20. August 2016 · Kommentare deaktiviert für Forscher entwickeln Opioid-Analgetikum mit wenigen Nebenwirkungen · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Forschung · Tags: , ,

AerztezeitungSchmerzen

Ärzte Zeitung, 19.08.2016

Schmerz

Forscher entwickeln Opioid-Analgetikum mit wenigen Nebenwirkungen

ERLANGEN. Forscher haben ein neues Opioid-Schmerzmittel entwickelt. Das Analgetikum scheint kaum schwerwiegende Nebenwirkungen zu verursachen, teilt die Friedrich-Alexander-Uni Erlangen-Nürnberg (FAU) mit. Der Wirkstoff wurde erfolgreich in Modellversuchen getestet (Nature 2016; online 17. August).

Die Entwicklung des neuen Schmerzmittels ist einem Team der FAU, der Stanford University, der University of California, San Francisco (UCSF) und der University of North Carolina (UNC) gelungen.

Im Modellversuch konnten die Forscher nachweisen, dass ihr neuer Wirkstoff PZM21, der keine chemische Ähnlichkeit mit den bisherigen Opiaten besitzt, genauso effektiv wie Morphin Schmerzen lindert. Atemdepression und Abhängigkeit konnten nicht nachgewiesen werden, heißt es in der Mitteilung.

Mit Hilfe des sogenannten Docking-Verfahrens berechnete das Team der UCSF zunächst an einem Hochleistungsrechner, welche von mehr als drei Millionen potenziellen Wirkstoffen am geeignetsten erscheinen, mit dem μ-Opioidrezeptor zu interagieren.

Dies führte zu 23 Molekülen, die die Arbeitsgruppe an der UNC experimentell auf ihre Rezeptorbindung hin untersuchte, um einen vielversprechenden Treffer herauszufiltern. Weitere Experimente des FAU-Teams führten zu PZM21, einem funktionell selektiven Wirkstoff.

Er sei in der Lage G-Proteine zu aktivieren, nicht jedoch das Signalmolekül β-Arrestin, das für die Opioid-typischen Nebenwirkungen verantwortlich ist, so die FAU. (eb)

Quelle: ärztezeitung.de

15. August 2016 · Kommentare deaktiviert für Prävention von Krämpfen: Arznei wirkt myotrop und neurotrop · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Artikel zu CRPS · Tags: , ,
Ärzte Zeitung, 15.08.2016

Arznei wirkt myotrop und neurotrop

Prävention von Krämpfen

KÖLN. Chininsulfat bietet eine effektive Prävention nächtlicher Wadenkrämpfe. Der präventive Effekt basiere auf der neurotropen und myotropen Wirkung, erinnert das Unternehmen Klosterfrau.

Muskelkrämpfe können auf myogener (Mangel an Substraten, Sauerstoff oder/und Elektrolyten) oder auf neurogener Ebene (verkürzte Refraktärzeit und/oder vermehrte Ausschüttung von Acetylcholin) entstehen. Beides resultiert in einer Störung an der motorischen Endplatte, der Verbindungsstelle zwischen Nerv und Muskelfaser.

Dadurch wird die „Kommunikation“ zwischen Nerv und Muskel gestört – Reize werden vermehrt übertragen – es kommt zum Krampf. Direkt an der motorischen Endplatte wirkt Chininsulfat – und zwar gleich zweifach.Chininsulfat reduziert die Reizüberleitung an der motorischen Endplatte, das heißt die Reaktion auf wiederholte Reize wird verringert.

Verlängerung der Refraktärzeit

Damit hebt die Substanz die Reizschwelle, die für die Auslösung einer Kontraktion überwunden werden muss, an (neurotrope Wirkung). Es verlängert die Refraktärzeit. Letzteres sei wesentlich an der Prävention von Muskelkrämpfen beteiligt, so der Hersteller.

Denn bei verlängerter Refraktärzeit werde das an den Nervenenden freigesetzte Acetylcholin von der Acetylcholinesterase abgebaut, bevor es an der motorischen Endplatte Kontraktionen auslösen kann. Zusätzlich wird der Kaliumeinstrom in die Zelle erhöht; durch den höheren Polarsierungsgrad der Zellmembran werde die Muskelzellerregbarkeit lokal herabgesetzt (myogene Wirkung).

