02. März 2017 · Kommentare deaktiviert für Vorstellung meines bisherigen Verlaufs · Kategorien: Erfahrungsberichte, Fragen und Antworten · Tags: , , , , , , , , ,

Ein herzliches Hallo meinerseits in die Runde!

Endlich habe ich den Weg in euer Forum gefunden und möchte mich gerne vorstellen. Zudem hoffe ich, dass ihr mir vielleicht weiterhelfen könnt. Sollte dieser Beitrag an der falschen Stelle stehen bitte ich um Entschuldigung.

Zudem wird meine Erzählung etwas länger, ich hoffe trotzdem der eine oder andere ist bereit sich meine Geschichte durchzulesen.

Mein Name ist Julia, ich bin 23 Jahre alt und habe die Diagnose CRPS Typ I am linken Sprunggelenk im November 2015 erhalten.

Meine Krankheitsgeschichte beginnt allerdings im September 2014 mit einem Arbeitsunfall, infolgedessen ich eine Patellaluxation mit patellarem und medialem Ausriss des MPFL davongetragen habe. Nach zwei OP’s mit Komplikation (Arthrofibrose) und mehreren Monaten Reha bin ich für ein halbes Jahr – trotz Beschwerden – wieder arbeiten gegangen. Im Juli 2015 lehnte die BG meinen Arbeitsunfall ab, momentan befinde ich mich im Gerichtsverfahren für die Anerkennung. Die Beschwerden bestehen bis heute, besonders die Schmerzen, die erst 1,5 Jahre nach Unfallereignis von einem Schmerztherapeuten in Zuge der CRPS-Behandlung zusätzlich behandelt werden.

Im November 2015 war ich unterwegs und habe bei einer Treppe die letzten beiden Treppenstufen mitgenommen. Folge: umgeknickt. Nach meinem Arztbesuch am nächsten Tag erhielt ich die Diagnose Außenbandriss, hochlagern, kühlen, AU für 2 Wochen, der komplette Fuß war geschwollen und bunt wie ein Regenbogen. Nach 6 Wochen sollte ich wieder ausgeheilt sein.

Bis Januar 2016 sah der Fuß wie folgt aus:

Starke stechend/brennende, kribbelnde Schmerzen, ich konnte kaum noch auftreten, keine Toleranz von warmen oder kühleren Temperaturen (Wasser und Luft), der Fuß färbte sich wechselnd blau/rot, fühlte sich wechselnd kalt und warm an, die Haut wirkte teigig und stark geschwollen, enge Schuhe und Socken konnte ich kaum mehr anziehen und auf der Haut ertragen. Egal ob in Ruhe oder Bewegung, die Schmerzen wurden immer schlimmer. Zudem stellte sich ein Taubheitsgefühl im Fuß ein.

Ich hatte allerdings Glück, kannte mein Arzt immerhin die Krankheit CRPS und schickte mich zur weiteren Untersuchung los. Seit Februar 2016 habe ich die Diagnose und befinde mich in schmerztherapeutischer Behandlung. Mit dem Arzt bin ich sehr zufrieden, hat er doch einiges ausprobiert:

Aktuelle Medikation (nach einigen Einstellungsschwierigkeiten wg. starker Nebenwirkungen):

Oxycodon/Naloxon 20 / 10 1 – 0 – 1 – 0
Novaminsulfon 500er Tabletten 2 – 2 – 2 – 0
Pregabalin 50 1 – 1 – 1 – 0
Mirtazapin 15 0 – 0 – 0 – 0,5
Pantoprazol 40 1 – 0 – 0 – 0
Domperidon bei Bedarf
Qutenza Pflaster alle 3 Monate

Im Februar/März 16 habe ich zudem direkt einen 10er-Block Sympathicusblockaden erhalten; die Wirkung war gut, hat aber leider nicht dauerhaft geholfen. DMSO-Salbe wirkte nicht, eine Kortison-Therapie über mehrere Tage brachte ebenfalls keinen Erfolg. Seit September 2016 erhalte ich alle drei Monate Qutenza-Pflaster, welche den Brennschmerz auf ein erträgliches Maß gesenkt haben. Bisher habe ich zudem zwei Mal wöchentlich Ergotherapie, Gerätetraining und Doppeleinheit KG erhalten. Eine Psychotherapie hätte ich laut Schmerztherapeut bisher nicht benötigt. Eine Vorstellung auf der schmerztherapeutischen Station in der Uniklinik Münster ergab, dass die Behandlung weitergeführt werden solle; zudem verfüge ich über einen aktiven Bewältigungsstil, eine Psychotherapie sei laut ihnen ebenfalls nicht nötig. Seit Februar 2016 laufe ich mit UAG. Ich habe einen guten familiären Rückhalt, meinen Freundeskreis und versuche, weitestgehend an den normalen Aktivitäten teilzuhaben. Meine AU lief von November 2015 bis Oktober 2016 und wurde beendet, da ich mein Studium aufgenommen habe um wenigstens wieder was anderes zu erleben außer die Krankheit.

