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21. August 2015 · Kommentare deaktiviert für Neue Praxis-Leitlinie zur Substitutionspraxis · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Artikel zu CRPS · Tags: , , , , ,

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20.08.2015

Schmerzkranke

Neue Praxis-Leitlinie zur Substitutionspraxis

OBERURSEL. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat mit „Gute Substitutionspraxis in Schmerz- und Palliativmedizin“ eine neue Praxis-Leitlinie zur Umstellung wirkstoffgleicher Arzneimittel veröffentlicht.

Anspruch dieser Leitlinie sei es, sich angesichts schwindender finanzieller Ressourcen und einer kontinuierlich steigenden Lebenserwartung den damit einhergehenden ökonomischen Herausforderungen und den Vorgaben des Wirtschaftlichkeitsgebotes zu stellen, so die DGS. „Dies darf aber auf keinen Fall auf Kosten der Lebensqualität der chronisch Schmerzkranken geschehen“, wird der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, zitiert.

Die Leitlinie biete eindeutige Angaben darüber, was bei einem Wechsel zwischen wirkstoffidentischen Arzneimitteln zu beachten ist, teilt die DGS mit.

Damit stelle sie für Ärzte in der Schmerzmedizin eine praxisrelevante Unterstützung im rationalen Umgang mit rabattvertragsbedingten Arzneimittelumstellungen dar und sei gleichzeitig für Patienten eine große Hilfe.

Die aktuell publizierte PraxisLeitlinie ist die dritte ihrer Art. Alle bisher veröffentlichten DGS-PraxisLeitlinien geben auf der Grundlage wissenschaftlicher Daten und der Erfahrungen schmerz- und palliativmedizinisch tätiger Ärzte Empfehlungen für verschiedene Indikationen in der Schmerzmedizin. Bisher wurden die DGS-Praxis-Leitlinien „Tumorschmerz“ und „Tumorbedingte Durchbruchschmerzen“ abgeschlossen.

Die DGS-Praxis-Leitlinien unterscheiden sich von Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) im Wesentlichen dadurch, dass sie nicht nur die komplette verfügbare wissenschaftliche Literatur als Grundlage für Therapieentscheidungen heranziehen, heißt es in der Mitteilung.

Sondern sie berücksichtige auch die Erfahrung der täglich mit Patienten arbeitenden Ärzte, also die eigene interne Evidenz, wie auch der betroffenen Patienten selbst, die über die Deutsche Schmerzliga e.V. (DSL) als Patientenselbsthilfeorganisation umfangreich an der Gestaltung dieser Leitlinien beteiligt sind. (eb)

Es gibt eine Pressemitteilung zur neuen DGS-PraxisLeitlinie „Gute Substitutionspraxis“, die unser Kooperationspartner, die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V., veröffentlicht hat.

→Link zur Pressemitteilung der DGS

 

→Link zu den Praxisleitlinien der DGS

→Direktlink zur Endversion der Leitlinie

(Quelle: Ärztezeitung.de)

deutsche_schmerzgesellschaft

Leitlinien zur Schmerzbehandlung

Um die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse im klinischen Alltag zu fördern, setzt sich die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. für die Entwicklung und Implementierung wissenschaftlicher Leitlinien ein. Dabei initiiert die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. sowohl eigene Leitlinien-Projekte, engagiert sich aber auch in diversen interdisziplinären Leitlinien.
Trotz des hohen Stellenwerts wissenschaftlicher Leitlinien können und sollen diese aber nicht die sorgfältige, interdisziplinäre und individuelle Diagnostik und Therapieplanung ersetzen. Sie dienen vielmehr dazu, über den aktuellen interdisziplinären Konsens der wissenschaftlich gesicherten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zu informieren, um so einen verantwortungsvollen, klinischen Entscheidungsprozess auf hohem Niveau zu ermöglichen.

Auszug der angebotenen Leitlinien:

→Diagnostik neuropathischer Schmerzen

→Diagnostik und Therapie komplexer regionaler Schmerzsyndrome (CRPS)

→Opiodrotation

→Leitlinie zur Begutachtung von Schmerzen

Weitere Leitlinien auf der Seite der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.