Die Wirksamkeit von Chininsulfat bei Muskelkrämpfen ist in randomisierten klinischen Studien und großen Metaanalysen sowie in nicht-interventionellen Studien (NIS) belegt und von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in ihrer Leitlinie anerkannt.

Als peripher wirkendes Muskelrelaxans sei Chininsulfat gut verträglich. Zentrale unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Schwindel oder Substanzabhängigkeit treten nicht auf, so der Hersteller. (eb)

Quelle: Ärztezeitung.de

22. Juni 2016 · Kommentare deaktiviert für Schmerzen online aufzeichnen · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Forschung · Tags: , , , ,

Ärzte Zeitung, 23.06.2016 11:08

Aerztezeitung
Schmerzpatienten

Schmerzen online aufzeichnen

Mit der Online-Dokumentationsplattform www.mein-schmerz.de für Patienten setzt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin auf Innovation. Auch für Ärzte, die am DGS-Praxis-Register Schmerz teilnehmen, ergeben sich neue Perpektiven.

Von Dirk Schnack

Für eine gute Versorgung von Schmerzpatienten müssen alle Teile zusammenpassen © DOC RABE Media / fotolia.com

Für eine gute Versorgung von Schmerzpatienten müssen alle Teile zusammenpassen
© DOC RABE Media / fotolia.com

HAMBURG. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) startet eine Online-Dokumentationsplattform für Patienten. Über „www.mein-Schmerz.de“ können diese künftig ihre Schmerzen online erfassen, in Berichtsform ausdrucken und beim Arzt vorlegen. Ziel ist es, dem behandelnden Arzt einen schnellen Überblick über die verschiedenen Aspekte der Erkrankung zu ermöglichen.

Die DGS will mit der kostenlosen Online-Plattform ihr Schmerzregister ergänzen. Ärzte, die am DGS-PraxisRegister Schmerz teilnehmen, können die vom Patienten freigegebenen Daten online in ihr Dokumentationssystem übernehmen und bei Bedarf mit anderen Ärzten und Therapeuten austauschen.

Eigene Zugangsdaten

Patienten können sich mit eigenen Zugangsdaten anmelden, ihre Daten im Verlauf sammeln und analysieren und selbst Einblick gewinnen, wie sie auf verschiedene Therapiemaßnahmen ansprechen. Diese Daten können sie mit den Ärzten gemeinsam bewerten, um bei Bedarf das Behandlungskonzept zu verändern.

Die DGS verspricht sich hiervon neue Ansätze zur Evaluation von Wirksamkeit und Verträglichkeit neuer Behandlungsmaßnahmen, aber auch eine Stärkung der Patientenautonomie und Selbstbestimmung. DGS-Vizepräsident PD Dr. Michael Überall erwartet auch eine Stärkung des selbstbestimmten Handelns und neue Erkenntnisse zu partizipativen Maßnahmen.

„Das System orientiert sich am Patienten und richtet sich nach seinen individuellen Bedürfnissen“, sagte Überall. Die Betroffenen legen Instrumente und Zeitpunkte der Dokumentationen selbst fest und behalten nach DGS-Darstellung auch die Datenhoheit. Überall sieht die Patienten damit als „aktive Partner auf Augenhöhe“ – für ihn ein wichtiges Kriterium für eine erfolgreiche Behandlung: „Die Behandlung chronischer Schmerzen erfordert die aktive Teilhabe Betroffener und dies wiederum setzt voraus, dass Patienten wissen, wie es ihnen geht und wo der Schuh drückt.“

Alle auf der Plattform gesammelten Daten gehen in anonymisierter Form in den Bestand des Schmerzregisters und stehen für künftige Versorgungsforschungsprojekte zur Verfügung. Überall betont zwar, dass kein Interesse an personalisierten Individualdaten bestünden, weiß aber auch: „Aufgrund dieser obligaten Verknüpfung werden wir zwangsläufig nicht alle Patienten und nicht alle Therapeuten bzw. Einrichtungen für eine aktive Teilnahme gewinnen können.“

Das DGS Schmerzregister umfasste zum Stand Mai 2016 Daten zu 107852 schmerzmedizinischen Behandlungen. Darunter waren Daten zur Behandlung von u.a. rund 56000 Menschen mit Rückenschmerzen, 17000 mit Gelenkschmerzen und jeweils 10000 mit Nervenschmerzen bzw. Kopfschmerzen. Derzeit erweitert sich das Register arbeitstäglich um Routinedaten von 180 Patienten.

