13. März 2016 · Kommentare deaktiviert für Schmerz und Partnerschaft · Kategorien: Allgemein · Tags: , ,

Viele Erkrankungen sind mit Schmerzen verbunden. Schmerzen belasten zunächst einmal den Betroffenen selbst. Schmerzen sind unangenehm, können auch quälend sein. Im körperlichen Bereich beeinträchtigen sie das Leistungsvermögen und behindern so Aktivitäten in Beruf und Freizeit. Im psychischen Bereich können sie Gefühle wie Ärger (bis hin zur Wut), Trauer (bis hin zur Depression) und Besorgnis (bis hin zur Angst) auslösen. Schmerz ist immer ein individuelles Gefühlserlebnis und dadurch unmittelbar nur für den Betroffenen selbst wahrnehmbar. Der Partner kann Schmerzen des Betroffenen nur indirekt wahrnehmen. Zu diesen indirekten Reaktionen gehören u.a. Gereiztheit, Traurigkeit, Verlangsamung, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Rückzug, eher seltener Stöhnen oder ein gequälter Gesichtsausdruck.

Schmerzen und ihre Wirkung auf die Partnerschaft
Das alles hat natürlich Auswirkung auf das partnerschaftliche Zusammenleben, denn Stimmungen und Befindlichkeit des einen Partners wirken auch „ansteckend“ auf das Befinden des anderen Partners. So reagiert vielleicht der Schmerzgeplagte mit Ärger und Gereiztheit, wenn etwas nicht mehr richtig klappt. Vielleicht ist er zunächst wütend auf die Krankheit, auf den eigenen Körper, der nicht richtig funktioniert, aber auch auf Mitmenschen, wenn er sich von diesen z.B. unverstanden fühlt. Wenn wir diesen Ärger auf unsere Mitmenschen nicht anderweitig loswerden, kann das schnell in Enttäuschung und Traurigkeit umschlagen und dann zu einem sozialen Rückzug führen. Somit können auch Freundschaften darunter leiden. Die Gefahr der totalen Isolation besteht, wenn der Betroffene durch die Krankheit auch noch seine Arbeit verliert, woraus ein Teil des Selbstwertgefühls und soziale Kontakte bezogen wurden.
Die mit Schmerzen verbundenen körperlichen und seelischen Veränderungen beim Betroffenen haben wiederum auch eine negative Wirkung auf den Partner, weil dieser sich vielleicht angegriffen, heruntergezogen, oder bei geplanten gemeinsamen Aktivitäten behindert fühlt. Nach anfänglichem Mitgefühl kann sich eine zunehmende Ungeduld entwickeln. Die Enttäuschung des unverstandenen Schmerzbetroffenen ist damit vorprogrammiert. Da Menschen die leiden, oft sogar eine erhöhte Verständniserwartung an ihre Mitmenschen haben, ist die Enttäuschung oft doppelt schwer. Wenn der Betroffene nun auch noch mit Verärgerung, Vorwürfen oder eingeschnappt Sein reagiert, kann das beim Partner wiederum Aggressivität oder Fluchtimpulse auslösen. Entweder gibt es jetzt Streit, oder der Partner flüchtet sich in Garage, Hobbyraum oder Garten. Bei gutmütigen Partnern kommt es auch zu Hilflosigkeit: „Ich weiß nicht mehr, wie ich mit ihr/ihm umgehen soll“.
Chronisch Kranke haben oft auch Angst, vom Partner verlassen zu werden. „Ich weiß nicht, wie lange die/der es noch mit mir aushält.“ Besonders dann, wenn der Partner die Beschwerden des anderen nicht mehr ertragen kann, also selbst zermürbt oder erschöpft ist – nach dem Motto: „Ich kann das nicht mehr hören.“
Schmerz und Verständnis
Eine Partnerschaft kann chronische Schmerzen beeinflussen – im Positiven wie im Negativen. Unter den Bedingungen von chronischer Krankheit und Schmerz neue Zugänge zueinander zu finden und gegenseitiges Verständnis zu entwickeln ist zunächst einmal recht schwer:
