Drogenbeauftragte: Cannabis-Behandlung auf Kassenrezept

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Ärzte Zeitung online, 29.12.2015

Drogenbeauftragte

Cannabis-Behandlung auf Kassenrezept

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, stellt Verfügbarkeit und Erstattung von Cannabis als Medikament für 2016 in Aussicht.

Drogenbeauftragte Marlene Mortler hat die Legalisierung von Cannabis für chronisch und schwerkranke Patienten angekündigt. © Lejeun / dpa

Drogenbeauftragte Marlene Mortler hat die Legalisierung von Cannabis für chronisch und schwerkranke Patienten angekündigt.
© Lejeun / dpa

BERLIN. Mit der Änderung von Teilen des Betäubungsmittelgesetzes zum Frühsommer des kommenden Jahres können chronisch und schwerkranke Patienten, denen nachgewiesener Maßen nichts anderes hilft, auf die Legalisierung von Cannabis als Medizin bauen.

Darauf hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung verwiesen. „Eine sichere, rechtliche Basis für diese Legalisierung ist erforderlich“, betonte Marlene Mortler vor Journalisten in Berlin.

Die Droge wird Mortler zufolge über die Kassen verfügbar sein und von ihnen erstattet. Aufgrund der zu erwartenden starken Nachfrage nach Cannabis als Medizin werde der Anbau des Wirkstoffes ausgeschrieben.

Darüber hinaus brauche Deutschland noch mehr Forschung zu den Auswirkungen des Cannabiskonsums – „noch sind die Grenzen zur Verharmlosung fließend“, glaubt die Drogenbeauftragte.

Enttäuscht über Polen

Enttäuscht zeigte sich Mortler vom Verhalten Polens. Das europäische Nachbarland, das als einer der Hauptlieferanten von Crystal Meth gilt und den Grundstoff der Droge herstellt, hatte zunächst in Aussicht gestellt, die Verfügbarkeit von Methamphetamin einzuschränken.

Es habe sich allerdings gezeigt, dass dies eine „reine Absichtserklärung“ gewesen sei.

Polen gelte nach wie vor als „offene Flanke“, so Mortler. In anderen europäischen Ländern ist die Verfügbarkeit von Crystal Meth dagegen stark eingeschränkt.

Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe der Bundesärztekammer und des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin an Empfehlungen für die medizinische und psychosoziale Behandlung von Crystal Meth-Abhängigen. Der Leitfaden soll nächstes Frühjahrerscheinen.

Mediensucht – wachsendes Problem

Die nächste Jahrestagung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung wird das Thema Medienkonsum und Mediensucht in den Mittelpunkt stellen. Immer mehr Menschen in Deutschland gelten als mediensüchtig.

Hilfreich könnten nach Ansicht von Bert te Wildt, Leiter der ersten Medienambulanz in Deutschland an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum in Bochum, Online-Ambulanzen sein.

Auf der Jahrestagung wird nach Angaben von Mortler eine Studie zu der Wirksamkeit solcher Ambulanzen vorgestellt. Darüber hinaus sollen Ergebnisse einer laufenden Studie zum Umgang mit digitalen Medien in Familien erläutert werden. (mam)

(Quelle: aerztezeitung.de)

Petition: Krankenkassen sollen Cannabis als Medizin bezahlen

aerzteblatt

ÄRZTESCHAFT

Petition: Krankenkassen sollen Cannabis als Medizin bezahlen

Donnerstag, 14. August 2014

Rüthen – Mit einer Online-Petition setzen sich Mediziner und chronisch Kranke für die Kostenübernahme einer Behandlung mit Medikamenten auf Cannabisbasis ein. Die gestern freigeschaltete Petition fordert außerdem, dass der Bundestag sicherstellt, dass Patienten aufgrund einer notwendigen und ärztlich bescheinigten medizinischen Verwendung von Cannabis-Produkten nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden sollen.

Die vom Verein „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“ initiierte Petition wird nach Auskunft von Vereinsvorstand Franjo Grotenhermen unter anderem vom ehemaligen Präsidenten der Berliner Ärztekammer, Ellis Huber, unterstützt. Die Petition kann 28 Tage lang gezeichnet werden [d.h. sie kann nur noch bis zum 10.09.2014 gezeichnet werden!]. Sollten 50.000 Unterstützer zusammenkommen, muss sie vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages öffentlich beraten werden.

Vor drei Wochen hatte das Verwaltungsgericht in Köln drei chronischen Schmerz­patienten erlaubt, als „Notlösung“ in ihren Wohnungen Cannabis anzubauen, da Cannabis-Medikamente wegen fehlender Kostenübernahme für sie unerschwinglich seien. Grotenhermen sagte, dass es in Deutschland nur etwa 4.000 Patienten gebe, die Zugang zu Cannabis-Medikamenten aus der Apotheke hätten.

„Wir schätzen, dass mehrere Hunderttausend Menschen in Deutschland von einer Behandlung mit Cannabis als Medikament profitieren würden.“ Die aktuelle Regelung führe zu einer Zweiklassenmedizin und treibe chronisch Kranke in die Illegalität, um sich mit Cannabis-Produkten selbst zu therapieren.

zu den Petitionen:

https://cannabis-medizin-petition.de/
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2014/_05/_30/Petition_52664.nc.html

(Quelle: © dpa/aerzteblatt.de)