(Quelle: Deutsche Schmerzgsellschaft e.V.)
16. April 2014 · Kommentare deaktiviert für Leitlinie für die ärztliche Begutachtung von Menschen mit chronischen Schmerzen · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Artikel zu CRPS · Tags: , , , , , , , , , , , , ,

Bei AWMF Online habe ich eine weitere wichtige Leitlinie gefunden, die zur Begutachtung von Menschen mit chronischen Schmerzen, herangezogen werden sollte. Auch wenn dieses Dokument öffentlich sowie in einer ärtzlichen bzw. wissenschaftlichen Datenbank veröfentlicht wurde, ist es fraglich, ob sich ein Gutachter oder Amtsarzt oder sonstige Personen, die sich mit der Klassifiezierung von CRPS bzw. chronischen Schmerzen, auch an diese Leitlinie hält und so auch zum Beispiel die McGill Schmerzskala im Blick hat.

→Link zur Leitlinie im PDF-Format

→Link zum AWMF-Portal

Quelle: AWMF online, Portal der wissenschaftlichen Medizin, www.sudeckselbsthilfe.de

 

Darüberhinaus habe ich eine weitere hilfreiche Publikation eines CRPS-Betroffenen gefunden, in dem es um die Bewertung einer CRPS-Erkrankung geht. Es zeigt sich, dass bei der Begutachtung eines Arbeitsunfalls bzw. einer Berufskrankheit in Form einer Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) bewertet wird und zu den gängigen Feststellungsverfahren gehört (Achtung Sonderfall zum Sozialgesetzbuch VII, Gesetzliche Unfallversicherung)

→Link zur Publikation im PDF-Format

→Link zum Sozialgesetzbuch (SGB VII), §8 Arbeitsunfall, §9 Berufskrankheit

Quelle: Martin, CRPS-Betroffener, www.sudeckselbsthilfe.de
11. April 2018 · Kommentare deaktiviert für Morbus Sudeck- Funktionelle Therapie ist das A und O · Kategorien: Aktuelles, Allgemein, Medizin, Studie

Morbus Sudeck: Funktionelle Therapie ist das A und O

Ärzte Zeitung online, 07.03.2018

Morbus Sudeck
Funktionelle Therapie ist das A und O

Ein Morbus Sudeck (CRPS) kommt relativ häufig vor, manche Menschen neigen dazu. Die Behandlung hat sich grundlegend geändert.

Von Thomas Meißner

Beim CRPS sind am häufigsten Arme oder Beine betroffen. Die Diagnose erfolgt nach den Budapest-Kriterien . © mauritius images/Science Source/Scott Camazine

 

Es ist nach Verletzungen der Extremitäten gar nicht so selten, bleibt dennoch oft lange unerkannt: das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS), vielen noch unter dem historischen Namen Morbus Sudeck geläufig.

Bis zu fünf Prozent der Patienten nach distalen Radiusfrakturen, aber auch nach Frakturen oder Bagatelltraumen der unteren Extremität erkranken an dem Syndrom.

Am häufigsten trifft es Erwachsene im Alter zwischen 40 und 70 Jahren, aber auch Kinder. Diagnostisch wegweisend ist die „handschuhförmige“ Symptomatik mit motorischen und vegetativen Störungen sowie Körperschema-Störungen.
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24. Februar 2018 · Kommentare deaktiviert für Morbus Sudeck: Schmerzkontrolle und Restitution der Funktionalität · Kategorien: Allgemein

aerzteblatt.de

Morbus Sudeck: Schmerzkontrolle und Restitution der Funktionalität

Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt
Dtsch Arztebl 2018; 115(3): A-76 / B-68 / C-68

MEDIZINREPORT

Die Therapie des Morbus Sudeck hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Für eine gute Prognose ist die rasche Diagnose und Überweisung an einen Schmerztherapeuten essenziell.

Abbildung 1: Spiegeltherapie nach Ramachandran: Die gesunde rechte Hand wird gespiegelt, das Spiegelbild wird vom Gehirn als linke Hand wahrgenommen. Foto: Dr. med. Andreas Böger

Treten nach einer Operation oder einem Trauma unklare und inadäquate Schmerzen auf, muss auch immer an einen Morbus Sudeck gedacht werden – heute meist als komlexes regionales Schmerzsyndrom („complex regional pain syndrom“, CRPS) bezeichnet. Wichtig ist, die aktuellen Diagnosekriterien zu kennen, damit der Patient rasch schmerztherapeutisch behandelt werden kann. Früh erkannt und richtig behandelt ist die Prognose des CRPS dann ausgesprochen gut. Neben der Schmerzkontrolle steht jetzt zunehmend die Restitution der Funktionalität 1 im Fokus. Die Analgesie soll die aktiven Therapieverfahren begünstigen beziehungsweise erst ermöglichen.