Europaweit 4000 Mitglieder

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin hat europaweit rund 4000 Mitglieder und veranstaltet in 129 regionalen Schmerzzentren interdisziplinäre Schmerzkonferenzen. Zu ihren Kernforderungen gehören wie berichtet die Einführung eines Facharztes für Schmerzmedizin, eine bessere Vernetzung aller beteiligten Fach- und Berufsgruppen und eine Aufstockung der Ärzte, die in Vollzeit Schmerzpatienten behandeln. Dies machen nach DGS-Angaben aktuell nur rund 400 Ärzte in Deutschland. Weil nach Angaben der Gesellschaft 23 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen leiden, wären nach ihrer Berechnung mindestens 10000 Schmerzmediziner erforderlich.

Weitere Informationen:

www.mein-schmerz.de

Copyright © 1997-2016 by Springer Medizin Verlag GmbH

(Quelle: target=“_blank“>aerztezeitung.de)

 

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03.07.2015

Beim Thema Cannabis scheiden sich schon seit Langem die Geister. © Richard Villalon / Fotolia

Beim Thema Cannabis scheiden sich schon seit Langem die Geister.
© Richard Villalon / Fotolia

Cannabis: Dauerstreit um das Recht auf den Rausch

NEU-ISENBURG. Wird Cannabis in Deutschland legalisiert? Seit die Grünen vor einigen Monaten ihren Entwurf für ein Cannabiskontrollgesetz in den Bundestag eingebracht haben, der den Handel und Besitz der Droge ermöglichen soll, ist unter Befürwortern und Gegnern der Legalisierung eine hitzige Debatte entbrannt.

Unterdessen wollen einige Bezirke und Stadtstaaten Fakten schaffen: In Bremen, Hamburg und Berlin gibt es Initiativen mit dem Ziel, Marihuana künftig in Apotheken oder Coffeeshops legal zu erwerben.

In Deutschland sind Anbau, Herstellung, Handel, Einfuhr, Ausfuhr, Abgabe und Veräußerung von Cannabis grundsätzlich strafbar. Ausnahmen sieht das Betäubungsmittelgesetz nur für die medizinische Verwendung von Cannabis und die Verarbeitung von Faserhanf-Sorten mit stark reduziertem THC-Gehalt vor.

Dagegen ist der Konsum von Drogen in Deutschland nicht verboten, da er rechtlich als straffreie Selbstschädigung gilt.

Langer Widerstand gegen Verbot

Gegen das Verbot von Cannabis regt sich seit Jahren Widerstand. Strafrechtler wie der Bremer Jurist Lorenz Böllinger halten die derzeitige Gesetzeslage gar für verfassungswidrig. „Das Grundrecht auf Handlungsfreiheit sieht vor, dass wir uns selbst schädigen dürfen“, argumentiert Böllinger.

„Es gibt daher ein Recht auf den Rausch, und dieses Recht darf vom Staat nicht unterlaufen werden.“ Der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes vertritt die Auffassung, dass sich mit der Legalisierung von Cannabis der Schwarzmarkt austrocknen lasse und damit der organisierten Kriminalität die Grundlage entzogen würde.

„Die Prohibitionspolitik im Bereich von Cannabis ist vollständig gescheitert“, konstatieren die Grünen in ihrem „Entwurf eines Cannabiskontrollgesetzes“ und begründen ihre Einschätzung unter anderem damit, dass Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge sei.

