Nach Frakturen sind chronische Schmerzen häufiger

Risiko mehr als verdoppelt

Nach Frakturen sind chronische Schmerzen häufiger

Quelle: SpringerMedizin.de

 

Gebrochene Knochen erhöhen das Risiko für "Chronic Widespread Pain" (CWP) signifikant. © Springer Verlag GmbH

Gebrochene Knochen erhöhen das Risiko für „Chronic Widespread Pain“ (CWP) signifikant.
© Springer Verlag GmbH

Ein Knochenbruch prädisponiert offenbar dazu, ausgedehnte chronische Schmerzen zu entwickeln. Besonders gilt dies für Hüft- und Wirbelbrüche, wie eine englische Studie zeigt.

 

 

 

 

 

 

Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen („Chronic Widespread Pain“, CWP) sind definiert als Schmerzen, die länger als drei Monate bestehen und das Achsenskelett, die rechte und linke Körperhälfte sowie Regionen oberhalb und unterhalb der Taille betreffen. Je nach Studie und Falldefinition liegt die Prävalenz des CWP zwischen 5% und 24%. Als Risikofaktoren gelten – neben sozialen und psychologischen Einflüssen – Schleudertraumata.
Knapp jeder Zehnte hat eine Fraktur in der Anamnese
Ob auch Knochenbrüche mit einer erhöhten CWP-Prävalenz einhergehen, haben britische Forscher um Karen Walker-Bone von der Universität Southampton zu ermitteln versucht. Die Wissenschaftler unterzogen die UK-Biobank-Daten einer Kohorte von mehr als 500.000 Personen einer Querschnittsanalyse. Die Berechnungen wurden unter anderem nach Geschlecht, Alter, Body-Mass-Index, Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährungsgewohnheiten, körperlicher Betätigung und dem Vorliegen einer Depression abgeglichen.
9,5% der Untersuchten berichteten von einer Fraktur. Gebrochene Knochen erhöhten das Risiko für CWP signifikant. Stark ausgeprägt war die Steigerung bei Wirbelbrüchen, die mit einem relativen CWP-Risiko von 2,7 bei Männern und 2,1 bei Frauen einhergingen. Bei Frauen erweisen sich zudem Hüftfrakturen als Gefährdungsfaktor; solche Brüche in der Anamnese führten zu einer 2,2-fachen CWP-Erhöhung.
Kausalzusammenhang fraglich
Insgesamt lag die CWP-Häufigkeit in der untersuchten Kohorte aber mit 1,4% relativ niedrig. Auch erlaubten die Daten keine Aussage über den kausalen Zusammenhang. Es ließ sich nicht einmal ermitteln, was zuerst da war – die Fraktur oder die chronischen Schmerzen.

Walker-Bone und Kollegen schlagen daher vor, ihre Ergebnisse in einer prospektiven Studie zu prüfen. Sollte sich dabei eine Kausalbeziehung herauskristallisieren, ließen sich Risikokandidaten für CWP besser identifizieren, so die Forscher. „Das würde es erlauben, präventive Maßnahmen zu ergreifen und den Einfluss dieser beeinträchtigenden Folgen von Frakturen zu mildern.“ Aus Studien mit Patienten nach einem Schleudertrauma beispielsweise ist bekannt, dass ihre Beschwerden mehr mit ihrem Gesundheitszustand vor dem Unfall zu tun haben als mit der Art des Unfalls selbst.
publiziert am: 2.2.2016 14:00 Autor: Robert Bublak Quelle: SpringerMedizin.de basierend auf:
Walker-Bone K et al. Chronic widespread bodily pain is increased among individuals with history of fracture: findings from UK Biobank. Arch Osteoporos 2016; 11: 1; doi: 10.1007/s11657-015-0252-1