Prävention von Krämpfen: Arznei wirkt myotrop und neurotrop

Ärzte Zeitung, 15.08.2016

Arznei wirkt myotrop und neurotrop

Prävention von Krämpfen

KÖLN. Chininsulfat bietet eine effektive Prävention nächtlicher Wadenkrämpfe. Der präventive Effekt basiere auf der neurotropen und myotropen Wirkung, erinnert das Unternehmen Klosterfrau.

Muskelkrämpfe können auf myogener (Mangel an Substraten, Sauerstoff oder/und Elektrolyten) oder auf neurogener Ebene (verkürzte Refraktärzeit und/oder vermehrte Ausschüttung von Acetylcholin) entstehen. Beides resultiert in einer Störung an der motorischen Endplatte, der Verbindungsstelle zwischen Nerv und Muskelfaser.

Dadurch wird die „Kommunikation“ zwischen Nerv und Muskel gestört – Reize werden vermehrt übertragen – es kommt zum Krampf. Direkt an der motorischen Endplatte wirkt Chininsulfat – und zwar gleich zweifach.Chininsulfat reduziert die Reizüberleitung an der motorischen Endplatte, das heißt die Reaktion auf wiederholte Reize wird verringert.

Verlängerung der Refraktärzeit

Damit hebt die Substanz die Reizschwelle, die für die Auslösung einer Kontraktion überwunden werden muss, an (neurotrope Wirkung). Es verlängert die Refraktärzeit. Letzteres sei wesentlich an der Prävention von Muskelkrämpfen beteiligt, so der Hersteller.

Denn bei verlängerter Refraktärzeit werde das an den Nervenenden freigesetzte Acetylcholin von der Acetylcholinesterase abgebaut, bevor es an der motorischen Endplatte Kontraktionen auslösen kann. Zusätzlich wird der Kaliumeinstrom in die Zelle erhöht; durch den höheren Polarsierungsgrad der Zellmembran werde die Muskelzellerregbarkeit lokal herabgesetzt (myogene Wirkung).

Die Wirksamkeit von Chininsulfat bei Muskelkrämpfen ist in randomisierten klinischen Studien und großen Metaanalysen sowie in nicht-interventionellen Studien (NIS) belegt und von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in ihrer Leitlinie anerkannt.

Als peripher wirkendes Muskelrelaxans sei Chininsulfat gut verträglich. Zentrale unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Schwindel oder Substanzabhängigkeit treten nicht auf, so der Hersteller. (eb)

Quelle: Ärztezeitung.de