„In Deutschland gebrauchen nach Schätzungen allein 2,3 Millionen volljährige Bürgerinnen und Bürger Cannabis. 22,2 Prozent der 15- und 16-jährigen Schülerinnen und Schüler haben Cannabis konsumiert.“

Der illegale Handel mit Marihuana könne nicht effektiv kontrolliert werden, mit der Folge, dass auch verunreinigte Cannabis-Produkte sowie solche mit synthetisch erhöhtem Wirkstoffgehalt vertrieben würden. Nach den Grünen hat sich auch die FDP für eine Liberalisierung der Drogengesetze ausgesprochen.

Auf ihrem Bundesparteitag Mitte Mai in Berlin stimmten 62 Prozent der Delegierten für eine Legalisierung von Cannabis unter strikten Auflagen. Marihuana sollte künftig als Genussmittel in lizensierten Geschäften verkauft werden können, allerdings nur an volljährige Konsumenten und nach hinreichender Aufklärung.

Die derzeitige Gesetzeslage, so die FDP, kriminalisiere die Nutzer, lasse Abhängige allein und belege sie mit Strafen, „die sie erst recht in der Drogenszene versinken lassen“.

Die Liberalen plädieren dafür, Cannabis wie Zigaretten zu besteuern und die zusätzlichen Einnahmen sowie Einsparungen bei Justiz und Polizei für Maßnahmen zum Jugendschutz und zur Drogenprävention zu nutzen.

Linke will Legalisierung

Neben den Liberalen setzen sich auch die Linken für eine Legalisierung von Cannabis ein. Mit Joachim Pfeiffer, dem wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU im Bundestag, hat sich kürzlich erstmals auch ein Unionspolitiker für die regulierte Freigabe von Cannabis ausgesprochen.

Pfeiffer hat mit seinem Grünen-Kollegen Dieter Janecek dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, in der beide die Ziele des zurzeit geltenden Cannabisverbots für gescheitert erklären und auf die Erfolge anderer Staaten bei der Liberalisierung und Regulierung des Marktes verweisen, die sich nicht zuletzt in sprudelnden Steuereinnahmen zeigten.

Ablehnung erfuhr Pfeiffers Initiative jedoch vor allem in seiner eigenen Partei. „Ein rein wirtschaftspolitischer Zugang greift in dieser Debatte entschieden zu kurz“, erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn.

„Mit dem Argument, so könne man den Schwarzmarkt bekämpfen und Steuern einnehmen, könnte man auch die Legalisierung von Heroin begründen.“

Aber Spahn ist gesprächsbereit: „Natürlich kann man darüber reden, ob man den Besitz von geringen Mengen von Cannabis bundesweit einheitlich straffrei stellt, um die Konsumenten nicht zu kriminalisieren. Das ist aber was anderes als eine umfassende Legalisierung.“

Gröhe strikt gegen Freigabe

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) lehnt eine Freigabe von Cannabis strikt ab, weil er dadurch vor allem eine Verharmlosung der gesundheitlichen Folgen des Cannabis-Konsums fürchtet.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler von der CSU, stößt ins gleiche Horn: Wenn Cannabis für Erwachsene legalisiert werde, kämen auch Kinder leichter an diese Droge.

In der SPD hält man sich zum Thema noch weitgehend bedeckt. Karl Lauterbach, Arzt und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, kann sich eine Behandlung von Schmerzpatienten mit Cannabis zwar vorstellen, warnt aber davor, „durch die Hintertür Cannabis zu legalisieren“.

Sein Fraktionskollege Burkhard Blienert hingegen meint, dass eine regulierte Freigabe von Cannabis zumindest den Schwarzmarkt austrocknen könnte. Und die Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann forderte den SPD-Vorsitzenden Gabriel jüngst zu einer eigenen Initiative auf: „Cannabis sollte endlich legal sein. Deshalb, lieber Sigmar, mach Dich locker und lass uns das gemeinsam durchziehen.“

In Bremen zumindest hat die SPD mit den Grünen in ihren gemeinsamen Koalitionsverhandlungen vereinbart, beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin (BfArM) einen Modellversuch zu beantragen mit dem Ziel, den Cannabis-Verkauf kontrolliert in Abgabestellen, etwa in Apotheken, zu erlauben.