Ich weiß, dass ich mich nicht beschweren kann, da meine Erkrankung sehr früh festgestellt wurde, allerdings stehe ich nun vor dem Problem, dass die Ärzte mich anscheinend als austherapiert ansehen. Meine Beschwerden sind noch anhaltend, der Fuß wechselt die Farbe, die Temperatur wechselt, durch die steigende Belastung der täglichen Aktivitäten liegt mein Schmerzlevel konstant bei 5-6, manchmal mit Schmerzspitzen bis 7/8, in Ruhe an guten Tagen bei 3. Das abtrainieren der UAG klappt leider nicht, ich komme schmerzbedingt nicht weg.

Der Schmerztherapeut ist sehr gut, allerdings meint er ich solle Geduld haben, möchte nichts an der Medikation ändern und klebt alle drei Monate das Schmerzpflaster. Der behandelnde Orthopäde der mir die Diagnose stellte meinte plötzlich im November, der Sudeck würde sich prinzipiell nach einem Jahr zurückbilden und ich solle mich nicht mehr so anstellen. Ein Wechsel hat nicht viel gebracht, andere Ärzte wollten entweder operieren oder zweifelten die Diagnose an.Zudem ist meine Frist der Heilmittelverordnungen ausgelaufen, dass Jahr ist rum und die Ärzte können nicht mehr aufgrund der Praxisbesonderheit durchverordnen. Seitdem muss ich mir prinzipiell anhören, die Krankheit müsse sich aber endlich gebessert haben und ich bräuchte keine Therapie mehr, einmal die Woche Krankengymnastik für 20 min reicht und ich soll die Stützen beiseitelegen, und das ohne sich mein linkes Bein angesehen zu haben.

Ich weiß nun nicht mehr wie ich weitermachen soll. Ständig den Arzt wechseln und hoffen irgendwann den richtigen zu finden, darauf habe ich keine Lust mehr. Momentan mache ich leichte Fortschritte in der Krankengymnastik und Ergotherapie, dies wird dann bald vorbei sein.

Die Krankenkasse scheint mir keine langfristige Genehmigung ausstellen zu wollen, die Ärzte wollen ihr Budget nicht mehr belasten. Ich bin am überlegen nur noch zum Schmerztherapeuten zu gehen und den Rest eben sein zu lassen, da ich meine Kraft eher für mein Studium benötige statt gegen Ärzte anzukämpfen. Die Berufsgenossenschaft könnte irgendwann zuständig werden, falls das CRPS als Wegeunfall anerkannt wird und das Gerichtsverfahren zu meinen Gunsten endet. Die einzige Idee die mir noch einfällt wäre, mich hier in einem anderen Krankenhaus vorzustellen.

Dies soll an dieser Stelle reichen, der Text ist sowieso schon zu lang geworden 😉

Für weitere Fragen, Anregungen, Tipps oder was euch einfallen sollte was ich noch ausprobieren kann, ob ihr einen Arzt in Münster oder Umgebung kennt der mir weiterhelfen könnte etc. bin ich euch sehr dankbar!

Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche!

Viele Grüße

Julia

Hallo Forengemeinde,

nach fast 2 Jahren melde ich mich zurück mit einem kleinen Bericht, was ich in der Zwischenzeit erlebt habe.

Meine Medikation ab Februar 2014: Targin retard 30mg morgens und abends, Alendronsäure 70 mg alle 4 Wochen, und Vitamin D (Dekristol) alle 2 Wochen. Die Nebenwirkungen von Targin waren schon sehr heftig, z.B. Orientierungslosigkeit bei Einkäufen, plötzliche Müdigkeitsattacken, so das ich mich sofort hinlegen musste, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen , etc.

