Cannabis: Kontroverses Highlmittel

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Cannabis: Kontroverses Highlmittelimage

5. April 2016 
Psychose, Alkohol- und Drogensucht – zwei neue Studien liefern Hinweise, dass der Konsum von Cannabis schwerwiegende Folgen haben kann. In Deutschland wird indes weiter über eine Gesetzesänderung gestritten, welche die therapeutische Anwendung erleichtern soll.

Eine gefürchtete Folge des Gebrauchs von Cannabis ist die Psychose. Etwa ein Prozent aller Cannabis-Konsumenten entwickelt eine solche psychische Störung. Die Auswirkungen für die Betroffenen können gravierend und dauerhaft sein. Britische Forscher um Prof. Celia Morgan und Prof. Val Curran haben nun eine Genvariante identifiziert, mit deren Hilfe sich vorhersagen lassen könnte, wie anfällig ein Cannabis-Konsument für eine Psychose ist. Dazu ließen sie 442 junge, gesunde Probanden zu Hause einen Joint rauchen. Ihre Erfahrungen dabei wurden mit Hilfe des „Psychotomimetic States Inventory“ festgehalten. In diesem Fragenbogen wird nach Symptomen wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen und kognitiven Störungen gefragt, die für Psychosen wie die Schizophrenie typisch sind. Sieben Tage später folgte eine erneute Evaluation der Probanden in drogenfreiem Zustand, der durch eine Haaranalyse kontrolliert wurde. Alle Studienteilnehmer, die erfolgreich das Prozedere durchlaufen hatten, wurden einer Genotypisierung unterzogen.

Die Forscher stellten fest, dass bei Personen mit einer bestimmten Variante des AKT1-Gens die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten akuter psychotomimetischer Symptome während der Intoxikation signifikant erhöht war. „Dies ist die bisher größte Studie, welche die akute Reaktion auf Cannabis untersucht hat“, erklärt Studienleiter Curran. „Unser Ergebnis, dass sich das Auftreten psychotomimetischer Symptome bei „bekifften“ jungen Menschen durch die AKT1-Genvariante vorhersagen lässt, ist ein aufregender Durchbruch, denn diese akute Reaktion gilt als Marker für das Risiko einer Person, infolge des Cannabiskonsums eine Psychose zu entwickeln.“ Auch Morgan unterstützt diese Ansicht: „Sich wiederholt in einen psychotischen oder paranoiden Zustand zu versetzen, könnte einer der Gründe dafür sein, warum diese Personen in der Folge eine Psychose entwickeln, zu der es ohne den Drogenkonsum nicht gekommen wäre.“ Ihrer Meinung nach lässt sich die Identifikation einer Risiko-Genvariante nicht nur dazu nutzen, solche Nutzer zu identifizieren, die ein hohes Risiko für negative Auswirkungen des Cannabis-Konsums haben, sondern die Ergebnisse könnten auch dazu beitragen, eine zielgerichtete Therapie für die Cannabis-Psychose zu entwickeln.

Alkohol, Nikotin und andere Drogen
Ein häufiges Argument gegen die Legalisierung von Cannabis ist, dass der Joint als Einstiegsdroge für den Konsum härterer Drogen dient. Eine neue US-amerikanische prospektive Studie [Paywall] hat nun tatsächlich eine Assoziation zwischen dem Konsum von Cannabis und dem Auftreten von Substanzgebrauch-assoziierten Erkrankungen festgestellt. Dazu befragte die Gruppe um Prof. Mark Olfson vom Columbia University Medical Center in New York im Rahmen des „National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions“ im Abstand von 3 Jahren eine repräsentative Auswahl an 34.653 Erwachsenen. Dabei stellten die Forscher fest, dass der Konsum von Cannabis mit einem ca. 6-fach erhöhten Risiko einherging, in der Folge an einer Substanzgebrauch-assoziierten Erkrankung zu leiden. Hierzu zählten auch ein erhöhtes Risiko für Alkoholmissbrauch und -sucht (Odds-Ratio, OR 2,7; 95 % Konfidenzintervall, KI 1,9-3,8) sowie Nikotinabhängigkeit (OR 1,7; 95 % KI 1,2-2,4). Je häufiger Cannabis konsumiert wurde, desto höher war auch das Risiko: „Diejenigen, die einmal pro Monat oder häufiger Marihuana konsumiert hatten, wiesen bei der erneuten Befragung mit 70,5 % die höchste Rate für Substanzgebrauch-assoziierte Erkrankungen auf“, führt Olfson aus.