Vor dem Betroffenen steht an erster Stelle die Aufgabe, obwohl es ihm schlecht geht und er mit Enttäuschungen zu kämpfen hat, sich dem anderen zu öffnen. Er muss Wege finden, sich dem anderen so mitzuteilen, dass der ihn versteht. Dabei besteht die Schwierigkeit, dass ein Mensch, der keine Schmerzen, Erschöpfung bei Alltagsverrichtungen oder Konzentrationsstörungen hat, dies sich nur schwer vorstellen kann. Empfehlenswert ist, dem gesunden Partner keine Forderungen zu stellen („Du musst Dich mit meiner Krankheit mehr beschäftigen“) oder Vorhaltungen zu machen („Du hast überhaupt kein Verständnis für mich“). Hinderlich ist auch ein Klagetonfall. Schildern Sie in einer möglichst entspannten Gesprächssituation ihre körperlichen und psychischen Probleme ohne dies mit Forderungen, Vorhaltungen oder Klagen zu verbinden. So geben Sie dem Partner die Möglichkeit, von sich aus Schlussfolgerungen zu ziehen. Ohne Vorwürfe kann er besser Verständnis entwickeln, weil er keine Kraft in den Selbstschutz stecken muss.
Die nicht Betroffenen haben die Aufgabe, sich auf unangenehme Themen einzulassen. Schmerz und Krankheit werden von Gesunden oft weit weg geschoben, um mit ihren eigenen Ängsten, Enttäuschungen und Ärger fertig zu werden. Erst die Bereitschaft auf beiden Seiten, sich dem anderen zu öffnen, macht eine Suche nach gemeinsamen Lösungen für die Alltagsgestaltung möglich.
Trotz Schmerz Alltag gestalten
Das gegenseitige Verständnis ist die Grundlage für eine partnerschaftliche Beziehungsgestaltung im Alltag. Wenn das Verhalten des Schmerzkranken nicht mehr als „sich hängen lassen“, „mangelnde Anstrengungsbereitschaft“ oder „übertriebene Empfindlichkeit“ gedeutet wird, kann das Paar in der Alltagsgestaltung realistische Ziele anstreben. Bei Planungen und Alltagsaktivitäten sind Entweder/Oder- bzw. Totallösungen (z.B. Hausarbeit ganz an den Partner delegieren, nicht mehr gemeinsam in den Urlaub fahren, nicht mehr zu Familienfeiern fahren) zu vermeiden. Wichtig sind Kompromisse. Man kann absprechen, wer welche Hausarbeiten übernimmt und sich dabei flexibel halten. An „guten Tagen“ kann man mehr machen, an „schlechten Tagen“ weniger. Im Urlaub muss man ja nicht alles zusammen machen. Das Urlaubsziel sollte so gewählt werden, das beide etwas finden (z.B. Thermalbad für den kranken und Alpinski für den gesunden Partner, man muss auch nicht alle Tagesausflüge mitmachen). Bei Familienfeiern kann man zwischendrin einen kleinen Spaziergang als Ausgleich zu Sitzen und Gesprächslärm machen. Wenn es gar nicht geht, kann man auch eher nach Hause fahren, dann ist man ja auch dabei gewesen. Wichtig ist, dass auch der Schmerzkranke seinem gesunden Partner Raum für Aktivitäten gibt, an denen er sich nicht mehr beteiligen kann. Der gesunde Partner sollte dem Betroffenen helfen, sich vom Schmerz abzulenken oder das Schmerzverhalten“ ignorieren“. Ablenken hieße in diesem Fall etwa zu sagen: „Komm, raff´ Dich auf, Du weißt doch, wenn wir erst mal unterwegs sind, geht es Dir besser“. Oder der Partner ignoriert das Schmerzverhalten indem er motiviert: „Ich hole die Räder und warte draußen auf Dich.“
Beide Seiten sollten grundsätzlich nicht erwarten, dass man vom Anderen immer verstanden wird, aber man sollte miteinander im Gespräch bleiben. So kann sich Partnerschaft sogar neu entwickeln, und die Beziehung kann reifer und reicher werden. Bei größeren Schwierigkeiten besteht die Möglichkeit, sich Hilfe von außen zu holen. Hilfe in Partnerschaftsproblemen bieten am besten geschulte Fachkräfte in Beratungsstellen zu Ehe- und Lebensfragen. Auch Selbsthilfegruppen können Hilfestellung geben, denn Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen von Betroffenen schaffen Verständnis und ein Austausch Erleichterung.