Mein Schmerztherapeut wollte unbedingt, das ich Lyrika nehme, es wäre das wichtigste Medikament, leider ist dadurch mein Augendruck ins unermessliche gestiegen, und meine Augen waren mir in dem Moment wichtiger.

Um die Nebenwirkungen erträglicher zu gestalten , bin ich ab Juni 2014 umgestiegen auf PALEXIA retard, je 150mg morgens und abends.

Mir hat Palexia wesentlich besser geholfen als Targin , und auch die Nebenwirkungen haben deutlich nachgelassen, bis auf die Verdauungsstörungen.

Während der ganzen Zeit lief nebenher die Spiegeltherapie, auch diese hat sehr gut angeschlagen.

Alles in allem war diese gesamte Therapie so erfolgreich, das ich sie im November 2014 beenden konnte. Der Schmerz war Bestandteil meines Lebens, immer so auf Level 2-3, also erträglich.

Februar 2015: beim Spaziergang nicht aufgepasst, gestürzt, Bruch des Mittelhandknochens der „linken“ Hand, wieder Schmerzen, die sich im Laufe des Jahres aber bei 3-4 eingependelt haben. Ich lebe damit sehr gut.

Aktuell ist es leider so, das ich seit Neujahr 2016 ohne ersichtlichen Grund wieder ein Schmerzlevel von 10 in der rechten Hand habe, ich habe  mich nicht verletzt, rein gar nichts, ich verstehe es nicht. Hat hier im Forum jemand ähnliche Erfahrungen gemacht, das nach einer längeren schmerzfreien Zeit alles wieder voll da ist??

Ich habe da nur eine Vermutung, woher es eventuell kommen könnte:

Ich bin vor ein paar Jahren zweimal am Tiefennerv der rechten Hand  operiert worden (Supinator-Syndrom, Nervus radialis), nach der zweiten OP sind die Fäden wohl zu früh gezogen worden, die Wunde klaffte wieder auf und ist mit der Zeit alleine zugewachsen.

Es sieht alles ziemlich verwuchert und unschön aus, und ich hege den Verdacht, das diese Wucherungen wieder auf den Nerv drücken und das alles auslösen.

Gespräche mir meinem Hausarzt und anderen Leuten vermitteln mir den Eindruck, das sich an diese Narbe kein Chirurg mehr herantraut, aus Angst, da noch mehr zu zerstören.

Das ist meine momentane Situation.

LG

Petra

 

 

 

 

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Am Freitag vor einer Woche, am 31.07.2015 hatten wir in Köln wieder unser regelmäßiges Gruppentreffen. Mit 18 Teilnehmern hatten wir eine normale Gruppengröße und neben den üblichen Verdächtigen konnten wir auch einige neue Betroffene in Begleitung derer Angehörige in unserer Runde begrüßen.

Nach der obligatrischen Vorstellungsrunde und einer kurzen Pause zum Luftschlangen, konnten wir noch einmal unsere erste Ergotherapie-Fortbildungsveranstaltung für CRPS Betroffene Revue passieren lassen. Am Anfang des Monats Juli hatten wir nach Köln eingeladen, um über die vorhandenen Behandlungspläne in Großbritannien und Italien zu sprechen. Hier gibt es gravierende Unterschiede, da im Norden versucht wird, die betroffene Extremität unter allen Umständen beweglich zu halten (Bottom-Up-Schema), wohingegen im Süden eher die Top-Down-Theorie angewendet wird, bei dem an der „verloren gegangenen“ Wahrnehmung gearbeitet wird. Beide Ansätze haben Ihre Erfolge (Studien belegen das) aber haben auch jeweils ihre Schwachstellen, da in England zum Beispiel nur wenig gegen die Schmerzen ausgerichtet werden kann. Weitere Informationen kann man im Handout der Veranstaltung finden, die wir in Kürze veröffentlichen werden.