Auch wenn die Studie keine Aussage zur Kausalität machen kann, warnt Olfson vor den möglichen Folgen der zunehmenden Cannabis-Popularität. „Diese neue Erkenntnis legt die Möglichkeit nah, dass der jüngste Anstieg in der Verwendung von Marihuana zum zeitgleichen Anstieg schwerwiegender Folgen, die durch Betäubungsmittel und andere Drogen bedingt sind, beitragen könnte“, so Olfson. „In der laufenden nationalen Debatte darüber, ob Marihuana für den Freizeitgebrauch legalisiert werden soll, sollten die Öffentlichkeit und die Gesetzgeber berücksichtigen, dass Marihuana-Gebrauch potenziell das Risiko für die Entwicklung von Alkoholmissbrauch und anderen schwerwiegenden Drogenproblemen erhöhen könnte.“

Deutschland: Streit um das Gras auf Rezept
Auch in Deutschland schlägt die Cannabis-Debatte derzeit hohe Wellen, allerdings geht es dabei um einen anderen Aspekt: Durch das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“, das derzeit als Referentenentwurf vorliegt, soll die Versorgung chronisch kranker Patienten mit cannabinoidhaltigen Arzneimitteln verbessert werden. Bundesärztekammer (BÄK) und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) begrüßten in einer gemeinsamen Stellungnahme den Entwurf zwar grundsätzlich, kritisierten aber scharf die geplante Kostenübernahme auch für getrocknete Cannabis-Blüten und Extrakte. Nach Ansicht von BÄK und AkdÄ gebe es für den Einsatz von Medizinal-Cannabisblüten keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass der Gebrauch von Medizinalhanf keine genaue Dosierung der medizinisch wirksamen Komponenten von Cannabis erlaube. Der Gebrauch als Joint sei zudem mit den gesundheitlichen Gefahren des Tabakrauchens verbunden, daher fordern BÄK und AkdÄ eine Beschränkung der Kostenübernahme auf standardisierte und in kontrollierter Dosis einsetzbare Cannabis-Arzneien.

In dieselbe Kerbe schlägt auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Auch sie hält den Einsatz von Rezepturen für bedenklich, da bei diesen keine Überprüfung der Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit erfolge. Es stelle sich die Frage, warum – im Vergleich zu anderen Wirkstoffen und Leistungen – für Cannabis eine Sonderstellung getroffen werden solle, die hinsichtlich der zu erfüllenden Anforderungen niedriger liege, und ob dies gerechtfertigt sei.

Cannabis erst nach einem Jahr erfolgloser Therapie
Und noch ein weiterer Punkt erregt den Unmut von BÄK und AkdÄ: Der Entwurf sieht nämlich vor, dass cannabinoidhaltige Arzneimittel nur dann zu Lasten der GKV verordnet werden dürfen, wenn der Versicherte unter einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung leidet, welche die Voraussetzungen der Chroniker-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erfüllt. Dies bedeute aber in der Praxis, dass ein erkrankter Patient zunächst ein Jahr lang mit anderen verfügbaren Arzneimitteln behandelt werden müsste, bevor eine Therapie mit Cannabis-Arzneien erstattungsfähig ist. BÄK und AkdÄ halten diese Notwendigkeit für ethisch äußerst fragwürdig, da Patienten, welche die Kosten einer Cannabis-Therapie nicht selbst tragen könnten, so ein Jahr lang mit möglicherweise weniger geeigneten Medikamenten therapiert werden müssten.

Eine weitere von BÄK und AkdÄ kritisierte Voraussetzung für die Kostenübernahme ist die verpflichtende Teilnahme an einer Begleitforschung. Diese Regelung stelle faktisch einen Zwang dar und stehe somit im Widerspruch zum Leistungsrecht nach SGB V, wonach Leistungen in der GKV in aller Regel bedingungslos zur Verfügung gestellt werden. Außerdem stelle sich die Frage, inwiefern noch von einer zur Teilnahme an der Begleitforschung notwendigen Freiwilligkeit ausgegangen werden könne, wenn sich ein Versicherter faktisch unter Zwang zu einer solchen Teilnahme verpflichte.

