohingegen die Psychotherapeutin den Standpunkt vertreten hat, dass es so nicht möglich ist sinnvoll zu arbeiten. Also bin ich ersteinmal für vier Wochen zuhause geblieben, bis ich einen Reha-Platz bekommen habe. Doch auch nach den fünf Wochen Reha ging es mir zwar etwas besser, aber ich kann mich auf Grund der Medikamente und Schmerzen auch heute noch immer nicht so lange konzentrieren, dass ich einen normmalen Arbeitstag überstehen würde. Auch die Schmerzattacken und die damit verbundenen Spastiken machen mir immer wieder einen Strich durch die Rechnung, so dass ich nun schon seit sechs Monaten krankgeschrieben bin. Im Moment ist auch noch nicht klar, wann ich wieder arbeiten gehen kann. Mein Schmerztherapeut geht sogar so weit zu sagen, dass er eine Wiedereingliederung ins Arbeitsleben generell für fraglich hält.

Wie ist das bei Euch??? Wie geht Ihr im beruflichen Alltag mit eurer Erkrankung um?

Ich finde es einfach erschreckend, wenn man mir gerade einmal 31 Jahren vor vielen Fragezeichen steht, was dir berufliche Situation betrifft.

Danke schoneinmal im Vorraus für eure Informationen!

Wünsche Euch schmerzarme Tage!

Strubbel

 

 

 

 

 

 

Rentenantrag auf Erwerbsminderung / Nahtlosigkeitsregelung: wichtige Paragraphen des Sozialgesetzbuches

Wenn man als CRPS-Erkrankter vor der sog. Aussteuerung aus dem Krankengeld steht, stellt sich die Frage, was nun zu tun ist, um auch weiterhin seinen Unterhalt sichern zu können.

Im besten Falle sollte man versuchen, mit seinem behandelnden Arzt eine stufenweise Wiedereingliederung an den alten Arbeitsplatz (auch Hamburger Modell genannt) einzurichten, um so stückweise wieder bis zur möglichen Vollzeitbeschäftigung zurückzukehren. Sofern durch weiterhin schlechte Krankheitszustände und Prognose eine Wiedereingliederung nicht möglich sein, sollte man an einen Rentenantrag, und zwar an eine Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) denken. Diese kann bei teilweiser EIngliederung mit weniger Stunden in eine Teil-EM-Rente oder bei weiterhin unmöglicher Arbeitsleistung in eine Voll-EM-Rente ausfallen. Zu beachten ist, dass diese Rente eine Rente auf Zeit ist, d.h., dass der Gesundheitszustand ständig überprüft wird, um evtl. später wieder in den bisherigen Job zurückzukehren. Somit kann man die Vorstellung, manches CRPS-Erkrankten, „Jetzt ist alles vorbei, jetzt geh ich in Rente, und das wars„, entkräften, da es sich hier nicht um eine endgültige Altersrente handelt. Für den Rentenantrag bei der Deutschen Rentenversicherung, bzw. bei seiner jeweils zuständigen Rentenversicherungsanstalt sind diverse Formulare auszufüllen und Unterlagen zusammenzustellen. Die Internetseiten der Deutschen Rentenversicherung bieten hierzu halbwegs ausführliche Abschnitte mit notwendigen Formularpaketen, die man sich zusammenstellen kann. Erfahrungsgemäß sollte man sich für den Rentenantrag Unterstützung suchen, zum Beispiel beim Sozialverband VDK Deutschland oder beim Sozialdienst vieler Kliniken, oder auch bei den Informationscentern der Rentenversicherung in jeder größeren bundesdeutschen Stadt.

Man muss bedenken, dass so ein Rentenantrag seine Bearbeitungszeit braucht, und dass er beim ersten mal auch oftmals nicht das gewünschte Ergebnis hat oder sogar abgelehnt wird. Dann muss man sich erstmal wieder um fachlichkompetenten und/oder rechtilchen Beistand kümmern, um innerhalb der genannten Fristen Wiederspruch einzulegen.Was man dabei auf keinen Fall aus dem Auge verlieren sollte, ist das Ende der Krankengeldzahlung (Aussteuerung aus dem Krankengeld). Um nun die Zeit von der Aussteuerung bis zur möglichen Rentenzahlung zu überbrücken, gibt es im Sozialgesetzbuch wichtige Paragraphen zur sogenannten Nahtlosigkeitsregelung. Diese bedeutet kurz gesagt, eine Arbeitslosengeldzahlung (ALG I), trotz eines bestehenden Arbeitsvertrages, man aber wegen einer Minderung ihrer Leistungsfähigkeit dennoch nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.

Udo Geiger, Richter am Sozialgericht Berlin hat dazu zwei sehr hilfreiche Texte verfasst.

→Link zum Text »Paragraph 125 SGB III bei Minderung der Leistungsfähigkeit / Nahtlosigkeitsregelung« im PDF-Format

→Link zum Text »Soziale Absicherung bei Zusammentreffen von Arbeitslosigkeit und Krankheit« im PDF-Format

→Link zum »§145 SGB III«

Quelle: www.elo-forum.de (Erwerbslosenforum Deutschland), www.dejure.org (Gesetze und Rechtsprechung verzahnter denn je)