Ein CRPS entwickelt sich nach Verletzungen von Extremitäten bei 2–5 % der Patienten, am häufigsten bei distaler Radiusfraktur („loco typico“). Ein spontan auftretendes CRPS ist sehr selten, aber auch Bagatelltraumata können dieses Syndrom auslösen. Die Daten zur Prognose sind heterogen. Sandroni et al. 2 rechnen mit einer weitgehenden Remission bei > 50 % der Fälle.

Die Inzidenz wird mit zwischen 5,5 2 und 26,2/100 000 Patienten/Jahr 3 angegeben. Die meisten Patienten sind zwischen 40 und 70 Jahre alt, wobei allerdings auch Kinder betroffen sein können 4. Frauen sind häufiger betroffen als Männer 5.

Vor allem bei zu später und falscher Therapiewahl und fehlender Berücksichtigung komplizierender Faktoren kann das CRPS chronisch werden und schwere funktionelle Behinderungen nach sich ziehen. Leider wird die Diagnose oft erst spät gestellt, nicht selten durch den Physiotherapeuten.

Zuerst lokale, dann systemische Entzündungsreaktion

Im Hinblick auf die Pathophysiologie gibt es im Wesentlichen 2 Hypothesen, die zumindest einen Teil der Symptomatik erklären können.

1. Zum einen diskutiert man eine zuerst lokale, dann systemische Entzündungsreaktion, bei der Mediatoren wie CGRP („calcitonin-gene-related peptide“) oder Substanz P ausgeschüttet und/oder nicht ausreichend abgebaut werden und somit die neurogene Entzündungsreaktion abnorm verlängern. Da diese Entzündungsmediatoren auch zentral ausgeschüttet werden, kommt es sehr früh zu einer Sensibilisierung der zentralen schmerzverarbeitenden Neurone. Im Serum der Patienten finden sich erhöhte CGRP-Spiegel, die sich nach erfolgreicher Therapie normalisieren.

2. Die zweite Hypothese baut auf den autonomen Störungen als Zeichen einer Beteiligung des sympathischen Nervensystems auf. Veränderungen der Durchblutung und des Schwitzens sowie trophische Veränderungen lassen sich durch eine zentral bedingte Fehlfunktion des Sympathikus erklären. Durch die Vasokonstriktion kommt es zu einer Hypoxie des Gewebes. Die resultierende Azidose ist ein starker nozizeptiver Stimulus.

Veränderung der kortikalen Repräsentationsareale

Neuere Forschungsergebnisse haben die Rolle des Sympathikus in den Hintergrund treten lassen und betonen den Zusammenhang mit der „überschießenden“ Inflammation, die konsekutiv – wie auch bei anderen chronischen Schmerzsyndromen – sowohl eine periphere, als auch eine zentrale Sensibilisierung nach sich zieht 6 7.

In einigen Studien konnte eine Veränderung der kortikalen Repräsentationsareale nachgewiesen werden, die mit der häufig anzutreffenden Körperschemastörung korreliert 8. Es gibt Hinweise, dass durch eine adäquate spezifische Therapie die zentralen Veränderungen rückläufig sind 7 8. Darüber hinaus wird eine gestörte endogene Schmerzhemmung diskutiert, die prädisponierend wirken könnte 9.

Das CRPS wird unterteilt in:

CRPS I ohne Läsion eines größeren Nerven (früher M. Sudeck)
CRPS II mit Nervenläsion (früher Kausalgie) und schlechterer Prognose.

Mittlerweile wird oft eine Einteilung in ein „primär warmes“ und ein „primär kaltes“ CRPS bevorzugt. Diese Kategorien sind deswegen interessant, da sie unterschiedliche therapeutische Optionen nach sich ziehen und eine unterschiedliche Prognose haben. Ein primär warmes CRPS zeigt die typischen Entzündungszeichen (dolor, tumor, rubor, calor), ein primär kaltes beinhaltet eine eher blasse Hautfarbe und eine kältere Temperatur.

Nach aktueller Leitlinie 10 sind diagnostisch die sogenannten Modifizierten Budapest-Kriterien maßgebend (Kasten). Wegweisend sind Sensibilitätsstörungen, die nicht den Nervenversorgungsgebieten entsprechen („handschuhförmig“), motorische und vegetative Störungen sowie Körperschemastörungen. Häufig kommt es bereits früh nach dem Trauma oder der Operation zu inadäquaten Schmerzen bei Belastung und auch in Ruhe.