(Quelle: news.doccheck.com)

7 Gedanken zu „Cannabis: Kontroverses Highlmittel#8220;

  1. Es ist eine Stärke dieser Seite, Artikel unkritisch und ungeprüft zu veröffentlichen.
    Hauptsache etwas Neues zum lesen!

    • Hallo Kommentartor/in,
      auch wir bevorzugen die Meinungsfreiheit, weshalb wir auch nicht ohne weiteres „zensieren“. Aber uns vorzuhalten, wir würden nicht oder nicht ordentlich recherchieren, müssen wir zurückweisen.
      Es geht lediglich um die Weitergabe von Informationen und Beiträgen zu CRPS und Schmerzen im allgemeinen. Hier findet keine Recherche statt, sondern wir geben die Texte mit Quellenangabe weiter.

      Und wenn wir Beiträge veröffentlichen, die wir anderweitig übernommen haben, dann kommen die von Portalen, die sich mit Gesundheitsnachrichten befassen, dem entsprechend auch bereits recherchiert sind.

      Vielleicht könntest du dich ja selbst beteiligen und uns gut recherchierte Beiträge liefern. Wir sind auf die Mithilfe aktiver Betroffener und Angehöriger angewiesen, da es speziell für mich ein Ehrenamt neben Krankheit und Beruf ist…

      Liebe Grüße
      und eine schmerzarme Zeit
      Stefan

    • Hallo Kommentator/in,
      wie bereits geschrieben, zensieren wir keine kritischen Beiträge bzw. Kommentare. Aber die Moderation von Beiträgen und Kommentaren setzt eine gewisse Laufzeit voraus, so dass es auch mal ein wenig dauern kann, bis Beiträge oder Kommentare freigegeben werden.
      Liebe Grüße
      und eine schmerzarme Zeit
      Stefan

  2. Ich finde es sehr schade ,das wenn hier Berichte aus verschieden Portalen veröffentlicht werden und die auch noch sehr interessant sind ,dann so an geprangt werden. Wenn hier ein Text verändert werden würde ist der Bericht nicht mehr der ,der übernommen wurde .Dieses würde bedeuten ,das der Verfasser dem Netzwerk auf die Finger hauen würde da der Text nicht original übernommen wurde. Klar muss jeder für sich entscheiden ob es nun von Vorteil ist auf Cannabis umzusteigen sofern man es dann auch bekommt. Aber es ist ja nun mal nicht mit dem zu vergleichen was sich andere reinziehen um einfach nur heigh zu sein. Wir leiden nun mal an starken Schmerzen und dann dürften wir vielleicht auch mit manch einem Medikament nicht mehr auf die Straße gehen.
    Ich finde es wichtig das auch Berichte veröffentlicht werden die nicht nur von dem Netzwerk selbst verfasst werden.

    Hier wird gute Arbeit geleistet ,das sieht man immer wieder ,da Handlungsbedarf und Austauscht stattfinden muss.

    Viele liebe Grüße und eine möglichst schmerzarme Zeit

    Melanie

  3. Über die Ansichten zur Wirksamkeit von Canabis als Schmerzmittel und über dessen Zulassung kann man streiten.
    Es geht mir aber gar nicht mehr um den obenstehenden Text, sondern darum, dass der Kommetar, der inzwischen leider nicht mehr zu lesen ist, einfach gelöscht wurde und der Schreiber aus dem Forum „entfernt“ wurde.
    Das ist für meinen Geschmack Zensur.
    Ich konnte nichts beleidigendes in dem Kommentar lesen, es war im Prinzip eine kritische Meinung.
    Man hätte daraus eine Diskussion starten können, die spannend hätte werden können.
    Sehr schade.

    Daneben bin ich schon der Meinung, dass die eingestellten Texte auf die Richtigkeit der Inhalte geprüft werden sollten.
    LG

    • Nochmals: Es wurden persönliche Kontakte bzw. Ärzte angesprochen bzw. bewertet und deshalb haben wir den Kommentar rausgenommen.
      Wir können gerne eine Diskussion über den Beitrag und Therapie oder was auch immer starten. Dafür ist nciht ein einzelner Kommentar notwendig.

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