Quelle:Deutsche Schmerzgesellschaft
Autor: Jürgen Wild

Stopp HandSo, jetzt kam seit Langem mal wieder ein Beitrag über Morbus Sudeck im Fernsehen, genauer gesagt im NDR Fernsehen, und was ist danach?

Alle sind enttäuscht, weil der Beitrag nicht sehr realitätsnah war. Es wurde oberflächlich und wenig detailgetreu berichtet, die gezeigten Patienten hatten einen leichten Fall von CRPS. Und die gezeigten Interviews mit einem Arzt, führen eher dazu, dass jeder meint, dass die Krankheit mit ein bisschen Physiotherapie heilbar ist. Ausserdem entsteht der Eindruck, dass CRPS immer an der Hand entsteht.

Direkt im Anschluss an den Beitrag im Fernsehen, gab es auch schon reichlich Kommentare in unserer WhatsApp-Gruppe »CRPS Family«. Das Ergebnis wird sein, dass wir einen offenen Brief an die Redaktion verfassen werden. Wer ebenfalls den offenen Brief unterschreiben möchte, sendet bitte eine Email an support@crps-nrw.de mit dem Betreff „Visite“ und seinem Vor- und Zunamen und bestätigt, dass wir den eigenen Namen unter den Brief setzen dürfen. Über diesen Brief und die Reaktionen des Senders werden wir natürlich hier berichten….

Ebenfalls werden wir den Beitrag in Kürze hier bereitstellen, damit auch Betroffene, die ihn nicht gesehen haben, noch einmal anschauen können.

Und wenn das Ganze nicht schon traurig genug war, wurden wir in der Sendung doch nicht genannt, und der Link zu unserem Netzwerk auf der Webseite der Redaktion wurde falsch hinterlegt, so dass uns niemand erreichen kann. Der korrekte Link lautet https://www.crps-netzwerk.org

→Link zum Ankündigungsbeitrag

→Link zum Video »Visite: Wenn die Schmerzen nicht verschwinden: Morbus Sudeck nach Verletzungen« (215 MB, MP4-Format, Link führt zum Video-Ordner von CRPS NRW, Beitrag beginnt bei 00:12:48)

Hallo Zusammen,

mir stellt sich seit ein paar Wochen immer wieder die Frage, wie man trotz CRPS in der Berufswelt bestehen kann?

Bei mir ist zum Glück nur das rechte Sprunggelenk betroffen, trotz allem habe ich große Probleme den Weg zurück ins Berufsleben zu finden. In den ersten 3 1/2 Jahren meiner Erkrankung kam ich mit den Schmerzen, Medikamenten, und den restlichen Begleiterscheinungen noch ganz gut zurecht. Obwohl ich auch schon in dieser Zeit sehr viel Urlaub für die „schlechten Tage“ verwendet habe. Ich habe immer wieder sehr starke Schmerzattacken, wo ich dann zu meiner normalen Dosis an Morphium noch ein stärkeres Medikament zusätzlich benötige. Im Januar 2014 ging es mir dann so schlecht, dass ich innerhalb von einer Woche in eine stationär Schmerztherapie gekommen bin. Wobei im Rahmen dieser auch immer wieder über das Thema Beruf gesprochen wurde. Der behandelnde Arzt war der Meinung, dass ich trotz den starken Schmerzen und vielen Medikamenten direkt wieder arbeiten gehen sollte, wohingegen die Psychotherapeutin den Standpunkt vertreten hat, dass es so nicht möglich ist sinnvoll zu arbeiten. Also bin ich ersteinmal für vier Wochen zuhause geblieben, bis ich einen Reha-Platz bekommen habe. Doch auch nach den fünf Wochen Reha ging es mir zwar etwas besser, aber ich kann mich auf Grund der Medikamente und Schmerzen auch heute noch immer nicht so lange konzentrieren, dass ich einen normmalen Arbeitstag überstehen würde. Auch die Schmerzattacken und die damit verbundenen Spastiken machen mir immer wieder einen Strich durch die Rechnung, so dass ich nun schon seit sechs Monaten krankgeschrieben bin. Im Moment ist auch noch nicht klar, wann ich wieder arbeiten gehen kann. Mein Schmerztherapeut geht sogar so weit zu sagen, dass er eine Wiedereingliederung ins Arbeitsleben generell für fraglich hält.

