Ausgeprägte Symptomverschlechterung bei CRPS Typ II nach einmaliger Applikation eines hochprozentigen Capsaicinpflasters

Ausgeprägte Symptomverschlechterung bei CRPS Typ II nach einmaliger Applikation eines hochprozentigen Capsaicinpflasters

von Dr. R. Girtler, H. Kloimstein, B. Gustorff

der schmerz titelbildIn einer Veröffentlichung in der Zeitschrift „Der Schmerz“ geht es um einen Erfahrungs- bzw. Fallbericht zur etablierten Anwendung von Capsaicinpflastern.

In dem Artikel wird über die Symptomverschlechterung nach Capsaicinpflaster-Therapie bei einer Frau mit CRPS-II am rechten Fuß nach einer Hallux Valgus-Operation berichtet. Das Pflaster wurde nach einem zeitweiligen Peridualkatheter auf ihren Fuß aufgebracht und sie war für die gesamte Anwendung schmerzfrei. Aber relativ schnell nach Abklingen der Blockade traten wieder schlimme Brennschmerzen an der Auftragsfläche auf. Sie haben das ganze dann noch einmal wiederholt und die PDK wurde noch ein paar Tage nachgeführt. Aber auch danach traten wieder heftige Schmerzen auf, so dass sie die Patientin nur mit einer intensiven multimodalen Schmerzbehandlung (medikamentöse Einstellung mit starken Opioiden, täglicher Ergo- und Spiegeltherapie, Gruppentherapie zur Schmerzbewältigung und intensive psychotherapeutische Behandlung) wieder auf ein erträgliches Schmerzmaß herunterbringen konnten.

Trotz dieser doch anerkannten Therapieform existieren wohl nur ganz wenige Fallberichte bei der Anwendung beim CRPS-I und noch nicht einmal klinische Studien, geschweige denn irgendetwas für den Typ II. Somit beruht die ganze Capsaicinbehandlung anscheinend nur auf Basis von Expertenmeinungen. Interessant ist, dass im Verlauf des Artikels noch viel über die allgemeinen Behandlungsschritte und Leitlinien für CRPS-Patienten im Allgemeinen gesprochen wird und auch diverse Empfehlungen oder Aussagen widerlegt werden. Fest steht, dass »trotz einer großen Vielfalt an Therapiemöglichkeiten für das CRPS Typ I gibt es einen Menge an Daten.«schmerzpflaster

Das Fazit des Artikels würde mich sofort gegen die Empfehlung oder Richtlinien zur Anwendung von Capsaicinpflastern stimmen lassen (mein Arzt hatte es vor Längerem einmal in Erwägung gezogen):
»[…]Die Datenlage diverser Therapieempfeh­lungen für Capsaicin bei CRPS ist stark li­mitiert (eine einzige Arbeit, nur 2 Patien­ten mit CRPS eingeschlossen). Fallberich­te zur topischen Anwendung von Capsai­cin liegen nur für CRPS Typ I vor. Capsaicin 8% führt bei Patienten mit CRPS Typ II möglicherweise zu einer Krankheitsverschlechterung.«

Der Artikel ist zu beziehen über Springer Link oder per Email bei mir (koeln@crps-nrw.de)

4 Gedanken zu „Ausgeprägte Symptomverschlechterung bei CRPS Typ II nach einmaliger Applikation eines hochprozentigen Capsaicinpflasters#8220;

  1. Ich hab das Pflaster auch schon gehabt ,leider ist die Wirkung nur für 2 Monate gewesen und dann auch nur

    eine Schmerzbegrenzung von 2 Schmerzstufen .

  2. Hallo Stefan

    danke, dass Du auf diesen Artikel hinweist.

    Ich habe mich inhaltlich schon länger mit dem Capsaicinpflaster auseinandergesetzt und finde es sehr wichtig, dass wir CRPS – Betroffene wissen, dass eine Behandlung mit Capsaicin unsere Symptome nachhaltig und langfristig verschlechtern können. Dies gilt meines Erachtens für CRPS 1- und CRPS 2- Erkrankte gleichermaßen, denn die Daten- bzw. Studienlage ist insgesamt wirklich erschreckend dünn.

