23. Mai 2017 · Kommentare deaktiviert für Mit Opioiden aus der Schmerzspirale ausbrechen · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Forschung

Mit Opioiden aus der Schmerzspirale ausbrechen

Um einer Chronifizierung von Schmerzen entgegenzuwirken, ist eine individualisierte Behandlung mit Opioiden oft der erste Schritt.

Ärzte Zeitung online, 19.05.2017

Chronische Schmerzen

FRANKFURT/MAIN. Bis zu 15 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Unbehandelt lassen diese jede Bewegung schmerzen, was oft zu einer Vermeidungshaltung und Bewegungsmangel führt. Und schon befinde sich der Patient in einer Schmerzspirale, aus der man mit einer multimodalen Therapie ausbrechen müsse, so Dr. Sabine Hesselbarth, niedergelassene Fachärztin für Anästhesie und spezielle Schmerztherapie, Mainz, bei einem Symposium der Firma Mundipharma.

„Häufig ist die medikamentöse Therapie mit Opioiden der erste Schritt, um eine multimodale Therapie überhaupt beginnen zu können“, sagte Hesselbarth. Sie verdeutlichte die Komplexität der Schmerztherapie am Beispiel einer Patientin. Diese kam 2009 im Alter von 53 Jahren mit dumpfen, ziehenden, brennenden Dauerschmerzen im unteren Rücken zu der Schmerzmedizinerin.

Außerdem lagen Komorbiditäten vor, etwa eine beidseitige Gonarthrose mit Knieprothese rechts, Adipositas, Nikotinabusus und eine KHK. Auch psychovegetative Beschwerden wie Schwindel, Schlaf- und Konzentrationsstörungen beschrieb die Patientin. Die bisherige Therapie umfasste bis zu 5 x 600 mg/d Ibuprofen und Novaminsulfon bei Bedarf. „Ziel einer Schmerztherapie ist auch die Korrektur einer Fehltherapie“, so Hesselbarth. Sie habe bei der Patientin zunächst die NSAR abgesetzt und eine Opioidtherapie mit zweimal täglich 20 mg Oxycodon unter Antiemetikum begonnen und nachts zusätzlich Mirtazapin 7,5–15 mg und Novaminsulfon angesetzt. Dies führte zur Reduktion der Schmerzstärke auf der numerischen Rating Skala (NRS; 0 = kein Schmerz, 10 = stärkste vorstellbare Schmerzen) von 8-9/10 auf 6/10 NRS. Auch Psychotherapie, Physiotherapie und Reha-Sport waren im multimodalen Setting enthalten.

Wichtig sei auch die regelmäßige Kontrolle der Effektivität der Maßnahmen, betonte Hesselbarth. So habe ihre Patientin trotz Laxanzien über anhaltende Obstipation geklagt, sodass die Anästhesistin die Behandlung auf zweimal täglich 20 mg Oxycodon/10 mg Naloxon (Targin®) umstellte. Die Kombination mit Naloxon erhält die normale Darmfunktion und die Patienten leiden weniger an Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. „In den Jahren 2011 bis 2015 war der NRS mit 2-3/10 stabil und die Patientin zufrieden,“ so Hesselbarth. (ajr)

Quelle: aerztezeitung.de

19. Mai 2017 · Kommentare deaktiviert für Nächstes Gruppentreffen am 01.06.2017 findet nicht im BBZ statt · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Veranstaltung

Liebe CRPS Betroffene, liebe Angehörige, liebe Interessierte,

leider müssen wir unser nöchstes Gruppentreffen in Duisburg an einem anderen Ort stattfinden lassen, da uner bekannter Ort, das BBZ nicht verfügbar ist.

Wir denken aber, dass wir das Treffen lieber an einem andern Ort stattfinden lassen, als es ausfallen zu lassen.