Wie ist das bei Euch??? Wie geht Ihr im beruflichen Alltag mit eurer Erkrankung um?

Ich finde es einfach erschreckend, wenn man mir gerade einmal 31 Jahren vor vielen Fragezeichen steht, was dir berufliche Situation betrifft.

Danke schoneinmal im Vorraus für eure Informationen!

Wünsche Euch schmerzarme Tage!

Strubbel

 

 

 

 

 

 

Hallo zusammen,

 

bin neu hier und habe einige Fragen und würde mich über viel Ratschläge freuen.

 

LyricaMeine Geschichte fing im November 2013 an, wurde als Fussgänger vom Auto angefahren, die Diagnose war dann ein Fersenbeinbruch und diverse Prellungen. Mit dem Fersenbeinbruch waren die Ärzte hier schon ein wenig überfordert wussten wohl nicht so richtig wie man es behandeln soll, sollte den Fuss immer wieder hochlegen aber auch versuchen abzurollen damit sich die Sehnen nicht verkürzen. Die Schmerzen waren heftig und der Fuss wurde immer empfindlicher, Socken, Decken nichts durfte daran kommen,die Zehen eiskalt, Lymphen ging Anfang Januar auch noch nicht, der Fuss war violett gefärbt und immer dick, habe abends für 2 Wochen Tramal bekommen. Erst am 25.02.2014 hat dann der Radiologe in seinem Bericht vom CT von einer gelenknahen Entkalkung gesprochen und den CRPS verdacht geäussert, leider hat da der Chirurg nicht drauf geachtet und den Fersenbeinbruch als normal heilend abgetan, ich sollte Geduld haben und Schmerztropfen nehmen. Erst im April kam vom nächsten Fussspezialisten die Sudeck-Diagnose. Mein Sprunggelenk wird wohl irgendwie denke ich schon steif sein, da ich nicht richtig laufen kann. Renne von einem Arzt zum anderen, der Orthopäde wollte nur KG und Lymphdr. verschreiben und mir seine eigene Therapie (Liebscher und Bracht?) verkaufen, alle anderen Mittel helfen nicht.

Bin jetzt bei einem  Schmerztherapeuten, der hat mir Alendronsäure und Lyrica  2 x 25 mg verschrieben.

wie schnell wird man davon abhängig, kämpfe auch mit starkem Schwindel und Übelkeit bei Lyrica (stehe ja tagsüber neben mir) welche Mittel sind nicht so heftig (ausser Novalgintropfen die ich auch nehme)

kann es sein, dass die Schmerzen immer schlimmer werden und hochwandern zur Wade und Knie?

geht so ein Knochenschwund weiter, kann man irgendwann gar nicht mehr laufen?

Ich soll den Fuss immer bewegen, was ich auch mache, habe 2 Std KG die Woche und gehe ins Fitnessstudio wo ich Bewegungen an Geräten unter Anleitung der Physiotherapeutin mache.

Bin auch ganz gut darin Schmerzen zu verdrängen, glaube dass schadet mir wohl eher wenn ich an manche Beiträge denke die ich gelesen habe.

Bin übrigens sehr beeindruckt von den Leuten die hier schreiben wie sie ihr Schicksal meistern, da geht es mir ja noch gut, also Hut ab !!