    Die Autoren des Fallberichts „Ausgeprägte Symptomverschlechterung bei CRPS Typ II nach einmaliger Applikation eines hochprozentigen Capsaicinpflasters“ berichten, dass sich das „Topisches Capsaicin 8% zur Behandlung peripherer neuropathischer Schmerzen etabliert. Sie stellen zur Diskussion, dass die Datenlage zur Anwendung von Capsaicin bei CRPS sehr spärlich sei. In verschiedenen Empfehlungen für CRPS werde über die Wirksamkeit berichtet, dabei würde allerdings immer auf eine Studie aus dem Jahr 1998 mit 10 Patienten verwiesen, von denen nur 2 Patienten ein CRPS (Typ 1) aufwiesen.

    Zur Therapie bei CRPS 1 werde in den aktuellen Leitlinien eine unzureichende Evidenz (nur 1 Studie) für die Effektivität von topischem, hochprozentigem Capsaicin (5-10%) angeführt. Die Anwendung von Capsaicin bei CRPS beruht also nur auf Expertenmeinung.“

    In verschiedenen Beiträgen in medizinischen Fachzeitschriften wird derzeit diskutiert, ob es sinnvoll ist, das Capsaicin – Pflaster trotz der hohen Schmerzreize auch bei CRPS – Patienten einzusetzen. Das anerkannte Konzept, bei der Behandlung des CRPS Schmerzreize zu vermeiden, spricht absolut gegen den Einsatz von Capsaicin.

    In einem Leserbrief zu diesem Fallbericht wird den Autoren vorgeworfen, sie hätten entgegen der Fachinformationen eine andere Vorbehandlung als mit Lidocain-Creme gewählt, zudem wäre es zu einer Überdosierung des Capsaicin gekommen. Die Autoren hatten sicherlich einen triftigen Grund für die Periduralanästhesie als „Vorbehandlung“, denn viele von uns Betroffenen können Cremes auf der betroffenen Extremität gar nicht tolerieren.

    Meines Erachtens sollte jeder selbst entscheiden, ob er sich auf ein solches Experiment einlassen möchte. Ein Experiment, was unseren Gesundheitszustand dramatisch und unter Umständen langfristig verschlechtern kann, gerade deshalb sind die Erkenntnisse dieser Autoren für uns Betroffene sehr wichtig.

    Maddin

  3. Hallo Zusammen, hab das Pflaster auch ausprobiert habe auch CRPS II, ich kann es nur bestätigen bei mir wurden die Schmerzen auch schlimmer hatte einen Brennschmerz als wäre ich mit der Hand/Arm in einer Fritteuse gewesen. Habe dann mit Eispack gekühlt und dadurch ganz viel hintereinander folgende Schmerzattacken bekommen. Ich sag euch das waren die schlimmsten 2 Wochen seit ich CRPS habe. Das einzige positive, daran ist das ich jetzt weiß wie gut es mir doch eigentlich geht. (Schlimmer geht immer :D) aber ich hätte auch gern drauf verzichten können. Nach 2 Wochen hat es sich wieder aufs alte Schmerzlevel eingependelt die Schmerzattacken sind leider geblieben nicht mehr so heftig aber noch da. Also ich würde jedem abraten von dem Pflaster.

    Wünsch euch weiterhin Schmerzarme/Schmerzfreie Tage

    Steffi

  4. Hallo Steffi,
    leider muss man immer damit rechnen das eine Therapie das Gegenteil erzeugt. Ich hatte z.B. Elektrobäder, da bin ich hinterher durch die Decke gegangen vor Schmerz.
    Bei der Anwendung von dem Pflaster sollte vorher die Haut betäubt werden (Salbe) hatten sie das bei dir gemacht?

    Ich habe leider die Erfahrung bei mir machen müssen das es das Beste ist wenn man alles in Ruhe lässt. Dann ist es nach einer Weile mit Medis auch aushaltbar. Da ich schon seit 2008 CRPS habe und vieles wirklich probiert habe kann ich eben auch aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen.
    Es ist schon komisch das dem einen gut tut was dem anderen schadet. Aber so ist es eben und man kann nur testen und dann eben aus eigener Erfahrung berichten wie es einem ergangen ist.

    Ich hoffe deine Symtomatik beruhigt sich weiter noch und du kommst am Ende wieder auf den alten Level,
    Es ist wirklich so, schlimmer geht immer. Leider!
    LG Internetti

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