Ein weiterer großer Punkt auf der Agenda war der am 2.11.2015 zum ersten Mal in Deutschland geplante CRPS-Tag „Color the World Orange“. In der großen Runde haben wir die bisherigen Planungen vorgestellt und auch bereits weitere Ideen für bundesweite Veranstaltungen gesammelt. Dabei gingen die Vorschläge von Infoständen, über Spendenläufe bis zu Informationstagen in weiterführenden Schulen. Aufgrund der nur noch eignen Vorbereitungszeit, werden wir größere Projekte wie Spendenläufe in das nächste Jahr verschieben. Auf jeden Fall wurde bereits von allen (!) Landes- und Ortsgruppen in Deutschland Interesse bekundet, so dass wir über das gesamte Bundesgebiet das öffentliche Verständnis für unsere Krankheit analog einem regelmäßigen Welt-Aids-Tag am 1.12. werden vergrößern können. Für das kostenlose Ausgeben der orangenen CRPS-Schleifen (Orange Ware) haben wir bereits Anfragen von Beschaffung der Rohmaterialien und Erstellung der Schleifen in Eigenarbeit oder den direkten Import der Schleifen aus Asien rausgeschickt. Bisher importieren wir die Orange Ware aus den USA, nach dem sie in China gefertigt wurde und in die USA verschifft wurde.

Als nächstes war die bevorstehende Gründung eines eingetragene Vereines für die CRPS NRW Morbus Sudeck Selbsthilfegruppe Thema. Zum größten Teil waren die bekannten Gründungsmitglieder mit von der Partie und wir einigten uns auf eine Telefonkonferenz zur kurzfristigen Umsetzung bis spätestens Ende September, damit wir noch genügend Zeit bis zum CRPS-Tag haben. Als eingetragener Verein werden wir bessere Chancen haben, Sponsoren und Multiplikatoren zu erreichen und können so sicherlich am 2.11.2015 größere Aktionen zumindest in Nordrhein-Westfalen starten. Derzeit sind wir noch auf der Suche nach einem siebten Gründungsmitglied, welches (nur für die Gründung des Vereines, nur zur Unterschriftsleistung und zur Gründungskonstitution) vorgeschrieben ist. Bei Interesse bitte eine Email an koeln@crps-nrw.de schicken. Hinweis: Nach der Gründung des Vereines kann man als Gründungsmitglied noch weiter im Verein verbleiben, ggf. an der Wahl des Vorstandes teilnehmen bzw. sich auch aufstellen lassen. Anderseits kommen anschliessend aber keine weiteren Verpflichtungen auf die Gründungsmitglieder zu, wenn man dieses nicht möchte oder leisten kann. Weiterführende Informationen über die Gründung eines eingetragenen Vereines gibt es hier (externer Weblink des BMJ).

Kurz vor dem aktuellen Gruppentreffen haben wir in NRW zwei neue Ortsgruppen eröffnet: ganz im Norden von NRW: in Minden und in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Die neue Gruppenleitern Elke aus Düsseldorf war auch nach Köln gekommen, um sich unser Gruppentreffen anzusehen, um zukünftig ebenfalls Treffen in Düsseldorf anzubieten. Diana aus Minden befindet sich gerade in der stationären Schmerztherapie, weshalb sie leider nicht teilnehmen konnte. Sie bekommt aber bereits große Unterstützung durch ihre lokale Selbsthilfe-Kontatstelle und auch durch die anderen GruppenleiterInnen im CRPS Netzwerk. Ebenfalls gerade neu sind unsere Landesgruppen in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz.

Somit sind wir nun bundesweit in Bremen, Hamburg, Neumünster/Schleswig-Holstein, Berlin, Stendal/Sachsen-Anhalt, Dresden/Sachsen, Weiterstadt/Hessen, Ottersheim/Rheinland-Pfalz, Stuttgart/Baden-Württemberg, Egglkofen/Bayern und Köln/Nordrhein-Westfalen mit Landesgruppen und in KölnKrefeld, Minden und Düsseldorf mit Ortsgruppen vertreten. Nachdem alle Gruppen gerade einen neue Webpräsenz erhalten haben, die die GruppenleiterInnen selbst aktualisieren und bearbeiten können und schneller Beiträge online steilen können, wurde auch für Köln eine eigene Webseite angelegt, um die Interessen der Landesgruppe NRW und der Ortsgruppe Köln besser trennen zu können. Alle Gruppen sind aber auch auf unserer Bundesseite unter www.crps-netzwerk.org oder www.crps-deutschland.de oder www.crps-bundesverband.de zu finden.