Das nächste Treffen in Duisburg am 01.06.2017 findet ausnahmsweise hier statt:

Eiscafe De Luca
Augustastraße 24, 47198 Duisburg
Telefon: 02066 502636

18. Mai 2017 · Kommentare deaktiviert für Sertürner Preis für Kölner Schmerzforscher · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Forschung
Ärzte Zeitung online, 12.05.2017

Förderpreis verliehen

Sertürner Preis für Kölner Schmerzforscher

EINBECK / LIMBURG. Der „Sertürner Preis“ – ein etablierter Förderpreis für die Schmerzforschung – wurde in diesem Jahr an Dr. Jörg Isensee aus dem Team von Professor Tim Hucho, Uniklinik Köln, Experimentelle Anästhesiologie und Schmerzforschung, vergeben. Die Forscher erhalten die von Mundipharma gestiftete und mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für Untersuchungen an Nav1.7-defizienten Mäusen, die lebenslang schmerzfrei sind (Sci Signal. 2017 Jan 10; 10(461)), teilt das Unternehmen mit. Ziel der Arbeit war es festzustellen, ob die Überexpression von endogenen Opioiden zur Desensitivierung der zellulären Opioidrezeptor-abhängigen Signaltransduktion führt oder ob Gegenspieler wie zum Beispiel Serotonin-induzierte Signalvorgänge zum Erhalt der Homöostase skaliert werden. (eb)

Quelle: aerztezeitung.de

18. Mai 2017 · Kommentare deaktiviert für US-Infoportal schaltet deutsche Seite frei · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Therapien im Überblick

Ärzte Zeitung online, 15.05.2017

Cannabis

US-Infoportal schaltet deutsche Seite frei

BERLIN/SEATTLE. Das US-amerikanische Internetportal Leafly, nach eigenen Angaben „weltweit die größte Nachrichtenquelle über Cannabis“, hat mit www.Leafly.de jetzt auch ein deutschsprachiges Informationsangebot freigeschaltet.

Patienten und Angehörige erhielten dort Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Cannabis-Verschreibung, heißt es. Ärzte, Apotheker und medizinisches Pflegepersonal könnten sich unter anderem über therapeutische und palliative Einsatzmöglichkeiten, über arzneimittelrechtliche Aspekte sowie im Markt verfügbare Produkte informieren.

Forschern biete das Portal „Erhebungen, Ergebnisse und die neusten Studien zu medizinischem Cannabis aus der Cannabinoidforschung weltweit“. (cw)

Quelle: aerztezeitung.de

18. Mai 2017 · Kommentare deaktiviert für Zehn-Punkte-Plan für eine bessere Versorgung · Kategorien: Aktuelles, Allgemein
Ärzte Zeitung online, 17.05.2017

Schmerzmedizin

Zehn-Punkte-Plan für eine bessere Versorgung

Der Facharzt für Schmerzmedizin wird in absehbarer Zeit nicht kommen. Davon geht die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin aus. Damit die Versorgung trotzdem besser wird, haben die Experten jetzt ein neues Konzept entwickelt.

Von Christoph Fuhr

Experten haben ein neues Konzept zur Versorgung von Schmerzpatienten entwickelt.
©c9 Doc RaBe – Fotolia

Seit Jahren trommelt sie vergeblich für die Einführung des Facharztes für Schmerzmedizin, jetzt zieht die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) Konsequenzen. Von diesem Facharzt will die DGS auch in Zukunft nicht abrücken, sie nimmt aber zur Kenntnis, dass er zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehrheitsfähig ist. „Fachgebiets-Partikularinteressen“ hätten ihn bisher verhindert, bedauert DGS-Präsident Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe und geht in die Offensive. Die DGS hat ein völlig neues Versorgungskonzept entwickelt, das sie jetzt erstmals öffentlich vorstellt. Die „Spezialisierte Ambulante Schmerzmedizinische Versorgung“ (SASV) soll neue Perspektiven für bessere ambulante Versorgungsstrukturen von Patienten mit chronischen Schmerzen bieten.

„Echter Paradigmenwechsel“

„Es handelt sich um einen echten Paradigmenwechsel“, sagt Müller-Schwefe. Das Konzept baut auf die Einrichtung von Netzwerken. Hausärzte, Fachärzte, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten und algesiologische Fachassistenten sollen gemeinsam die von einem Netzmanager koordinierte Behandlung sicherstellen – und das auf Augenhöhe, wie der DGS-Präsident erläutert.