An den Gelenken zeigt sich eine Druckhyperalgesie, auf der Haut eine mechanische und thermische Hyperalgesie. Häufig besteht schon früh im Krankheitsverlauf eine ausgeprägte Allodynie, die ebenfalls nicht den typischen Nervenversorgungsgebieten entspricht.

Neben einer Einschränkung der aktiven und passiven Beweglichkeit stehen gelegentlich auch vielfältige neurologische Symptome im Vordergrund wie Störungen der Diadochokinese, schmerzbedingte Kraftminderung, Tremor, Myoklonien und Dystonien. Vegetative Zeichen sind Änderungen von Hauttemperatur und Hautfarbe, Ödeme, Veränderungen des Haar- und Nagelwachstums und Hyper- wie auch Hypohidrose. Diese Symptome ändern sich individuell im Verlauf stark.

Es empfiehlt sich die objektive Messung der Hauttemperatur mittels Thermometer. Unterschiede von mehr als 1–2 °C gegenüber der Gegenseite stützen die Diagnose. Unbehandelt kommt es im weiteren Verlauf durch trophische Veränderungen rasch zu Bewegungseinschränkungen und Kontrakturen.

Eine psychische Prädisposition ist nicht bekannt

Psychologisch finden sich manchmal, aber nicht durchgehend, Auffälligkeiten wie dependente Verhaltensweisen, eine erhöhte Ängstlichkeit und Affektlabilität, verbunden mit Selbstwert- und Selbstbildproblemen. Wie oft bei chronischen Schmerzsyndromen stellen sich bei den meisten Patienten bestimmte dysfunktionale Verhaltensweisen (wie zum Beispiel Katastrophisieren, Schonmythen und/oder Kinesiophobie) ein, die die Chronifizierung begünstigen. Eine eindeutige psychische Prädisposition ist jedoch nicht bekannt; die Gefahr besteht darin, die Beschwerden fälschlich als dissoziativ oder „psychogen“ einzuschätzen 10.

Differenzialdiagnostisch ist immer auch an eine tiefe Venenthrombose (warmes CRPS), einen ischämischen Gefäßverschluss (kaltes CRPS) oder eine Entzündung zu denken. Im Einzelfall ist die Abgrenzung zu einer aktivierten Arthrose, einem Gichtanfall oder einem Erysipel nicht einfach. Unabdingbar ist der klinische Ausschluss einer anderen Ursache, zum Beispiel Wundinfekt, Gefäßverschluss oder Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis.

In der Leitlinie 10 wird keine apparative Diagnostik mehr gefordert. Gleichwohl kann sie im Rahmen einer Begutachtung sinnvoll sein, wobei ein negativer Befund ein CRPS nicht ausschließt. Zur Anwendung können kommen:

1. ein Knochenszintigramm, das häufig eine bandenförmige, gelenknahe Anreichung im Seitenvergleich zeigt,

2. konventionelle Röntgenaufnahmen im Seitenvergleich, die gelenknah kleinfleckige, osteoporotische Veränderungen erkennen lassen (wobei unklar ist, ob die Veränderungen ursächlich auf das CRPS oder auf die Inaktivität der betroffenen Extremität zurückgehen) und

3. eine MRT, allerdings nur bei schwierigen differenzialdiagnostischen Fragestellungen.

Abgestufter Übungsplan unter Mitarbeit des Patienten

Im Zentrum der obligat interdiszi-plinären Therapie steht die Wiedererlangung der Funktionalität der betroffenen Extremität. Dies ist die Domäne der Physio- und Ergotherapie. In einem abgestuften Übungsplan („graded exposure“) werden immer schwierigere Situationen und Übungen erarbeitet. Dabei ist die aktive Mitarbeit des Patienten unerlässlich. Zunächst werden CT-Bilder von rechten und linken Händen gezeigt („motor imagery“), die korrekt zugeordnet werden müssen. Hintergrund ist hier die Körperschemastörung der Patienten. Zusätzlich wird oft mit spezifischen Bildern gearbeitet, die bei den Patienten Schmerzen auslösen können – zum Beispiel eine Hand, die ein Feuerzeug anzündet („explicit motor imagery“).