Das habe den Vorteil, dass die Konsumenten dort auch fachlich beraten werden könnten. Vorbild ist ein Modellversuch im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, wo künftig in vier bis fünf Coffeeshops nach niederländischem Vorbild qualitätsgeprüftes Cannabis an eine begrenzte Anzahl von Konsumenten verkauft werden soll.

Ausufernde Kriminalität eindämmen

Ein entsprechender Antrag ist jüngst beim BfArM eingereicht worden. Dessen Entscheidung könnte Signalwirkung haben. Auch der Hamburger Distrikt Altona-Nord Sternschanze plant einen Modellversuch zur kontrollierten Abgabe. Damit will man die ausufernde Drogenkriminalität eindämmen.

Für schwerkranke Patienten soll Cannabis im Übrigen künftig leichter zugänglich sein, mehr noch: Nach dem Willen der Drogenbeauftragten Marlene Mortler soll der Konsum von Marihuana für chronisch kranke Schmerzpatienten ab dem kommenden Jahr sogar Kassenleistung sein.

Für die Cannabis-Freigabe an Kranke sprachen sich in einer repräsentativen Infratest-Umfrage auch 90 Prozent der Bundesbürger aus, 59 Prozent sind allerdings gegen eine generelle Freigabe der Droge. Eine Ausnahme sind die 18- bis 29-Jährigen, unter denen 55 Prozent für eine Legalisierung von Cannabis plädieren.

Cannabis-Legalisierung: Colorado ist Vorreiter

Mit der Legalisierung von Marihuana hat der US-Bundesstaat Colorado Geschichte geschrieben. Seit 1. Januar 2014 dürfen die Einwohner Colorados erstmals in der Geschichte der USA die Droge in Geschäften legal erwerben. Voraussetzung ist ein Mindestalter von 21 Jahren.

Laut Gesetz ist der Erwerb von einer Unze (etwa 28 Gramm) Marihuana erlaubt. Das gilt allerdings nur für Bürger Colorados, US-Bürger anderer Bundesstaaten müssen sich mit einer Viertel Unze (sieben Gramm) Marihuana zufrieden geben. Der Konsum von Marihuana in der Öffentlichkeit bleibt verboten.

Das Gesetz geht auf eine Volksinitiative („Colorado Amendment 64“) zur Legalisierung und Regelung von Cannabis als Rauschmittel analog zum Alkohol zurück. 55,32 Prozent der Bürger Colorados stimmten dabei 2012 für die Legalisierung der Droge, 44,68 Prozent dagegen. Zuvor war der Erwerb von Marihuana in Colorado – wie in gut 20 weiteren US-Bundesstaaten auch – nur aus medizinischen Gründen möglich.

Grundsätzlich ist Cannabis in den USA seit 1937 gesetzlich verboten, doch immer mehr Bundesstaaten schreiben – meist in Folge von Volksinitiativen – eigene Gesetze. Im US-Bundesstaat Washington etwa ist der Kauf von bis zu einer Unze Cannabis erlaubt, allerdings ist dort der Eigenanbau, anders als in Colorado, verboten. Alaska und Oregon stimmten per Volksentscheid im November 2014 ebenfalls für die Legalisierung des Besitzes und Verkaufs von Cannabis in geringen Mengen. (smi)

(Quelle: Ärztezeitung.de, Artikel von Pete Smith)
24. Juli 2015 · Kommentare deaktiviert für Nutzen widerlegt: Strom hilft nicht bei Rückenschmerzen · Kategorien: Aktuelles, Allgemein · Tags: , , , ,

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25.06.2015

Keine Linderung durch Stromtherapie bei Rückenschmerzen! © Gina Sanders / fotolia.com

Keine Linderung durch Stromtherapie bei Rückenschmerzen!
© Gina Sanders / fotolia.com

Nutzen widerlegt

Strom hilft nicht bei Rückenschmerzen

Einen Versuch war es wert: Forscher haben untersucht, ob die transkranielle Gleichstromtherapie chronischen Rückenschmerz-Patienten Linderung bringt. Mit ernüchternden Ergebnissen.

Von Thomas Müller

HAMBURG. Gegen chronischen Rückenschmerz ist bekanntlich kaum ein Kraut gewachsen, am ehesten scheinen multimodale Konzepte unter Einbeziehung einer kognitiven Verhaltenstherapie etwas zu nützen.