In einem Zehn-Punkte-Plan beschreibt die DGS, wie die SASV funktionieren soll:

  • Das Netz muss flächendeckend, wohnortnah und ambulant zur Verfügung stehen.
  • Ein Kernziel ist die Frühintervention und Prävention der Schmerzchronifizierung.
  • Ein zeitnaher Therapiebeginn und ein effektives Übergabemanagement für Patienten muss sichergestellt werden.
  • Ein „Pain Care Team“ soll den spezialisierten Einzelkämpfer ersetzen. Die Teammitglieder müssen über schmerzmedizinische Kernkompetenzen verfügen. Hausärzte, Schmerzmediziner, Psychologen, Physiotherapeuten und algesiologische Fachassistenten sollten mit im Boot sitzen.
  • Erforderlich ist ein Netzmanagement, das Versorgung koordiniert. Erste Anlaufstelle könnte eine algesiologische Fachassistenz mit erweiterter Qualifikation sein.
  • Über verbindliche Kooperationen sind Vertreter weitere Fachgebiete in das Netz einzubeziehen: zum Beispiel Neurologen, Orthopäden, Chirurgen, Zahnmediziner oder Sozialarbeiter.
  • Für alle im Netz Beteiligten muss eine schmerzmedizinische Basisqualifikation sichergestellt werden.
  • Eine verbindliche gemeinsame Dokumentationsplattform soll Transparenz sicherstellen und Versorgung effizienter machen.
  • Eine adäquate, pauschalierte Vergütung soll Fehlanreize vermeiden. Die Einzelleistungsvergütung hat in diesem Konzept keinen Platz.
  • Für einzelne Patientengruppen müssen Therapieoptionen und Therapieziele definiert werden, um mit Blick auf die notwendigen Ressourcen Honoraranteile der Beteiligten zu berechnen.

Im Zehn-Punkte-Papier analysiert Müller-Schwefe noch einmal die Entwicklung der Schmerzmedizin in den vergangenen 20 Jahren und benennt Defizite.

Zwar sei 1996 die fachgebietsbezogene Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ eingeführt worden, und 2005 sei es zur Übernahme der von der DGS mit einzelnen Krankenkassen zuvor getroffenen Qualitätssicherungsvereinbarungen in den EBM 2005 gekommen. Seitdem gebe aber nicht nur einen Stillstand, sondern eher sogar Rückschritte in der schmerzmedizinischen Versorgung.

Partikularinteressen als Hindernis

Daran ändere auch das „Querschnittsfach Schmerzmedizin“ – seit 2016 obligater Bestandteil des zweiten ärztlichen Prüfungsabschnittes – nur wenig. „Der Lehr- und Prüfungsumfang wird in keiner Weise den Herausforderungen gerecht, denen die zukünftigen Ärzte sich gegenüber sehen werden“, kritisiert Müller-Schwefe und verweist auf eine weitere, aus seiner Sicht fatale Entwicklung: Die von allen schmerzmedizinischen Fachgesellschaften getragene Forderung nach dem Facharzt für Schmerzmedizin als Vertreter eines Querschnittsfachs sei noch 2007 in die Ethik-Charta der Deutschen Schmerzgesellschaft (DGSS) verankert worden: „2015 wurde sie auf dem Altar der Partikularinteressen der Fachgesellschaften geopfert und ersatzlos gestrichen.“

Die auf einer Bedarfsplanung basierende Sicherstellung der ambulanten Versorgung greife bis heute nicht für die Schmerzmedizin, da diese sich an Fachgebieten orientiere, bedauert Müller-Schwefe. Er weist darauf hin, dass die entsprechende Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses durchaus eine an der fachgebietsbezogenen Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ orientierte Bedarfsplanung ermögliche. „Bis heute ist dies allerdings in keiner einzigen Kassenärztlichen Vereinigung umgesetzt“, kritisiert der DGS-Chef.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin weiß, dass das ehrgeizige SASV-Konzept nur dann eine Perspektive hat, wenn es auch von Politikern und anderen Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen unterstützt wird. Müller-Schwefe zeigt sich optimistisch: „Wir werden alles tun, damit eine bessere Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen nicht scheitert.“

Quelle: aerztezeitung.de