Ein Spiegel „überlistet“ das Gehirn

Die wichtigste und effektivste Maßnahme ist jedoch die Spiegeltherapie nach Ramachandran (Abbildung 1), die ganz erstaunliche Erfolge zeigt und die die Patienten – einmal korrekt gelernt – problemlos selbst mit einem im Baumarkt gekauften Spiegel durchführen können. Im Grunde bietet der Spiegel dem Gehirn die gesunde Hand als betroffene Hand an und „überlistet“ damit das ZNS. Mittels fMRT durchgeführte Studien zeigen, dass die beim CRPS veränderte kortikale Repräsentation sich unter dieser Therapie wieder normalisieren kann 11 12. Man beginnt meist mit sensorischen Übungen (Igelball) und geht dann zu motorischen Übungen über.

Eine weitere Methode ist die „pain exposure physical therapy“ (PEPT), die gezielt an die Schmerzgrenze oder auch darüber hinaus geht, während früher auf schmerzfreie Bewegung Wert gelegt wurde. Wichtig ist dabei, dass nicht der Therapeut durch passive Bewegung Schmerzen induziert, sondern der Patient selbst diese Bewegung trotz Schmerzen auszuführen lernt. So hat PEPT einen eindeutig verhaltenstherapeutischen Ansatz, der die Kinesiophobie vieler Patienten – ähnlich wie bei einer Angsthierarchie – sukzessive abbaut 1.

Im Zentrum der analgetischen Therapie stehen Medikamente, die die zugrunde liegende Neuropathie positiv beeinflussen (Tabelle) 10. Dabei werden trotz geringer Evidenz die Kalziummodulatoren Gabapentin und Pregabalin verabreicht. In schwierigen Situationen kann auch Ketamin i.v. nach verschiedenen Schemata gegeben werden. Bezüglich Opiaten gibt es keine positive Datenlage bei CRPS, sodass der Einsatz nicht empfohlen werden kann.
Therapie des CRPS. Dosisempfehlungen für Erwachsene (nach 10)

Therapie des CRPS. Dosisempfehlungen für Erwachsene (nach 10)

Topisch kann Dimethylsulfoxid-Salbe (DMSO) aufgetragen werden, die in den Niederlanden zur antiinflammatorischen Standardtherapie beim CRPS gehört. Die Datenlage ist allerdings uneinheitlich. Auch eine Ambroxol-Salbenmischung (Ambroxol 10 g, DMSO 5 g, Linola 50 g) kann gut gegen die Allodynie wirken 13. Ambroxol wirkt antiinflammatorisch, reduziert offenbar oxidativen Stress und ist ein Natriumkanalmodulator. Dieser interessante Ansatz sollte systematisch weiter untersucht werden. Darüber hinaus können nach eigener Erfahrung im Verlauf auch Retterspitz-Umschläge (Flüssigkeit käuflich in der Apotheke) die vegetative Entgleisung bremsen und die Allodynie reduzieren.

Eine Säule der medikamentösen Therapie sind Bisphosphonate. Diese sollten in vergleichsweise hoher Dosis täglich über einen definierten Zeitraum (morgens nüchtern im Stehen mit einem großen Glas Wasser) gegeben werden. Beim warmen CRPS in der Akutphase wird aufgrund der antiinflammatorischen und antiödematösen Wirkung mit Kortikoiden behandelt in einer Dosis von 1 mg/kg KG Prednisolon-Äquvalent. Calcitonin wird nicht mehr regelhaft empfohlen, da die Datenlage uneinheitlich ist.

Abbildung 2: „Warmes“ CRPS des rechten Fußes nach Weber-C-Fraktur vor 12 Monaten. Foto: Dr. med. Andreas Böger

Invasive Verfahren haben an Bedeutung verloren

Bei stark behindernden Dystonien kann Baclofen intrathekal gegeben werden, eine orale Gabe ist in der Regel erfolglos. Nach einer ein- oder mehrmaligen Injektion einer Testdosis sollte die kontinuierliche Gabe über eine implantierte Pumpe erfolgen. Derartige Behandlungen sollten allerdings nur in spezialisierten Zentren vorgenommen werden. Erste Studienergebnisse liegen auch zu i.v.-Immunglobulinen vor, die allerdings noch verifiziert werden müssen (14).