Damit lässt sich dysfunktionales, symptomverstärkendes Denken und Handeln abschwächen, aber die Effekte sind häufig nur minimal, geben Schmerzexperten um Dr. Kerstin Lüdtke und Professor Arne May vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf zu bedenken.

Wirksamere Therapien sind also dringend nötig, und es gibt kaum etwas, das nicht versucht wird. Zu den experimentellen Ansätzen zählt auch die transkranielle Gleichstromtherapie (tDCS). Dabei werden Elektroden am Schädel angelegt und die angrenzenden Hirnstrukturen mit einem leichten Gleichstrom gereizt.

Auf diese Weise kann die kortikale Exzitabilität beeinflusst werden. Da das Schmerzempfinden letztlich im Gehirn entsteht, hoffen Forscher, auf diese Weise auch chronische Schmerzen zu lindern.

Kleinere Studien mit tDCS bei chronischem Rückenschmerz hatten zum Teil eine gewisse Wirksamkeit nahegelegt.

Therapie mit intensivem Training

Dem wollte das Team um Lüdtke nun anhand einer großen randomisiert-kontrollierten Studie mit 135 Patienten auf den Grund gehen (BMJ 2015; 350: h1640). Die Teilnehmer hatten alle seit mindestens zwölf Wochen persistierende unspezifische lumbale Schmerzen.

Alle bekamen eine multimodale Therapie mit Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur, Entspannungsübungen und Schmerzbewältigungsstrategien.

Das Training war sehr intensiv: Fünf Stunden pro Tag mussten sich die Patienten mit den Übungen beschäftigen, und das vier Wochen lang.

Vor Beginn des Trainings erhielten sie nun fünf Tage lang täglich eine 20-minütige tDCS-Behandlung mit 2 mA anodalem Strom über dem linken motorischen Kortex oder aber eine Scheinstimulation. Dabei wurde der Strom nach 30 Sekunden abgeschaltet.

Die Ärzte um Lüdtke wollten zum einen schauen, ob die tDCS die Schmerzen direkt lindert, zum anderen, ob die Behandlung in der Lage ist, den Erfolg der anschließenden multimodalen Therapie zu verbessern.

Dies war jedoch nicht der Fall. Nach fünf Tagen tDCS-Therapie war der Schmerz auf einer 100-Punkte-Analogskala im Schnitt von 48 auf 42 Punkte gesunken, mit der Scheinstimulation von ebenfalls 48 auf 41 Punkte.

Nach den vier Wochen multimodaler Therapie lag der Wert in der tDCS-Gruppe bei 26, in der Kontrollgruppe bei 23 Punkten – hier gelang die Schmerzlinderung sogar etwas besser, die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant.

Nach einem Jahr lag der Schmerzwert bei 29 Punkten in der tDCS- und bei 22 Punkten in der Kontrollgruppe. Die multimodale Therapie scheint also durchaus wirksam zu sein, die initiale tDCS-Behandlung hatte jedoch zu keinem Zeitpunkt einen Einfluss auf die Schmerzen.

tDCS bei Rückenschmerz ungeeignet

Nicht viel besser war das Ergebnis, wenn sich die Forscher die Auswirkungen der Rückenschmerzen auf die Beweglichkeit, den Schlaf sowie das Sozial- und Sexualleben anhand des Oswestry Disability Index anschauten. Auch hier gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Nach Angaben der Studienautoren ist diese die erste randomisiert-kontrollierte Studie mit einer Patientenzahl, die groß genug ist, die Wirksamkeit der tDCS auf Schmerzintensität und Einschränkungen bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen zu belegen.

Dabei ließ sich nach fünf tDCS-Sitzungen weder allein noch in Kombination mit der folgenden multimodalen Therapie ein signifikanter Effekt nachweisen.

Das Ergebnis spreche dafür, dass die tDCS zur Therapie bei chronischem lumbalem Rückenschmerz ungeeignet sei, schreiben die Ärzte um Lüdtke.

(Quelle: Ärztezeitung.de, Artikel von Thomas Müller)