VG Mary

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Krank vor Schmerz

Schmerzen sind ein Alarmsignal des Körpers. Wer sie dauerhaft hat, leidet oft erheblich. Wie Schmerz entsteht, was Sie tun können

Schmerzen quälen, martern, klopfen, pochen oder stechen. Manchmal bohren sie, brennen, drücken, kribbeln oder elektrisieren. Viele Wörter eignen sich, um Schmerzen zu beschreiben, denn jeder fühlt und erlebt sie anders. Trotz der Vielfalt der Begriffe findet sich eine Gemeinsamkeit: Schmerz erfüllt eine Funktion. Er signalisiert: „Vorsicht, hier stimmt etwas nicht.“

Denn normalerweise schmerzt es, wenn dem Körper Schaden droht – durch äußere Einflüsse oder Erkrankungen. Wie wichtig diese Funktion ist, lässt sich an jenen Menschen erkennen, die Schmerzen gar nicht oder kaum wahrnehmen. Beispiel Diabetes: Schreitet die Zuckerkrankheit voran, funktionieren die Nerven in den Füßen oft nicht mehr. Eine solche Polyneuropathie kann die Füße schmerzunempfindlich machen, zu deformierten Zehen sowie chronisch infizierten Wunden führen.

Wie Schmerz entsteht

Das Alarmsignal Schmerz nimmt seinen Ausgang in Haut und Organen. Dort verfügt der menschliche Körper über spezielle Fühler, die Nozizeptoren. Sie senden elektrische Impulse aus, wenn sie Kälte, Hitze, Strom, bestimmten chemischen Stoffen oder hohem Druck ausgesetzt sind. Oder bei Verletzungen. Die Signale der Nozizeptoren werden über spezielle Schmerzfasern ins Rückenmark weitergeleitet und dort verarbeitet.

Über die Schaltstelle im Rückenmark können Reflexe ausgelöst werden: Beispielsweise aktiviert sie jene Muskeln, die die Hand von der heißen Herdplatte ziehen. Dabei nimmt der Betroffene noch keinen bewussten Schmerz wahr. Das geschieht erst, nachdem die Signale vom Rückenmark ins Gehirn gelangt sind und dort mehrere Kontrollinstanzen in Hirnrinde, Zwischenhirn und Hirnstamm angeregt haben.

Was die Schmerzwahrnehmung beeinflusst

Die vielen Verschaltungen und Verarbeitungsprozesse beeinflussen die Wahrnehmung akuter Schmerzen. Dabei spielt nicht nur der aktuelle Gemütszustand eine Rolle. Von großer Bedeutung sind bisherige Schmerzerfahrungen. Denn diese Informationen verändern jene Nervenzellen von Gehirn und Rückenmark, die eintreffende Impulse hemmen oder verstärken und damit die Wahrnehmung beeinflussen. Welche Macht diese unzähligen Sachbearbeiter des Schmerzes haben, zeigt sich nicht zuletzt in Ausnahmesituationen: Verletzen sich beispielsweise Sportler während eines Wettkampfs, spüren sie – selbst bei schwerwiegenden Verletzungen – oft keinen Schmerz. Erst nach der Belastung machen sich die Beschwerden bemerkbar.

Verletzungen der Haut oder der Schleimhaut, Muskeltraumen, Prellungen, Knochenbrüche oder auch Operationen aktivieren die Schmerzfühler im Gewebe und erzeugen sogenannte somatische Schmerzen. Liegt die Ursache in einem Organ, bezeichnen Ärzte die Beschwerden als viszerale Schmerzen. Das ist beispielsweise bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, bei Tumoren oder einem Herzinfarkt der Fall. Akute Schmerzen erfordern oft Sofort-Maßnahmen: Ein verstauchter Knöchel gehört beispielsweise entlastet, gekühlt, mit einem Verband versehen und hochgelagert (PECH-Regel). Eine Wunde am Finger sollte je nach Art und Größe desinfiziert und mit einem Pflaster oder Verband versorgt werden.

Wenn Schmerzen chronisch werden

Nicht immer verschwinden Schmerzen wieder. Bisweilen bleiben sie für Wochen, Monate oder sogar Jahre – oder sie kommen in regelmäßigen Abständen wieder.

„Die Ursachen chronischer Schmerzen unterscheiden sich erheblich“, sagt Professor Christoph Maier, Leiter der Abteilung für Schmerzmedizin am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. Manchmal beruhen sie auf einer Dauerreizung der Schmerzfühler (Nozizeptor-Schmerz). Dies ist bei bestimmten chronischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, Wundschmerzen oder Bauchkrämpfen (Koliken) der Fall.