Kurz angesprochen wurde auch unser Vorhaben, eine anonyme Umfrage/Studie unter CRPS-Betroffenen zur Patientenorientierung in der Behandlung chronischer Schmerzen durch das CRPS Netzwerk – Gemeinsam stark. zu starten. Dabei möchten wir auftretende Nebenerkrankungen bei CRPS Betroffenen untersuchen. Bisher ist es oftmals schwierig überhaupt einen CRPS zu identifizieren, weil oftmals Nebenerkrankungen bereits vorhanden sind oder sich erst mit dem CRPS entwickeln. Das Projekt verfolgt u.a. das Ziel, Ansätze für die Forschung nach den Ursachen der Krankheit zu erhalten. Es wurden in der Runde die vorhandenen Fragen vorgestellt und Vorschläge für eine Erweiterung gemacht. Die Umfrage wird in Kürze auf allen Webseiten veröffentlicht werden.

Nach dem die vorherigen Themen bereits großen Diskussionsbedarf zeigten, konnten wir auf die Themen Aktuelle und Alternative Behandlungsmethoden des CRPS sowie die Leitlinien der DGN (Dt. Gesellschaft für Neurologie) nur kurz hinweisen, werden aber beim nächsten Gruppentreffen am 25. September 2015 um 18.00 Uhr in Köln darauf eingehen. Beide Themen sind bereits auf unserer Webseite zu finden (oder „Therapie“ bzw. „Leitlinie“ über das Suchfeld eingeben).

Nach dem Treffen fanden wie immer viele Teilnehmer den Weg zum nahegelegenen Mexikaner, um den Abend in gemütlicher Runde und bei so manchem Getränk, leckeren mexikanischen Köstlichkeiten und so manchem Vier-Augen-Gespräch ausklingen zu lassen.

bürokratie

 

Liebe CRPS Betroffene,

wir möchten gerne eine neue Rubrik einführen »Mein CRPS & Ich« ins Leben rufen.

Es geht darum, dass jeder von uns »seine eigene CRPS Geschichte« hat, aber beim genauen Betrachten, es sehr viele Parallelen und Gemeinsamkeiten gibt. Wir wollen endlich einmal zeigen, „Hallo Welt, es gibt diese Krankheit, die man nicht immer sieht, aber wir mit heftigsten Schmerzen und Problem zu kämpfen haben“.

Was wir mit »Mein CRPS & Ich« zeigen möchten, ist, dass wir Betroffen nicht alleine da stehen sondern, das wir alle unsere guten und schlechten Erlebnisse haben, was unsere Krankheit angeht, und dass es viele Gemeinsamkeiten bzw. (schlechte) Erlebnisse, gerade in Sachen Gesundheitswesen gibt. Egal, ob der Herr Sudeck nun ausgeheilt oder akut oder chronisch ist, wir wollen alle Geschichten lesen! Denn ein einheitliches Krankheitsbild gibt es nicht. Also zeigt uns Eure unterschiedlichen „Untermieter“ mit den unterschiedlichsten Symptome, Macken und Zicken. Am Ende werden sich dann sicherlich dennoch viele Gemeinsamkeiten finden. Und sollten diese vielleicht in Krankenhäusern oder bei Ärzten sein, können andere durch positive Erlebnisse daraus lernen und vielleicht gleiche Fehler vermeiden.

Lasst uns endlich ein Bewusstsein schaffen, dass wir eben nicht spinnen, sondern dass die Krankheit einen Namen hat »Komplexes Regionales Schmerzsyndrom« oder »CRPS«. Wir wollen ein Miteinander schaffen, dass uns Kraft, Hoffnung und Mut gibt, den Weg den wir beschreiten, zusammen zu gehen und uns untereinander zu helfen, auch wenn es nur mit Worten oder Parallelen zu unseren Geschichten ist.

Traut euch und erzählt uns eure Geschichte und teilt eure Erfahrung mit uns, damit andere Betroffenen sehen, es geht nicht nur Euch so und niemand ist allein.

Um einen Anfang zu machen hat unsere Christina, ihre eigene Geschichte im NetzwerkForum in der Kategorie unter »Mein CRPS & ICH« bereits aufgeschrieben und damit einen Anfang geschaffen.

Die Form der Einsendung ist vollkommen frei. Entweder Ihr registriert Euch im NetzwerkForum und veröffentlicht sie selbst, oder Ihr schickt uns Eure Geschichte per Email an meinCRPSundIch@crps-netzwerk.de und wir veröffentlichen sie unter Eurem Namen oder auch anonymisiert für Euch. Wir behalten die Absenderangaben dann selbstverständlich für uns.