Invasive Verfahren haben an Bedeutung verloren und sollten nur nach interdisziplinärer Evaluation in einem multimodalen Schmerzsetting angewendet werden. Sympathikusblockaden hatten in einer kürzlich durchgeführten Cochrane-Analyse keinen konsistenten Effekt auf eine nachhaltige Schmerzlinderung und überhaupt keinen Effekt auf die Funktion der betroffenen Extremität (10, 15), werden aber in den Leitlinien bei Therapieresistenz im Verlauf empfohlen. Spinal-cord-Stimulations-(SCS-)Sonden sollten nur als Ultima Ratio implantiert werden. Eine Wirkung über mehr als 5 Jahre ist nicht bewiesen. Leider werden in Deutschland immer noch viele Plexuskatheter verwendet und viele SCS-Sonden implantiert, ohne dass die Patienten zuvor leitliniengerecht behandelt wurden.

Im Rahmen der interdisziplinären Betreuung des Patienten ist die Schmerzpsychotherapie obligat. Hier geht es um eine angstlösende Vermittlung eines biopsychosozialen Krankheitsmodells, um Entspannungs- und Imaginationsverfahren und natürlich auch um die Behandlung einer psychischen Komorbidität. Nach unserer Erfahrung sind der Abbau der Kinesiophobie und der dysfunktionalen Schonmythen die wichtigsten therapeutischen Maßnahmen beim CRPS.

Bei Kindern ist ein CRPS sehr selten und hat meist eine gute Prognose. Daher sind invasive Maßnahmen bei Kindern meist kontraindiziert. In jedem Fall ist hier eine gute Zusammenarbeit zwischen (Neuro-)Pädiater und Schmerztherapeut notwendig.

Dr. med. Andreas Böger
Chefarzt DRK Kliniken Nordhessen
Klinik für Schmerzmedizin
Regionales Schmerzzentrum Kassel

Der Artikel unterliegt nicht dem Peer-Review-Verfahren

Interessenkonflikt: Der Autor erhielt Vortragshonorare von Mundipharma, Pfizer, Astellas.

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit0318
oder über QR-Code.

Fazit

Alle Ärzte sollten mit den Diagnosekriterien („modifizierte Budapest-Kriterien“) vertraut sein, die vor allem auf schwer zuzuordnende Störungen der Sensibilität, Motorik und Trophik abheben.
Die Diagnose ist meist mit einfachen Methoden ohne apparative Zusatzuntersuchungen zu stellen.
Differenzialdiagnosen sind rheumatoide Arthritis, Erysipel, Thrombosen und Gefäßverschlüsse.
Für eine gute Prognose ist die rasche Diagnose und Überweisung an einen Schmerztherapeuten essenziell.
Die Therapie wird interdisziplinär durchgeführt und rückt eine Verbesserung der Funktion in den Mittelpunkt.
Medikamentös sind topische Verfahren wie DMSO-Salbe und Ambroxol interessante Ergänzungen, die in Zukunft noch besser untersucht werden sollten.

Modifizierte Budapest-Kriterien für das CRPS

1. Anhaltender Schmerz, der durch das Anfangstrauma nicht mehr erklärt wird.

2. Die Patienten müssen anamnestisch über jeweils mindestens 1 Symptom aus 3 der 4 folgenden Kategorien berichten:

a) Hyperalgesie (Überempfindlichkeit gegenüber Schmerzreizen); Hyperästhesie (Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen, Allodynie)

b) Asymmetrie der Hauttemperatur, Veränderung der Farbe

c) Asymmetrie im Schwitzen, Ödem

d) Reduzierte Beweglichkeit, Dystonie, Tremor, „Paresen“ (oder Schwäche), Veränderungen von Haar- oder Nagelwachstum

3. Bei den Patienten muss jeweils 1 Symptom aus 2 der 4 folgenden Kategorien zum Zeitpunkt der Untersuchung vorliegen:

a) Hyperalgesie (Überempfindlichkeit gegenüber Schmerzreizen); Hyperästhesie (Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen, Allodynie)

b) Asymmetrie der Hauttemperatur, Veränderung der Farbe

c) Asymmetrie im Schwitzen, Ödem

d) Reduzierte Beweglichkeit, Dystonie, Tremor, „Paresen“ (oder Schwäche), Veränderungen von Haar- oder Nagelwachstum

4. Ein andere Erkrankung erklärt die Symptome nicht hinreichend.

Es müssen alle Punkte erfüllt sein!

Quelle: m.aerzteblatt.de/print/195811.htm