Neuropathischer Schmerz

Auch Schäden an jenen Nervenfasern, die Schmerzsignale weiterleiten, können für Dauerschmerzen verantwortlich sein. Werden die Fasern an einer Stelle beschädigt oder zusammengedrückt, büßen sie ihre Funktion ein und senden ständig Impulse. Diese neuropathischen Schmerzen beschreiben die Betroffenen als kribbelnd, elektrisierend oder einschießend. Oft fällt es schwer, den Schmerz exakt zu orten. Denn die beschädigten Nerven liefern falsche Informationen.

Sie täuschen den Betroffenen, sodass es ihn oft gar nicht an der eigentlichen Stelle schmerzt, sondern woanders. Ein extremes Beispiel sind Phantomschmerzen nach einer Amputation: Hier empfinden die Patienten Schmerzen in einem Körperteil, das nicht mehr da ist. Neuropathische Schmerzen können auch im Verlauf einer Zuckerkrankheit auftreten (diabetische Neuropathie), bei Bandscheibenvorfällen sowie nach Nervenentzündungen wie einer Gürtelrose (Herpes zoster) oder nach einem Schlaganfall.

Bei vielen Krankheitsbildern überlagern sich Nozizeptor-Schmerz und neuropathische Schmerzen. Das gilt insbesondere für Tumorschmerzen.

Fehlsteuerungen und psychische Belastungen

Als weitere Ursache chronischer Schmerzen kommen Fehlsteuerungen infrage. Beispiel Rückenschmerzen: Diese beginnen oft mit der Funktionsstörung eines Muskels, einer Muskelverspannung. Die sorgt für weitere Verspannungen, was die Schmerzen wiederum verstärkt. Dem Komplexen Regionalen Schmerzsyndrom (Morbus Sudeck) liegt ein Steuerungsfehler des vegetativen Nervensystems zugrunde. Bei Migräne-Attacken ist wohl der Blutfluss im Gehirn, bei Spannungskopfschmerzen vermutlich die Funktion der Nackenmuskulatur gestört.

Für manche chronischen Schmerzen wiederum lässt sich trotz aller Untersuchungen und Tests keine plausible Erklärung finden. Das gilt vor allem für einige Formen anhaltender Magen-Darm-Beschwerden, Herz- oder auch Kreuzschmerzen. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, psychische Belastungen sowie Stress im beruflichen und privaten Umfeld als Ursache heranzuziehen (psychosomatischer Schmerz).

Das „Schmerzgedächntis“

Bei manchen Patienten verselbstständigt sich der Schmerz und wird zu einem eigenen Problem. Ärzte sprechen von Chronifizierung, Patienten oft vom Schmerzgedächtnis. Der populäre Begriff dient dazu, jene biochemischen und physiologischen Veränderungen an Rezeptoren im Rückenmark und Gehirn zu beschreiben, die Dauerschmerzen hervorrufen. Doch anders als von vielen Patienten vermutet, geht es bei einer effektiven Schmerztherapie nicht darum, die Veränderungen im Gehirn rückgängig zu machen und damit das angeblich vorhandene Schmerzgedächtnis zu löschen. Vielmehr sollen die Betroffenen vor allem lernen, mit den Schmerzen zu leben und mit der Angst vor ihnen umzugehen.

Als hilfreich hat sich ein multimodaler Ansatz erwiesen, bei dem die Therapie auf verschiedenen, individuell abgestimmten Pfeilern ruht. Dabei kommen neben Medikamenten (Schmerzmitteln) auch psychotherapeutische Verfahren (verhaltenstherapeutische Ansätze, Einzel- und Gruppentherapien, Entspannungsverfahren), Physiotherapie (zum Beispiel Massagen, Krankengymnastik, Lymphdrainage, Wärme- und Kältereize, Strom), Sport– und Ergotherapie sowie komplementäre Verfahren (zum Beispiel Phytotherapie, Akupunktur) zum Einsatz.

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(Quelle: Dr. Ralph Müller-Gesser / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 12.06.2014, erstellt am 07.09.2009)