Lasst uns gemeinsam eine Plattform und ein Bewusstsein schaffen.
Und lasst uns einander dadurch Kraft, Hoffnung und gegenseitige Hilfe geben.

vielen dank2

Mein Weg aus dem CRPS

Mein Leidensweg begann im April 2013. Nach einem Sturz vom Pferd erlitt ich eine distale Radiusfraktur des rechten Armes. Der Bruch wurde operativ behandelt, indem eine Platte und ein Draht in den Knochen eingesetzt wurden. Man sagte mir nach sechs Wochen könne ich den Arm wieder benutzen. Nach vier Wochen jedoch wurde die Schwellung immer schlimmer und große Schmerzen stellten sich ein. Meine Hand sah aus wie ein Mickymaushandschuh. Dick geschwollene Finger, schwitzig heiß und manchmal eisekalt, die oben drauf weiß und auf der Handinnenfläche bläulich verfärbt waren. Starke Schmerzen in der Hand und extremer Berührungsschmerz, der nicht mal ein Ablegen der Hand irgendwo ermöglichte, machten das Schlafen unmöglich. Ich konnte den Schmerz nur noch ertragen, wenn ich meine Hand in eiskaltes Wasser hängte.

Im Vorfeld hatte mein Orthopäde versucht, die Schwellung, die bis dahin noch ohne Schmerzen verlief, durch ein pflanzliches entzündungshemmende Mittel und eine Laserbehandlung in den Griff zu bekommen. Dies zeigte zunächst auch Erfolg, doch er hatte mich nicht darauf hingewiesen, dass sich das Mittel noch mehrere Wochen hätte nehmen müssen. Ich hatte es nur bis zum Ende der Verpackung genommen. Danach explodierte die Schwellung förmlich. Bei meinem weiteren Besuch reagierte mein Orthopäde völlig entsetzt über den Zustand meiner Hand. Er war zum Glück ehrlich zu mir und äußerte sofort seinen Verdacht des CRPS. Er riet mir zunächst das Urteil des behandelnden Krankenhauses abzuwarten und möglichst schnell eine zweite Meinung in der Handchirurgie in Schwerte einzuholen.

Eine Kontrolle im behandelnden Krankenhaus, die auch die Operation durchgeführt hatten, schickten mich nur mit dem Hinweis auf eine notwendige Kontrolle in zwei Wochen und einem Rezept für Ergotherapie nach Hause.

Ein Nottermin in der Handchirurgie in Schwerte ergab die Bestätigung der Diagnose, mit dem Verweis, dass ein sofortiger Krankenhausaufenthalt notwendig sei. Ihnen wäre es am liebsten gewesen, mich noch am selben oder am nächsten Tag stationär aufzunehmen. Da ich Familie und zwei kleine Kinder habe war ich natürlich der Überzeugung, dass ich das auch ohne stationären Krankenhausaufenthalt hinkriegen würde bzw. zu Hause nicht abkömmlich sei. Um meine Entscheidungen zu fällen, nahm ich telefonische Rücksprache mit meinem Orthopäden, der klare Worte mit mir sprach und mir sagte, wenn ich dies nicht sofort machen würde, müsste ich mit der Funktionsunfähigkeit meiner Hand und chronischem Schmerzsyndrom rechnen.

Nach reichlicher Familienorganisation wurde ich zwei Tage später im Marien Krankenhaus in Schwerte stationär aufgenommen. Dort war man ebenfalls ehrlich und erklärte mir, dass ein Aufenthalt von mindestens 2-3 Wochen notwendig sei.

Ein Riesenaufgebot an Therapien begann: Man legte mir einen Plexuskatheter mit Schmerzpumpe (dauerhafte Anästhetikumgabe in den Arm), startete eine hochdosierte intravenöse Cortisongabe, ich bekam 2x täglich Krankengymnastik, 1x Lymphdrainage, 1x Kohlensäurebad, 2-3x pro Woche Ergotherapie, mehrmals täglich Eigentherapie im Therapieraum mit Spiegeltherapie, Therapieknete und Stimulation im Granulatbad. Medikamentös musste ich Trevilor und Lyrica über einen Gesamtzeitraum von 4 Monaten einnehmen, die am Ende langsam reduziert wurden.

Bei Entlassung nach 4 wöchigem Aufenthalt konnte ich zumindest passiv fast einen Faustschluss bewerkstelligen.

Meine eigentliche Therapie begann erst dann:

ich machte nach wie vor dreimal in der Woche Krankengymnastik, sowie zwei bis dreimal in der Woche Ergotherapie. Außerdem begann ich sofort mit Akupunktur gegen die Schmerzen. Meine Heilpraktikerin half mir, die ganzen Medikamente zu entgiften und auszuleiten. Weiterhin nahm ich pflanzliche Medikamente gegen das Entzündungsgeschehen (zum Beispiel Phlogenzym). Sehr geholfen hat mir außerdem mein Osteopath, der ebenfalls für die bessere nervale Durchblutung und Versorgung des Arms gesorgt hat. Geholfen hat sicherlich auch, dass ich von Anfang an meine Hand trotz Schmerzen wenn auch eingeschränkt benutzen musste, da ich Familie mit zwei kleinen Kindern habe und der normale Alltag mit Kochen, Wäschefalten, Putzen etc. trotzdem funktionieren musste. Somit wurde die Verschlimmerung der Bewegungseinschränkungen nicht durch Vermeidungsverhalten unterstützt.

Ich begab mich auf Spurensuche, warum es überhaupt zum CRPS gekommen ist.

Auslöser war sicherlich die Quetschung, die man mir bei der Operation am Daumen zugefügt hatte, um meine Hand zu fixieren. Dabei muss man mir Muskeln und Lymphgefäße abgequetscht haben, da man heute noch die Degeneration des Muskels am Daumen sehen kann und dieser auch heute noch am stärksten eingeschränkt ist, obwohl er primär gar nichts mit dem Bruch zu tun hatte. Ein großer entscheidender Faktor war eine chronische Borreliose, die degeneratives Nervengeschehen negativ beeinflusst. Eine chronische Borreliose war im Vorjahr bei mir festgestellt worden, und ist definitiv ein entscheidender Faktor bei der Entstehung des CRPS gewesen. Also begann ich auch hier erneut mit der homöopathischen Behandlung der Borreliose.

Da sich immer noch die Platte zur Fixierung des Bruchs in meinem Arm befindet, brachte mich meine Ärztin auf eine weitere wichtige Spur, die vielleicht für den einen oder anderen von euch interessant sein könnte. Mein Blut wurde auf Titanunverträglichkeit getestet. Nach ein bisschen Internetrecherche, fand ich heraus, dass genetisch bedingt ca. 17 % aller Menschen eine Titanunverträglichkeit besitzen. Aufgrund dessen gehen immer mehr orthopädische Fachkliniken dazu über, diese Titanunverträglichkeit vor dem Einsetzen von beispielsweise künstlichen Gelenken zu überprüfen. Man hört immer häufiger von Menschen, die aus unerklärlichen Gründen Probleme mit der Wundheilung bei eingesetzten Zahnimplantaten oder künstlichen Hüftgelenken aufgrund dessen haben. Bei diesen Menschen ist normalerweise eine Unverträglichkeit nicht getestet worden und vermutlich die Ursache für deren Probleme. Bei mir konnte dies nicht nachgewiesen werden und ist somit kein Faktor für die Entstehung. Trotzdem könnte es für den einen oder anderen unter euch ein wichtiger Hinweis sein.

Heute kann ich von Glück sagen, dass ich schmerzfrei bin und meine Hand fast normal benutzen kann, wenn auch nicht alle Gelenke mehr hundertprozentig funktionieren. Meine Ärzte waren zum Glück von Anfang an alle ehrlich zu mir und haben mir dringend zu sofortigen Therapien geraten. Ich weiß, dass bei vielen von euch oft die Therapien erst Monate später eingesetzt haben und somit wertvolle Zeit verloren gegangen ist. Ich bin sicher, dass ich nur deswegen so „schnell“ Fortschritte und vor allem Schmerzfreiheit bewirken konnte. Nach einem Jahr habe ich dann den Therapiewahnsinn aufgegeben, da sich keine Verbesserung der Bewegungsfähigkeit mehr abzeichnete. Trotzdem bin ich heute an einem Punkt, wo ich sagen kann, dass mich die minimale Einschränkung der Hand nicht mehr eklatant stört.

Ich hoffe sehr für euch, dass ihr alle irgendwann so schmerzfrei wie möglich seid!! Und ich möchte allen raten, die sich nicht sicher sind, ob es sich um ein CRPS handelt, eine zweite Meinung einzuholen, damit möglichst schnell eine Behandlung erfolgen kann.